Yumiko Kadota war der Traum aller asiatischen Eltern: Musterschülerin, Medizinstudentin, immer die Beste. Sie ordnete alles der ersehnten Karriere unter. Doch die Realität im öffentlichen Gesundheitswesen brach sie. Überarbeitung, Sexismus, Mobbing und Belästigung. Man nannte sie »emotional«, »zu selbstbewusst«. Irgendwann war es zu viel, Yumiko kündigte. Als sie ihren Blog mit den Worten begann: »Ich hätte nie gedacht, dass ich das einmal sagen würde, aber ich gebe auf. Ich gebe meinen Traum auf, Chirurgin zu werden«, ging ihre Geschichte viral. Seither ist Yumiko Kadota die Stimme ihrer Generation, wenn es um Burnout geht und darum, nach einem Zusammenbruch wieder auf die Beine zu kommen.
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Emotional Female
von Yumiko Kadota, Anke Angela Grube
Yumiko Kadota war der Traum aller asiatischen Eltern: Musterschülerin, Medizinstudentin, immer die Beste. Sie ordnete alles der ersehnten Karriere unter. Doch die Realität im öffentlichen Gesundheitswesen brach sie. Überarbeitung, Sexismus, Mobbing und Belästigung. Man nannte sie »emotional«, »zu selbstbewusst«. Irgendwann war es zu viel, Yumiko kündigte. Als sie ihren Blog mit den Worten begann: »Ich hätte nie gedacht, dass ich das einmal sagen würde, aber ich gebe auf. Ich gebe meinen Traum auf, Chirurgin zu werden«, ging ihre Geschichte viral. Seither ist Yumiko Kadota die Stimme ihrer Generation, wenn es um Burnout geht und darum, nach einem Zusammenbruch wieder auf die Beine zu kommen.
Aktuelle Rezensionen(2)
Die Geschichte hat sich sehr gezogen. Dennoch war es interessant in die Sicht einer angehenden Ärztin zu tauchen, einer mir sonst fernen Welt. Ihre Erfahrungen sind herzzerreißend, mir war nicht bewusst, dass in der heutigen "modernen" Zeit noch so viel Sexismus, Rassismus und Unverständnis für psychische Probleme in der Ärtzebubble herrscht. Daher ein Augenöffner
Mit einem eher unsicheren Blick auf die Dinge begann ich „Emotional Female“ und beendete es mit einem tiefen Respekt gegenüber einer Frau, die viel mehr ist als eine bloße Hauptfigur ihres eigenen Lebens: Yumiko steht sinnbildlich für den inneren und äußeren Kampf vieler Frauen unserer heutigen Leistungsgesellschaft. Als jemand, die medizinische Berufsbilder bisher nur durch Serien wie „Grey’s Anatomy“ kannte, hat mich das Buch besonders mit der schonungslosen Darstellung des Klinikalltags konfrontiert. Der Druck, die Überarbeitung und die emotionale Erschöpfung, die Yumiko durchlebt, werden von Kapitel zu Kapitel greifbarer. Zwar wird auf eine übermäßige Ausschmückung der Szenen verzichtet, doch gerade dieser nüchterne Stil schafft ein Gefühl von Geschwindigkeit, Atemlosigkeit – als würde man selbst im Zeitraffer auf den unausweichlichen Punkt zusteuern: den Burnout. Besonders beeindruckend ist, wie greifbar Yumiko selbst ist. Was anfangs wie ein fast überhebliches Darstellen ihrer Fähigkeiten wirken mag, entfaltet sich mit zunehmender Tiefe als das nachvollziehbare Ergebnis einer leistungsorientierten Kindheit. Ihr gesamter Werdegang (geprägt von externen wie internen Erwartungen) lässt erkennen, wie stark die Prägung durch frühe Anerkennung und dauerhaften Leistungsdruck einen Menschen formen kann. Ein markanter Punkt, der sich für mich wie ein roter Faden durch das Buch zieht, ist Yumikos Streben nach Anerkennung und der gleichzeitige Verlust des eigenen Wohlbefindens. Besonders die Erfahrungen in der plastischen Chirurgie, die auf den ersten Blick „nicht schlimm genug“ erscheinen mag, zeigt sich bei genauerer Betrachtung als ein emotionaler Tiefpunkt in einer Laufbahn, in der Scheitern bislang nie vorgesehen war. Berührend und gleichzeitig kraftvoll ist das Vorwort Yumikos, das mich durch die gesamte Lektüre begleitet hat: „Und schließlich möchte ich den Begriff ‚emotional‘ von dem abfälligen Beiklang befreien, den er heutzutage hat. […] Unsere Gefühle machen uns menschlich. […] Sei weiter emotional, denn das ist etwas Schönes.“ Dieses Zitat ist nicht nur prägend für die Erzählweise, sondern auch ein Aufruf zur Selbstermächtigung. Yumiko wächst für mich zu einer beeindruckenden Figur heran. Ihr Ausbruch aus einem System voller Sexismus, Rassismus und struktureller Ungleichheit ist alles andere als selbstverständlich, sondern Ausdruck enormer Stärke. Der Druck, dem sie sich selbst aussetzt, ist nicht einfach selbstgemacht. Vielmehr ist er das Produkt gesellschaftlicher Konditionierung, familiärer Erwartungen und systemischer Ungleichheiten. Besonders erschütternd fand ich die Passagen, in denen deutlich wird, wie sehr Frauen in männerdominierten Berufsfeldern noch immer kämpfen müssen, um überhaupt gesehen und anerkannt zu werden. Übergriffe werden relativiert, Betroffene zum Schweigen gebracht – ein leider allzu realistisches Abbild dessen, was auch heute noch vielerorts geschieht. Yumikos Geschichte ist für mich weit mehr als eine persönliche Erzählung. Sie ist ein Spiegel unserer Gesellschaft. Eine Gesellschaft, die sich noch immer schwertut mit Gleichberechtigung, mit dem offenen Umgang mit mentaler Gesundheit und mit der Balance zwischen Karriere und Menschsein. Der Satz „Burnout? – Dafür bin ich doch nicht der Typ!“ steht dabei sinnbildlich für viele, die viel zu spät erkennen, dass auch sie an ihre Grenzen kommen dürfen. Das Buch hat mich tief bewegt, aufgewühlt, aber auch gestärkt. Es hat mich an eigene Erfahrungen erinnert, obwohl ich aus einem ganz anderen beruflichen Umfeld komme. Es macht wütend, aber auch mutig. Mutig, sich selbst zu reflektieren, für die eigenen Werte einzustehen und im Zweifel neue Wege zu gehen. Ein aufrüttelndes, authentisches und kraftvolles Buch über Überforderung, Selbstfindung sowie gesellschaftliche Missstände und über eine Frau, die den Mut hatte, nicht länger zu funktionieren, sondern endlich zu leben. Ein Spagat zwischen Resilienz und Erschöpfung, zwischen Anpassung und Rebellion. Lesenswert und notwendig. *Rezensionsexemplar*