Anna erwacht mit einer Totalamnesie und muss sich langsam an ihr altes Leben gewöhnen. Als sie eines Abends ihre Eltern belauscht, erfährt sie Ungeheuerliches von ihrem früheren Leben. Ab 14.
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Kaltes Wasser
Anna erwacht mit einer Totalamnesie und muss sich langsam an ihr altes Leben gewöhnen. Als sie eines Abends ihre Eltern belauscht, erfährt sie Ungeheuerliches von ihrem früheren Leben. Ab 14.
Aktuelle Rezensionen(1)
Interessante, inhaltlich erfrischende Prämisse vor dem Hintergrund der Totalamnesie (wie korrekt damit verbundene Darstellungen sind, kann ich nicht beurteilen) mit zwei großen Mysterien (wer ist Anna? und: was ist passiert?), allerdings in schwacher Umsetzung. Klar, zu viel Realismus ist bei so einer getwisteten Story kaum zu erwarten. Dennoch wirken trotz deutscher Originalfassung viele Dialoge unnatürlich und Schritte unnötig (z. B. Finden von Ilona: Elternhaus, Nachbarin, 2x Bank, Reisebüro, am Ende fliegen die beiden sogar in ein anderes Land anstatt einfach auf ihre Rückkehr zu warten?!; oder die Telefonier-Szene: es wird extra erwähnt, dass sie zwar ein Telefon, jedoch keine Karte/Guthaben besitzt, Ersteres kommt davor oder danach jedoch gefühlt nie wieder vor und stattdessen nutzt sie dann das eines "aufreizend cool" schlendernden random Passanten, um vor dessen Augen kriminelle Machenschaften zu besprechen? -> ist unterhaltsam gemeint, aber irritiert und frustriert eher). Einige Kleinigkeiten sind außerdem schlicht unlogisch (z. B. erwähnt die Protagonistin die Hütte, bevor sie sich an deren Rolle in der Vergangenheits-Storyline explizit erinnert; Yves habe nach ihrem letzten Aufeinandertreffen "jeden verdammten Tag" vor der Villa auf sie gewartet, dabei war sie zwischendurch doch auch mit Kevin schon einmal dort gewesen; aus "wenn ich mit xy zusammen war [im Sinne von Zeit verbracht habe]" schließt sie, dass sie mit ihm zusammen [in einer Beziehung] war, kommt bei einem zuvor erinnerten Kuss aber noch nicht auf sowas; "kein Wunder, dass alle gesagt haben, für eine Zwanzigjährige sähe ich sehr jung aus" -> alle? wer wann?; das Bad im Krankenhaus gehört angeblich zum Zimmer, der Rückweg von dort wird aber recht lang beschrieben; etc). Das hat mich beim Lesen alles total rausgebracht. Erschwerend kommt dazu, dass der Charakter "Anna" ziemlich kindisch geschrieben ist (was anfangs noch voll Sinn ergibt und in diesem Kontext seinen Reiz hat, später aber einfach nur anstrengend wird) und in ihren Gedankengängen wechselt zwischen kompletter Überzeugung von Dingen und komplettem Nicht-Checken von anderen. Da ist die "Früher-Anna" inkl. ihrer kompletten Backstory deutlich sympathischer. Was mich aber am meisten enttäuscht hat, war der Schreibstil – es gab im ganzen Buch keine einzige Passage, die ich mir hätte markieren / notieren / merken wollen. Hier fehlt für meinen Geschmack also etwas mehr Poesie, Individualität, Tiefgang (z. B. auch S. 122: zweimal genau derselbe Satz = "Anna lehnte sich an die Hauswand." im Abstand von wenigen Zeilen). Spannend genutzt werden die Wechsel der Erzählform von Erzähler- zu Ich-Perspektive bzw. Vergangenheitsform zu Gegenwart im Laufe der Geschichte. Irgendwie Respekt gewinnt die Story zudem durch den Mut zu Graustufen v. a. in der Beschreibung der weiblichen Personen, die dadurch an Komplexität gewinnen (während bei den zwei Jungs eher einer zum Engel und einer zum Teufel stilisiert wird). Die Erkundung deren Beziehung untereinander (sh. auch letzte Szene, auch wenn mir das Ende tendenziell etwas zu abrupt kam) ist deshalb viel bereichernder als diese ganze unangenehme und eindimensionale Romance-Sidestory, die wenig zum Spannungsbogen beiträgt und die Handlung tendenziell sogar eher ins Lächerliche zieht. Und ja: Auch der Altersunterschied (17-jährige Schülerin, 23-jähriger Berufstätiger) hat mich hier gestört. Das mag 2006 noch akzeptierter gewesen sein, war und bleibt aber irgendwie uncool. Also: Eignet sich gut als kurze Lektüre an Strand o. ä., aber nicht als Geschichte, die man voller Leidenschaft seinen Freunden empfehlen würde. (Reread, nachdem ich das Buch vor langer Zeit schon in meiner Jugend gelesen, aber kaum noch Erinnerung daran hatte.)