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Was ist Wahrheit? Was ist Wirklichkeit? Wie wurden wir, wer wir sind?Ferdinand von Schirach beschreibt in seinem neuen Buch "Strafe" zwölf Schicksale. Wie schon in den beiden Bänden "Verbrechen" und "Schuld" zeigt er, wie schwer es ist, einem Menschen gerecht zu werden und wie voreilig unsere Begriffe von "gut" und "böse" oft sind.Ferdinand von Schirach verurteilt nie. In ruhiger, distanzierter Gelassenheit und zugleich voller Empathie erzählt er von Einsamkeit und Fremdheit, von dem Streben nach Glück und dem Scheitern. Seine Geschichten sind Erzählungen über uns selbst.

Gegenwarts- & Literarische Fiktion
192 SeitenHardcover
Erschienen an: March 5, 2018

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Aktuelle Rezensionen(4)

4.3(90 ratings)
HansRezension von Hans

Mit Strafe gelingt Ferdinand von Schirach ein eindrucksvolles und nachdenklich stimmendes Werk, das lange nach der Lektüre im Kopf bleibt. In seinen Kurzgeschichten widmet sich der Autor erneut den Grenzbereichen von Recht, Moral und menschlicher Schuld – präzise, nüchtern und zugleich tief berührend. Schirachs Sprache ist klar und reduziert, fast sachlich, was die emotionale Wirkung der Geschichten umso stärker macht. Ohne Pathos, aber mit großer Genauigkeit beschreibt er Schicksale, die zeigen, wie komplex menschliches Handeln ist und wie schwer es oft fällt, zwischen richtig und falsch zu unterscheiden. Jede Geschichte wirkt wie ein moralisches Experiment, das den Leser dazu zwingt, eigene Urteile zu hinterfragen. Besonders beeindruckend ist, wie Strafe den Begriff der Gerechtigkeit beleuchtet. Schirach zeigt, dass Rechtsprechung nicht immer Gerechtigkeit bedeutet und dass Schuld nicht immer dort liegt, wo man sie zunächst vermutet. Die Figuren sind keine Helden oder Schurken, sondern Menschen mit Brüchen, Ängsten und inneren Konflikten – genau das macht sie so glaubwürdig. Strafe ist ein ruhiges, aber intensives Buch, das weniger unterhalten als vielmehr zum Nachdenken anregen will. Es eignet sich hervorragend für Leserinnen und Leser, die kurze, aber gehaltvolle Texte schätzen und sich für ethische Fragen interessieren. Ferdinand von Schirach beweist erneut, dass große Literatur nicht laut sein muss, um eine starke Wirkung zu entfalten.

LenaRezension von Lena

Mit Strafe legt Ferdinand von Schirach den dritten Band seiner literarischen Auseinandersetzung mit Recht, Moral und Menschlichkeit vor – und knüpft damit nahtlos an Verbrechen und Schuld an. Wieder sind es zwölf Geschichten, wieder geht es um Menschen am Rand der Norm – Täter, Opfer, Mitläufer. Und wieder verzichtet Schirach auf großes Drama. Stattdessen schreibt er in seinem typischen, präzise-nüchternen Stil – sachlich, kühl, fast protokollarisch –, und gerade das verleiht den Fällen eine ungeheure Wucht.   Besonders bewegend ist die Geschichte eines alten Mannes, der durch eine scheinbar banale Entscheidung eine Kette tragischer Ereignisse auslöst. Hier wird deutlich: Die Brüche, die Leben verändern, sind oft winzig – und doch tiefgreifend. Schirach zwingt seine Leser:innen nicht zu einer Meinung, sondern überlässt ihnen die Deutungshoheit. Es gibt keine klaren Schuldigen, keine eindeutigen Opfer – nur Menschen mit Entscheidungen, Zufällen, Versäumnissen.   In Strafe wird die Frage nach Gerechtigkeit noch fundamentaler gestellt als in den Vorgängerbänden. Nicht nur juristische, sondern existenzielle Aspekte treten in den Vordergrund. Schirach macht klar: Nicht jede juristische Strafe ist moralisch gerecht. Und nicht jede moralische Verfehlung wird je juristisch geahndet. Manche der Strafen in diesen Geschichten sind leise, subtil, aber ebenso zerstörerisch – etwa wenn ein Mensch aus Schuldgefühl heraus sein Leben in ein Gefängnis aus Fürsorge und Verzicht verwandelt.   Der Zufall spielt in vielen Geschichten eine zentrale Rolle – als unkontrollierbarer Gegenspieler von Gesetz und Ordnung. Er wirkt manchmal wie ein grausamer Richter, der entscheidet, wessen Leben entgleist und wessen nicht.   Strafe ist kein Buch für schnelle Urteile. Es ist ein Spiegel, der leise und eindringlich die Fragen stellt, die wir oft verdrängen: Was ist gerecht? Was ist gut? Und was bleibt, wenn das Recht am Ende nichts mehr zu sagen hat?   Fazit: Strafe ist ein stilles, schmerzhaftes und kluges Buch, das Leser:innen zum Nachdenken zwingt. Wer sich für die Grauzonen zwischen Recht und Moral interessiert, wird hier fündig – und verstört zurückgelassen. Auf die bestmögliche Weise.

OleRezension von Ole

»Vielleicht hast Du Recht und es gibt kein Verbrechen und keine Schuld«, sagte er, »aber es gibt eine Strafe.« Meiner Meinung nach einer von von Schirachs dunkelsten Erzählbänden, gleichzeitig einer der wichtigsten, bei der sich die Moral eher zwischen den Zeilen befindet.

Jessica SolievaRezension von Jessica Solieva

Ferdinand von Schirach hat es in „Strafe“ geschafft, ein realistisches Bild von Einsamkeit und Depressionen zu vermitteln. Sowohl Straftätige selbst, als auch juristische Akteure sehen sich mit den Abgründen ihrer Psyche konfrontiert. Teilweise kamen mir die Beschreibungen der verschiedenen Gefühlszustände und die Handlungen der Figuren repetitiv vor, sodass ich meistens ahnen konnte, was passieren würde. Aber für jeden, der sich gerne mit menschlichen Abgründen und den Motiven zur Begehung einer Straftat befasst, nichtsdestotrotz sehr empfehlenswert.

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