»Ich habe schon lange nicht mehr so einen ungewöhnlichen, schillernden, eigensinnigen Roman gelesen, der so viel von uns und unserer Wirklichkeit erzählt. Und dabei macht er auch noch wirklich viel Spaß.« Gerrit Bartels, rbb Radio 3, 15. Juli 2024
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von Martina Hefter
»Ich habe schon lange nicht mehr so einen ungewöhnlichen, schillernden, eigensinnigen Roman gelesen, der so viel von uns und unserer Wirklichkeit erzählt. Und dabei macht er auch noch wirklich viel Spaß.« Gerrit Bartels, rbb Radio 3, 15. Juli 2024
Aktuelle Rezensionen(71)
Juno ist über 50, Performance Künstlerin und pflegt ihren an MS Erkrankten Ehemann. Nachts kann sie nicht schlafen und deshalb chattet sie mit Love-Scammern. Benu, ein junger Mann aus Nigeria, erweckt jedoch mehr Interesse, denn aus ausführlicheren Nachrichten werden sogar Videocalls. Es fällt mir sehr schwer das Buch zu bewerten. Ich bin nicht richtig warm mit der Geschichte geworden. Martina Hefter macht viele gesellschaftskrititische Theme auf: unbezahlte Carearbeit, Krankheit, Midlifecrisis, Körperbilder, Love-Scamming, politische Themen.. Alles wird irgendwie angerissen, teilweise komödiantisch kommentiert aber irgendwie fehlte mir die Tiefe. Alles war Thema aber nichts wird richtig besprochen. Auch Astrologie und Esoterik werden angerissen, wieso, weshalb, warum bleibt mir völlig Schleierhaft. Ich habe auch zu Juno keine Verbindung aufbauen können. Ihr Verhalten, ihre Gedankensprünge, das alles war irgendwie nicht meins. Ich konnte ihr nicht folgen und das hat mich zusätzlich angestrengt. Für mich ergab einfach kaum etwas Sinn und da konnte der spannende Schreibstil der Autorin leider auch nicht hinwegtäuschen.
Man sollte hier definitiv keinen klassischen Spannungsbogen erwarten. Es gibt keine großen Plotwists und keine dramatischen Wendungen. Stattdessen begleitet man die Protagonistin durch ihren Alltag, ihre Gedanken, ihre Routinen und die kleinen Momente dazwischen. Man muss man sich bewusst sein, dass dieses Buch nicht im klassischen Sinne fesselt. Es ist kein Buch, das man liest, um herauszufinden, was als nächstes passiert, sondern um eine Figur zu verstehen. Die Erzählweise ist für mich allerdings zu monoton, und die Tiefe erreicht nicht die Intensität, die man von einem preisgekrönten Roman erwarten würde. Es ist ein nachdenkliches Werk, das sicherlich seine Leser finden wird, doch ein Meilenstein der deutschsprachigen Literatur ist es für mich nicht.
Junos Welt dreht sich um Jupiter. Und ums Tanzen. Wenn sie nachts nicht schlafen kann, stellt sie love Scammern ein Bein - bis Benu in ihren Anfragen auftaucht. Ein wahnsinnig kluger Roman, der so viele Themen zwar eigentlich nur anschneidet aber trotzdem bespricht. Liebe und Träumerei, wie man eine Welt rund um eine Lüge aufbaut, sich darin verstrickt und was es mit einem macht. Ausgrenzung, Rassismus und die nie enden wollende Differenzierung zweier Welten - und die Bürde oder Würde des Alterns. Ich hatte meine Startschwierigkeiten mit dem Buch, oder vielmehr dem Schreibsstil, muss aber sagen, dass das deutlich schneller vorbei ging als Junos Skepsis gegenüber Benus Absichten.
Ich hatte etwas Schwierigkeiten mich mit dem Schreibstil anzufreunden und dadurch auch in die Geschichte einzutauchen.
Die Protagonistin Juno ist überzeugend gezeichnet: Ihre Entwicklung lässt sich klar nachvollziehen. Doch die Lektüre weckt Unbehagen: Eine weiße Frau Mitte fünfzig versucht durch die Begegnung mit dem Love-Scammer Benu ihre Privilegien zu reflektieren, scheitert daran und reproduziert so auf subtile Weise koloniale Machtstrukturen. Die Frage bleibt: Spiegelt die Autorin hier bewusst einen bekannten Typus wider: eine weiße Künstlerin der freien Szene aus Leipzig, die ihr Weißwein zu reflektieren versucht, ohne es ganz zu schaffen? Oder reproduziert die Autorin selbst unbewusst diese Dynamik?