Im Jahr 2001 erschienen drei Bücher von A.L. Kennedy auf Deutsch, die sie mit einem Schlag bekannt und zum Liebling des Feuilletons machten. Dabei stammt ihr Debütroman -- Einladung zum Tanz -- von 1993. Aber manchmal dauert es eben etwas länger, bis deutsche Verlage den Mut haben, auf unbekannte ausländische Autoren zu setzen. Und so ganz scheint der Wagenbach Verlag dem Schreibtalent der jungen Schottin immer noch nicht zu trauen. Wie anders wäre es zu erklären, dass der außergewöhnliche Roman So I Am Glad noch immer nicht übersetzt ist oder dass die neun Geschichten von Hat nichts zu tun mit Liebe aus drei verschiedenen Büchern Kennedys mit Erzählungen heraus gepickt wurden. Hat man die besten ausgesucht, werden wir die anderen nie auf Deutsch zu lesen bekommen? Oder wurden bewusst solche zusammengestellt, die thematisch ähnlich sind? Letzteres ist bei Kennedy eigentlich keine Kunst, handeln ihre Geschichten doch fast ausschließlich von der Liebe (bzw. deren Fehlen) und sonstigen zwischenmenschlichen Abgründen. Auch in Hat nichts zu tun mit Liebe erweist sie sich einmal mehr als Großmeisterin im Ausloten verschiedenster Arten von Einsamkeitszuständen. Die positiven Seiten der Liebe begegnen uns nur in "Unauslöschlich": Ein frisch verliebtes Paar reist nach Rom und kann trunken vor Begierde trotz all der historischen Pracht der Stadt die Finger nicht voneinander lassen. Dass Kennedy auch ganz andere Töne anschlagen kann, beweist sie in "Die liebe Familie": Eine Hausfrau und Mutter verliebt sich in einen Serienmörder, mit dem zusammen sie dann auch gleich den ungeliebten Ehemann unter die Erde bringt. "Von Liebe zu sprechen, war vielleicht nicht das Klügste gewesen. Das Wort eröffnete einen seltsamen Raum zwischen ihnen, den man besser nicht erforschen sollte", heißt es in einer der Storys. Aber genau das ist das Programm dieser ungewöhnlichen Schriftstellerin: diesen seltsamen emotionalen Raum zwischen den Menschen mit ihren Texten wieder und wieder zu erforschen. Das Ergebnis sind in diesem Fall -- im besten Wortsinn -- merkwürdige und eigenartige Erzählungen, die die Werke der meisten anderen jungen Autorinnen und Autoren ziemlich alt aussehen lassen. --Christian Stahl
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Hat nichts zu tun mit Liebe Erzählungen
von A. L. Kennedy
Im Jahr 2001 erschienen drei Bücher von A.L. Kennedy auf Deutsch, die sie mit einem Schlag bekannt und zum Liebling des Feuilletons machten. Dabei stammt ihr Debütroman -- Einladung zum Tanz -- von 1993. Aber manchmal dauert es eben etwas länger, bis deutsche Verlage den Mut haben, auf unbekannte ausländische Autoren zu setzen. Und so ganz scheint der Wagenbach Verlag dem Schreibtalent der jungen Schottin immer noch nicht zu trauen. Wie anders wäre es zu erklären, dass der außergewöhnliche Roman So I Am Glad noch immer nicht übersetzt ist oder dass die neun Geschichten von Hat nichts zu tun mit Liebe aus drei verschiedenen Büchern Kennedys mit Erzählungen heraus gepickt wurden. Hat man die besten ausgesucht, werden wir die anderen nie auf Deutsch zu lesen bekommen? Oder wurden bewusst solche zusammengestellt, die thematisch ähnlich sind? Letzteres ist bei Kennedy eigentlich keine Kunst, handeln ihre Geschichten doch fast ausschließlich von der Liebe (bzw. deren Fehlen) und sonstigen zwischenmenschlichen Abgründen. Auch in Hat nichts zu tun mit Liebe erweist sie sich einmal mehr als Großmeisterin im Ausloten verschiedenster Arten von Einsamkeitszuständen. Die positiven Seiten der Liebe begegnen uns nur in "Unauslöschlich": Ein frisch verliebtes Paar reist nach Rom und kann trunken vor Begierde trotz all der historischen Pracht der Stadt die Finger nicht voneinander lassen. Dass Kennedy auch ganz andere Töne anschlagen kann, beweist sie in "Die liebe Familie": Eine Hausfrau und Mutter verliebt sich in einen Serienmörder, mit dem zusammen sie dann auch gleich den ungeliebten Ehemann unter die Erde bringt. "Von Liebe zu sprechen, war vielleicht nicht das Klügste gewesen. Das Wort eröffnete einen seltsamen Raum zwischen ihnen, den man besser nicht erforschen sollte", heißt es in einer der Storys. Aber genau das ist das Programm dieser ungewöhnlichen Schriftstellerin: diesen seltsamen emotionalen Raum zwischen den Menschen mit ihren Texten wieder und wieder zu erforschen. Das Ergebnis sind in diesem Fall -- im besten Wortsinn -- merkwürdige und eigenartige Erzählungen, die die Werke der meisten anderen jungen Autorinnen und Autoren ziemlich alt aussehen lassen. --Christian Stahl
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