Als Claire den bekannten französischen Politikjournalisten Jean Farel kennenlernt, verzichtet sie auf ihre gerade begonnene Karriere im Weissen Haus. Sie kehrt nach Frankreich zurück und heiratet den 27 Jahre älteren Jean. Viele Jahre später, Sohn Alexandre studiert inzwischen in Kalifornien, ist die Ehe am Ende. Claire lebt bei ihrem Liebhaber Adam. Jean hat seit Jahren viele Affären. Anlässlich einer Preisverleihung an Jean kommt Alexandre nach Paris. Er nimmt Mila, Adams Tochter, mit zur Verleihung. Am nächsten Morgen nimmt das Unheil seinen Lauf: Alexandre wird verhaftet und wegen Vergewaltigung angeklagt. Adam trennt sich sofort von Claire ... - Der gröt︢e Teil dieses fulminanten Gesellschaftsromans spielt im Gerichtssaal. Karine Tuil beleuchtet das Verhältnis von Männern und Frauen. Es geht um Sex, Feminismus, die Macht der Medienwelt. Für Kunden, die moderne, analytische und auch provokante Literatur mögen
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Menschliche Dinge
von Karine Tuil
Als Claire den bekannten französischen Politikjournalisten Jean Farel kennenlernt, verzichtet sie auf ihre gerade begonnene Karriere im Weissen Haus. Sie kehrt nach Frankreich zurück und heiratet den 27 Jahre älteren Jean. Viele Jahre später, Sohn Alexandre studiert inzwischen in Kalifornien, ist die Ehe am Ende. Claire lebt bei ihrem Liebhaber Adam. Jean hat seit Jahren viele Affären. Anlässlich einer Preisverleihung an Jean kommt Alexandre nach Paris. Er nimmt Mila, Adams Tochter, mit zur Verleihung. Am nächsten Morgen nimmt das Unheil seinen Lauf: Alexandre wird verhaftet und wegen Vergewaltigung angeklagt. Adam trennt sich sofort von Claire ... - Der gröt︢e Teil dieses fulminanten Gesellschaftsromans spielt im Gerichtssaal. Karine Tuil beleuchtet das Verhältnis von Männern und Frauen. Es geht um Sex, Feminismus, die Macht der Medienwelt. Für Kunden, die moderne, analytische und auch provokante Literatur mögen
Aktuelle Rezensionen(3)
Dieses Buch kann ich so sehr empfehlen! Es hat mich nicht mehr losgelassen!
It’s an interesting story but it’s really unrealistic. And I don’t see the point in telling again the story of an assault from the assaulting persons perspective (that nothing happend). The writing is good and the German translate as well. But the characters have no depth and are all pretty much a cliché.
Das Ehepaar Farel hat alles: Prestige, Reputation, den perfekten Sohn, Alexandre, der Marathon läuft und in Stanford studiert. Claire Farel ist eine gefeierte Essayistin, Jean Farel der Stern des französischen Polit-Fernsehens. Doch hinter der Fassade bröckelt es mehr und mehr: Jean liebt eine andere Frau, umgibt sich aber gleichzeitig mit jungen „Dingern“, um sein eigenes Altwerden zu vergessen, das er manisch zu vertuschen und verzögern versucht. Claire gerät zwischen die Fronten des Feminismus und der Flüchtlingsdebatte nach einem Interview zu den Kölner Vergewaltigungen 2015/ 16. Alexandre liebt die falsche Frau und kann nicht mehr atmen vor Leistungsdruck. Als schließlich die Polizei mit einer Anzeige wegen Vergewaltigung vor der Tür der Familie steht, reißt der gewebte Teppich der Lügen und Show auf dem die Farels seit Jahrzehnten in der Öffentlichkeit stehen gänzlich ein. Das Buch wurde mir in einer schönen kleinen Buchhandlung in Wien mit dem Namen „metamorphose. Erlesene Auswahl“ empfohlen. Ich hatte von Karine Tuil bereits „Die Gierigen“ gelesen. Auch wenn es eine Weile her ist (und ich damals nur Sterne vergab und generell eher keine Rezensionen schrieb), erinnerte ich mich, dass ich es sehr gut und eindringlich fand. „Menschliche Dinge“ hat mich in kürzester Zeit völlig vereinnahmt und ich habe das Buch fast in einem Stück gelesen. „Sogwirkung“ ist wohl das richtige Wort. Der Schreibstil ist toll, sehr fließend und sehr intelligent. Die Charaktere sind alle sehr abgründig und einsam auf ihre Art und Weise. Das Setting in der Pariser Medien- und Politikwelt hat mir sehr zugesagt. Ich hatte durchgängig Bilder im Kopf. Die Geschichte baut sich nach und nach auf, man begleitet alle drei Farels immer mal wieder und lernt sie kennen. Die Schlüsselszene lässt auf sich warten, was ich persönlich total überraschend und gut fand, denn bis dahin war man schon total im Geschehen. Darauf folgt dann plötzlich eine Verdichtung der Ereignisse, die den Höhepunkt in einem 4-tägigen Gerichtsprozess findet. Monologische Plädoyers, die ganze Kapitel umspannen, das Erleben des Prozesses gefühlt in Echtzeit. Ich fand es genial und konnte nicht aufhören. Zeitlich ordnet sich die Vergewaltigung kurz vor der #metoo-„Revolution“ ein. Tuil adressiert dies unfassbar klug und realistisch. Ihr fiktiver Fall Farel ist ein Testament für alles, was in dieser Debatte schief läuft. Ich will nicht spoilern, aber selbst das Ende ihres Buches und der Fokus auf die eine Person neben dem Nicht-Fokus auf die andere sind so schlau konstruiert. Tuil erwähnt in ihrer Danksagung einen Vergewaltigungsprozess in Stanford, und borgt sich davon die Aussage des Vaters des Angeklagten, der sagte, sein Sohn solle nicht wegen „20 minutes of action“ ins Gefängnis gesteckt und sein Leben ruiniert bekommen. Was diese 20 Minuten der Frau angetan haben, kommentiert er nicht. Für mich ist dieses Buch mal wieder ein 5 Sterne Highlight. Ich habe mich über Stunden tief in einem Sog, in Paris im Kreise der Farels und im Gerichtssaal befunden. Das Buch ist nuanciert, intelligent und wichtig.