Format:Softcover
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Ein Schweinezüchter, gemästet und geschlachtet. Eine Geheimdienstagentin und ein Journalist in unheilvoller Allianz. Der starke Start einer neuen Thrillerserie aus Dänemark.Mickael Molls Karriere scheint beendet. Er steht kurz davor, aus der Investigativredaktion versetzt zu werden. Doch dann stößt er auf eine dubiose Verbindung zwischen einem einflussreichen dänischen Schweinezüchter und einem russischen Oligarchen. Seine Artikel sorgen für Furore und wenig später liegt ein Umschlag vor seiner Tür. Darin ein Foto, eine Adresse und die Worte: »Triff mich hier«. Als Mickael auf dem verlassenen Hof mitten in Nordjütland ankommt, wird er zum Zeugen einer grausamen Tat mit politischer Sprengkraft.Geheimdienstagentin Christiane Mielcke wird mit dem Fall betraut. Im Zentrum der Ermittlungen und der öffentlichen Empörung steht die Tierschutzbewegung. Doch Christiane traut dem Bild nicht und ermittelt auf eigene Faust. Ihre Spur führt sie zu Mickael, der sich inzwischen Sorgen um seine tierschutzbewegte Tochter machen muss.

Mystery, Thriller, Horror & Crime
416 SeitenSoftcover
Erschienen an: June 10, 2026

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BuchsuchtRezension von Buchsucht

Wenn ein Schweinezüchter wie eines seiner eigenen Tiere endet Kurzer Hinweis vorweg: „Porcus“ behandelt Themen wie industrielle Schweinezucht, Tierwohl, gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen Aktivist:innen und Landwirten sowie organisierte Kriminalität. Einige Schilderungen rund um die Schweinemast-Industrie sind drastisch. Wer mit dem Thema Tierhaltung empfindlich umgeht, sollte das beim Lesen im Hinterkopf behalten. Dänemarks größter Schweinezüchter ist seit drei Wochen spurlos verschwunden. Eines späten Abends klingelt es bei dem Investigativjournalisten Mickael Moll an der Tür. Auf seiner Fußmatte liegt ein Umschlag – ein Foto des verschwundenen Mannes, eine Adresse in Nordjütland, dazu nur die Zeile „Treff mich hier heute Nacht“. Moll, dessen Karriere am Boden ist und der kurz vor der Versetzung aus der Investigativredaktion steht, fährt los. Es könnte seine letzte Chance sein, eine große Geschichte zu liefern. Was er an der Adresse findet, lässt ihn keine Sekunde mehr los: Der Schweinezüchter ist tot, gemästet und geschlachtet wie eines seiner eigenen Tiere. Eine Botschaft, gleichzeitig eine Hinrichtung. Die Spuren führen in mehrere Richtungen – zu radikalen Tieraktivist:innen, zur russischen Mafia, mitten in die politische Klima- und Tierwohl-Debatte des Landes. Die unkonventionelle PET-Geheimdienstagentin Christiane Mielcke wird auf den Fall angesetzt. Als die Lage vor dem Christiansborg in offene Gewalt zwischen Aktivist:innen und Landwirten eskaliert, beginnen Moll und Mielcke widerwillig zusammenzuarbeiten. Doch dann muss Moll feststellen, dass jemand viel zu nah an seinem Privatleben Spuren hinterlassen hat – seine eigene 19-jährige Tochter scheint mittendrin zu sein. Das ist für mich das Herzstück dieses Buches und der Grund, warum ich Kim Hundevadt 4 Sterne gebe: der investigative Polit-Thriller-Plot. „Porcus“ ist nicht einfach ein weiterer Skandinavien-Krimi mit malerischen Tatorten, sondern ein politisch hochaufgeladener Investigativ-Thriller. Hundevadt nutzt seine 13 Jahre Erfahrung als Investigativ-Reporter bei der Jyllands-Posten erkennbar in jeder Zeile. Hier schreibt jemand, der die Welt der Recherche von innen kennt, der weiß, wie Polizei, Geheimdienst, Medien und politische Eliten zusammenspielen oder gegeneinander. Was den Plot besonders stark macht: Er verbindet hochaktuelle gesellschaftliche Themen zu einem fesselnden Krimi-Geflecht. Industrielle Tierhaltung, Klimakampf, Tierwohl-Debatte, soziale Medien und ihr Einfluss auf die demokratische Diskussion, radikale Aktivismus-Strömungen, organisierte Kriminalität, politischer Druck auf Ermittlungsbehörden. Das ist nicht aus der Luft gegriffen, sondern leider erschreckend nah an der Wirklichkeit. Was „Porcus“ über durchschnittliche Krimis hinaushebt: Die Themen sind 2025/2026 hoch relevant. Industrielle Schweinezucht ist gerade in Dänemark, einem der größten Exporteure für Schweinefleisch in Europa, ein heißes Eisen. Tierwohl, Klimakatastrophe, Polarisierung zwischen Aktivismus und konservativer Bauernschaft, die russische Bedrohung von außen – Hundevadt nimmt all das auf, ohne moralisierend zu werden. Er zeigt verschiedene Perspektiven. Die wütenden Landwirte mit ihrer realen wirtschaftlichen Existenzangst. Die radikalen Aktivist:innen mit ihrem berechtigten Anliegen, aber problematischen Methoden. Die politische Macht, die mit dem Druck umzugehen versucht. Diese Differenziertheit hat mich beeindruckt. Hundevadt hätte es sich leicht machen können, die Aktivist:innen zu Held:innen zu erklären oder die Landwirte zu Schurken. Stattdessen zeichnet er ein nuanciertes Bild einer polarisierten Gesellschaft, in der niemand komplett im Recht oder Unrecht ist. Genau diese Reife macht das Buch zu mehr als nur einer spannenden Krimi-Lektüre – es ist gleichzeitig eine literarische Reflexion über die Zerrissenheit unserer Zeit. Was diesen Krimi authentisch macht: Kim Hundevadts Hintergrund. Er war über 13 Jahre Investigativ-Reporter bei der Jyllands-Posten, einer der größten dänischen Tageszeitungen, hat anschließend 14 Jahre das Sachbuchprogramm bei Politikens Forlag verantwortet, hat fünf Sachbücher geschrieben und debütiert jetzt mit 65 Jahren als Krimi-Autor. Das spürt man auf jeder Seite. Die Welt der Investigativ-Recherche – der Druck der Redaktion, die zähen Quellen-Gespräche, die ethischen Dilemmata, die brüchige Existenz eines alternden Reporters – wird mit einer Glaubwürdigkeit beschrieben, die nur aus echter Erfahrung kommen kann. Genau das hebt „Porcus“ über das übliche Genre-Niveau. Hier schreibt kein Autor, der über Journalismus liest und ein paar Klischees recycelt, sondern jemand, der weiß, wie es sich anfühlt, mit einer brisanten Story in der Hand vor dem Chefredakteur zu sitzen und überlegen zu müssen, was man drucken darf, was nicht und welchen Preis man zahlen wird. Die Konstellation aus Investigativjournalist und Geheimdienstagentin ist nicht ganz neu im Krimi-Genre, aber Hundevadt setzt sie geschickt um. Mickael Moll ist der alternde, abgehalfterte Reporter, dessen Karriere am Boden ist, der eine letzte Chance braucht, und dem das Schicksal sie in Form einer makabren Lieferung vor die Haustür legt. Er ist nicht der typische Krimi-Held, kein Superman mit Lösungen für alles, sondern ein gebrochener Mann auf der Suche nach Wiedergutmachung. Christiane Mielcke dagegen ist die spannendere Hälfte des Duos. Eine unkonventionelle PET-Agentin (die dänische Sicherheitsbehörde), die ihre eigenen Wege geht, sich nicht in Befehlsstrukturen pressen lässt, die Wahrheit auch dann sucht, wenn die politischen Vorgesetzten lieber eine andere Geschichte hätten. Mielcke ist die treibende Kraft im Buch, und ich kann mir gut vorstellen, dass sie in den kommenden Bänden der Reihe immer mehr in den Vordergrund tritt. Mein Tipp: Wer die Reihe weiterverfolgen will, sollte vor allem ihren Werdegang im Auge behalten. Was diesen Krimi besonders macht: Das Setting ist nicht das verschneite, romantisierte Skandinavien, das wir aus vielen Krimis kennen. Hundevadt zeigt das Dänemark der 2020er-Jahre, ein Land mitten in Strukturwandel, Polarisierung und politischen Erschütterungen. Christiansborg, die nordjütländischen Bauernhöfe, die Redaktionsräume in Kopenhagen – das alles wirkt sehr realistisch und konkret. Wer ein Faible für Skandinavien-Krimis hat, bekommt hier eine ganz neue Perspektive auf den Norden. Besonders gut gefällt mir, dass Hundevadt nicht in die übliche Skandinavien-Mystik verfällt. Kein schwermütiger, schweigsamer Ermittler, der durch verschneite Landschaften wandert. Stattdessen ein durchaus modernes Dänemark mit allen seinen Konflikten – Stadt gegen Land, Aktivismus gegen Konservatismus, Digitalisierung gegen Tradition. Genau diese Aktualität macht das Buch zu einem zeitgemäßen Genre-Vertreter. Kim Hundevadt schreibt sachlich-präzise, ohne literarisches Pathos. Das ist erkennbar die DNA eines Journalisten – klare Sätze, konkrete Beobachtungen, eine angemessene Distanz, die nicht kalt wirkt, sondern souverän. Die deutsche Übersetzung trägt diesen Stil gut. Wer einen kraftvoll-poetischen Erzählton sucht, wird hier nicht fündig. Wer dagegen sachorientierten, gut recherchierten Politthriller liebt, ist genau richtig. Das Tempo ist überwiegend gut. Hundevadt strukturiert seine Geschichte in sechs dramatische Tage, die jeweils eigene Kapitel-Bündel bilden. Diese Zeit-Struktur sorgt für Dringlichkeit – man fühlt die Uhr ticken. Es gibt einige Längen im Mittelteil, in denen das Buch sehr viel politischen Hintergrund erklärt, aber das Ende beschleunigt sich rasant und endet mit einem wirklich starken Showdown. Ein Stern Abzug, und zwar aus zwei Gründen. Erstens: Mickael Moll wirkt als Hauptfigur stellenweise zu passiv. Andere Rezensent:innen haben es treffend formuliert: Er löst den Fall nicht aktiv, sondern fällt eher in die Lösung hinein. Sein Beitrag zur Aufklärung kommt vor allem durch Glück und Insider-Wissen, nicht durch besondere ermittlerische Brillanz. Bei einem investigativen Journalisten als Hauptfigur hätte ich mir mehr Drive, mehr Eigeninitiative gewünscht. Mielcke ist hier deutlich stärker gezeichnet. Zweitens: Das Buch hat im Mittelteil Längen. Manche Hintergrund-Erklärungen zu politischen Strukturen, Aktivist:innen-Gruppen und der russischen Mafia hätten knapper sein können. Hundevadt schreibt erkennbar mit dem Anliegen, der Leserschaft die ganze Komplexität der Themen näherzubringen – das ist ehrenwert, bremst aber gelegentlich das Tempo. Strafferes Lektorat hätte hier helfen können. Trotz dieser kleinen Schwächen ist „Porcus“ für mich ein wirklich starker Reihen-Auftakt mit großem Potenzial. Mein Fazit: „Porcus“ ist ein wirklich starker Politthriller aus Dänemark, der seine eigene Stimme im Genre findet. Kim Hundevadt schreibt mit der Glaubwürdigkeit eines erfahrenen Investigativ-Reporters, nimmt brandaktuelle Themen auf und verknüpft sie zu einem fesselnden Krimi-Geflecht. Wer Skandinavien-Krimis mit politischer Substanz sucht, jenseits der üblichen verschneiten Klischees, sollte unbedingt einsteigen. Christiane Mielcke ist eine der spannendsten neuen Ermittler-Figuren der letzten Zeit. Hundevadt hat das Fundament für eine wirklich starke Reihe gelegt – wenn er das Niveau halten kann, wird Moll & Mielcke eine der relevantesten Krimi-Reihen aus Skandinavien werden. Ich freue mich auf die nächsten Bände und werde sie definitiv lesen. Empfehlenswert für Fans politisch-aktueller Skandinavien-Krimis wie Jens Lapidus, Stieg Larsson (Millennium-Reihe), Jussi Adler-Olsen oder Arnaldur Indriðason. Für alle, die Politthriller mit echter Recherche-Tiefe schätzen und Lust auf eine neue dänische Stimme haben. Auch für Leser:innen, die sich für Themen wie industrielle Tierhaltung, Klimaaktivismus, organisierte Kriminalität und politische Polarisierung interessieren. Ideale Lektüre für gesellschaftspolitisch engagierte Krimi-Liebhaber:innen. Eher nichts für Leser:innen, die schnelle Action-Thriller mit hohem Tempo bevorzugen, bei politischen Hintergrund-Erklärungen schnell ungeduldig werden oder sich aktiv von Themen wie industrieller Tierhaltung und Tierwohl-Debatten fernhalten möchten – das Buch wird hier deutlich. Wer Skandinavien-Krimis vor allem wegen der schwermütig-romantischen Atmosphäre liebt, ist hier eher falsch – Hundevadt schreibt sachlich-direkt.

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