Als ein Schattentänzer bewegt sich der Dichter durch Landschaften und Städte, ihre unheimlichen Geschichten überwältigen ihn, und die darin begrabene dunkle Geschichte läßt ihm keine Ruhe, >es fehlt die Gabe zur Flucht. Der Fluß habe die Steinkrankheit, erfährt er, und von den drei Plagen: Blutregen, Fallwind und Salzblume. Er findet Francos Wohnzimmer aus Stein und überall Friedhöfe, wo Pioniertote ihn erwarten für die Leichentramway oder pneumatische Post. Darüber schließlich den beweglichen Himmel von Salamanca, / keine Leiter, kein Weltenbaum, doch Halt genug für eine Tränenschuld. Stark, unentrinnbar sind diese Eindrücke, weil von ungeheuerlicher Sinnlichkeit: In den Katakomben / sind wir Auge und Ohr, nicht Zunge, nicht Neid. Dies zu ertragen, zu überleben gelingt ihm gleichwohl, denn wir sind gedoppelt genug, / des nachts im Gesang, des tags im Fleisch.: In seinen Weltwanderungen nämlich bleibt der Dichter ein Troubadour, seine Verse vom Tod, dem er überall begegnet, gelten immer seinem Du, das ihn zu hören erwartet: Geschichte, sagst du, sind Geschichten, / die wir einander erzählen / stets anders und neu. Und das ihn zu trösten versteht: Wir schaudern nicht, / wir sind gelassen wie / Schatten und Spiegel.
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Schattentänzer
von Wolfgang Kubin
Als ein Schattentänzer bewegt sich der Dichter durch Landschaften und Städte, ihre unheimlichen Geschichten überwältigen ihn, und die darin begrabene dunkle Geschichte läßt ihm keine Ruhe, >es fehlt die Gabe zur Flucht. Der Fluß habe die Steinkrankheit, erfährt er, und von den drei Plagen: Blutregen, Fallwind und Salzblume. Er findet Francos Wohnzimmer aus Stein und überall Friedhöfe, wo Pioniertote ihn erwarten für die Leichentramway oder pneumatische Post. Darüber schließlich den beweglichen Himmel von Salamanca, / keine Leiter, kein Weltenbaum, doch Halt genug für eine Tränenschuld. Stark, unentrinnbar sind diese Eindrücke, weil von ungeheuerlicher Sinnlichkeit: In den Katakomben / sind wir Auge und Ohr, nicht Zunge, nicht Neid. Dies zu ertragen, zu überleben gelingt ihm gleichwohl, denn wir sind gedoppelt genug, / des nachts im Gesang, des tags im Fleisch.: In seinen Weltwanderungen nämlich bleibt der Dichter ein Troubadour, seine Verse vom Tod, dem er überall begegnet, gelten immer seinem Du, das ihn zu hören erwartet: Geschichte, sagst du, sind Geschichten, / die wir einander erzählen / stets anders und neu. Und das ihn zu trösten versteht: Wir schaudern nicht, / wir sind gelassen wie / Schatten und Spiegel.
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