Helens Hansford ist alles andere als eine konventionelle Frau – erst recht für die Sechzigerjahre. Unter der Woche hilft sie Patienten in einer modernen Klinik durch Kunst zur Rehabilitation, an den Wochenenden versucht sie, die Affäre mit ihrem charismatischen Kollegen Dr. Gil Rudden zu retten. Dass Gil seine Frau und Kinder nicht verlassen will, macht Helen anfangs nicht aus. Schließlich ist sie doch jung, autonom und emanzipiert. Dann lernt Helen durch ihre Arbeit den stummen William Tapping kennen, der das Haus seiner verwirrten alten Tante seit Jahren nicht mehr verlassen hat. Alle anderen sehen in dem verwahrlosten William nicht mehr als eine Randfigur. Nur Helen bemerkt seine überraschende künstlerische Begabung und setzt alles daran, sein Geheimnis zu lüften. Schnell offenbart sich, dass William nicht der Einzige ist, der schon lange nicht wirklich gesehen wurde …
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Scheue Wesen
von Clare Chambers, Wibke Kuhn
Helens Hansford ist alles andere als eine konventionelle Frau – erst recht für die Sechzigerjahre. Unter der Woche hilft sie Patienten in einer modernen Klinik durch Kunst zur Rehabilitation, an den Wochenenden versucht sie, die Affäre mit ihrem charismatischen Kollegen Dr. Gil Rudden zu retten. Dass Gil seine Frau und Kinder nicht verlassen will, macht Helen anfangs nicht aus. Schließlich ist sie doch jung, autonom und emanzipiert. Dann lernt Helen durch ihre Arbeit den stummen William Tapping kennen, der das Haus seiner verwirrten alten Tante seit Jahren nicht mehr verlassen hat. Alle anderen sehen in dem verwahrlosten William nicht mehr als eine Randfigur. Nur Helen bemerkt seine überraschende künstlerische Begabung und setzt alles daran, sein Geheimnis zu lüften. Schnell offenbart sich, dass William nicht der Einzige ist, der schon lange nicht wirklich gesehen wurde …
Aktuelle Rezensionen(7)
Wieviel Schrecken verträgt eine Kinderseele? London, 1964: in einem baufälligen Haus wird ein Mann namens William Tapping entdeckt und nach Westbury Park gebracht, einer modernen psychiatrischen Klinik im Süden der Stadt. William ist körperlich verwahrlost, scheinbar stumm und hat seit Jahren das Haus nicht verlassen, in dem er mit seiner alten Tante lebte. Die junge Kunsttherapeutin in Westbury Park, Helen Hansford, bemerkt Williams überraschende künstlerische Begabung und setzt alles daran, sein Geheimnis zu lüften. Dabei offenbart sich, dass William nicht der Einzige ist, der schon lange nicht wirklich gesehen wurde... 504 Seiten liegen hinter mir und es fühlt sich an wie 5004 Seiten. Wieviel Schicksal, wieviel Schrecken, wieviel Wut, wieviel Angst kann man auf gut 500 Seiten unterbringen? Ich finde: extrem viel. Der besondere Schreibstil ist anfangs eine Herausforderung. Denn die Gegenwart (hier: das Jahr 1964) wird chronologisch erzählt, während Williams' Leben in 4-5 Jahresschritten rückwärts erzählt wird. Und schnell wird klar, wieviel Schrecken und Angst eine kleine Kinderseele erleben muss, bis sie komplett verstummt und verkümmert. Das Buch basiert auf einer wahren Geschichte, die ein tragischeres Ende als das Buch nahm, aber umso beeindruckender ist, was Clare Chambers daraus gemacht hat. William, Francis, Marion, Helen und alle anderen Protagonisten werden mir noch lange im Kopf bleiben, denn ich werde sie vermissen!
Eine sehr schöne Geschichte um einen verlorenen Jungen, William. Er wird in einem Haus gefunden, das er mit seinen Tanten bewohnt hat. Rückblickend wird seine Geschichte, aber auch Helens, der Maltherapeutin, erzählt.
Ein leises Buch. Aber mit so viel menschlicher Nähe. Das Cover und der Titel passen hervorragend.
Ein toller Roman, tolle Charaktere mit denen ich schnell warm geworden bin, eine Geschichte die langsam und doch super interessant ist. Ein bisschen wie eine ältere Serie die einen klassischen Spannungsbogen hat, dazu das Setting der Psychiatrischen Klinik im Jahr 1964 spannend für jeden, der sich für die Geschichte der Psychiatrie interessiert. Mir hat das Lesen richtig viel Freude gemacht.
Helen arbeitet in den 60ern als Kunsttherapeutin in einer psychiatrischen Klinik im Großraum London. Eines Tages wird William Tapping eingeliefert, der seit vielen Jahren das Haus seiner Tanten nicht verlassen hat. Er ist völlig verwahrlost und spricht nicht. Helen macht es sich zur Aufgabe, sein Zeichentalent zu fördern, sein Geheimnis zu lüften und ihm zu helfen. Aber auch um ihr Privatleben steht es nicht zum Besten … Dieses Buch verknüpft das Thema der Reformation der Psychiatrie, in der zahlreiche neue Ansätze überholte Methoden ersetzen sollten, was zwangsweise zu Uneinigkeit auf Seiten des medizinischen Personals führt, mit den Möglichkeiten junger Frauen in einer Zeit, in der noch veraltete Rollenbilder vorherrschen. In diese Situation bricht die Entdeckung des verwahrlosten und offenbar verstörten Mannes ein. Zunächst kann sich niemand erklären, wieso er über viele Jahre vor der Welt verborgen war. Während seine Vergangenheit nach und nach in Rückblenden aufgedeckt wird, die immer weiter zurück in die Vergangenheit und zum Kern seiner Probleme gehen, beobachten wir, wie Helen ihr Privatleben in Ordnung zu bringen versucht. Auch wenn sie nicht Jahre eingesperrt in einem Haus verbracht hat, scheint es doch, als hätte auch sie sehr lange niemand wirklich gesehen.