3.9

Dunkelnacht

von Kirsten Boie

Format:Hardcover
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Kirsten Boies "Dunkelnacht" ist ein eindringlicher und historisch fundierter Roman, angesiedelt in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs, der sich auf die tragischen Ereignisse konzentriert, die sich im bayerischen Städtchen Penzberg abspielten. Das Werk, das sowohl mit dem Katholischen Kinder- und Jugendbuchpreis als auch mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet wurde, taucht tief in ein dunkles Kapitel der Geschichte ein und veranschaulicht die verheerenden Auswirkungen des Zusammenbruchs des Nazi-Regimes auf lokale Gemeinschaften. Durch die miteinander verwobenen Leben der jungen Protagonisten Marie, Schorsch und Gustl erkundet Boie Themen wie Mut, Widerstand und die moralischen Dilemmata, mit denen diejenigen konfrontiert waren, die zwischen der Treue zu ihrem Land und dem Streben nach Gerechtigkeit und Menschlichkeit gefangen waren. "Dunkelnacht" dient nicht nur als narrative Brücke, die die Vergangenheit mit der Gegenwart verbindet, sondern auch als mahnende Erinnerung an die im Namen einer Ideologie begangenen Gräueltaten. Boies akribische Recherche und packende Erzählweise bringen die Hinrichtung von Widerstandskämpfern durch die Wehrmacht ans Licht und heben das komplexe Geflecht aus Angst, Verrat und Heldentum hervor, das die Ära prägte. Die Erzähltechnik des Romans, gekennzeichnet durch prägnante, doch kraftvolle Prosa, fängt das Wesen einer durch Krieg und Tyrannei zerrissenen Gemeinschaft ein. Kritiker und Leser haben "Dunkelnacht" gleichermaßen für seine Fähigkeit gelobt, Geschichte zu vermenschlichen und einen Blickwinkel zu bieten, durch den die emotionale und psychologische Landschaft des kriegsgebeutelten Deutschlands lebendig dargestellt wird. Der Fokus des Romans auf die Jugend, die im Kreuzfeuer historischer Ereignisse gefangen ist, bietet eine einzigartige Perspektive auf die Widerstandsfähigkeit und Zerbrechlichkeit des menschlichen Geistes in Krisenzeiten. Boies "Dunkelnacht" ist mehr als nur ein historischer Roman; es ist eine kritische Betrachtung der Folgen von Extremismus und der Bedeutung, sich an die Vergangenheit zu erinnern, um unser Handeln in der Gegenwart und Zukunft zu informieren. In einer Zeit, in der Nationalismus und Intoleranz in verschiedenen Teilen der Welt erneut aufkommen, steht "Dunkelnacht" als Zeugnis für die anhaltende Notwendigkeit von Empathie, Verständnis und dem Mut, für das Richtige einzustehen. Ausgezeichnet mit dem Katholischen Kinder- und Jugendbuchpreis und dem Deutschen Jugendliteraturpreis: ein literarisches Meisterwerk, das seine Anerkennung in der Literaturwelt unter Beweis stellt. Tiefgründige Erkundung eines dunklen Kapitels der deutschen Geschichte: Die tragischen Ereignisse in Penzberg in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs werden durch die Augen junger Protagonisten lebendig. Kirsten Boie webt eine Geschichte, die nicht nur die Vergangenheit beleuchtet, sondern auch zeitlose Botschaften über Mut, Widerstand und moralische Dilemmata vermittelt und ein bewegendes Plädoyer für Frieden und Menschlichkeit ist. Packende Erzählung mit historischer Genauigkeit: Durch akribische Recherche und fesselnde Prosa tauchen Leser tief in das Leben einer Gemeinschaft ein, die im Zerfall des Nazi-Regimes gefangen ist. Einzigartige Perspektive auf die Widerstandsfähigkeit der Jugend: Die komplexen Emotionen und Entscheidungen junger Menschen inmitten von Krieg und Tyrannei werden einfühlsam dargestellt. Wichtige Lektüre in Zeiten des wiedererstarkenden Nationalismus: "Dunkelnacht" dient als kraftvolle Erinnerung an die Schrecken der Vergangenheit und die Bedeutung, diese in Erinnerung zu behalten, um gegenwärtige und zukünftige Generationen zu prägen. Mit seiner tiefgehenden Thematik und der ansprechenden Erzählweise eignet sich der Roman hervorragend für den Einsatz in Schulen und Bildungseinrichtungen. Weitere historische Romane von Kirsten Boie: Heul doch nicht, du lebst ja noch Vorbei ist eben nicht vorbei Alhambra Monis Jahr

Historische Romane
128 SeitenHardcover
Erschienen an: February 6, 2021

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Aktuelle Rezensionen(8)

3.9(44 ratings)
JoeyRezension von Joey

Erinnerung ist wichtig, die Autorin kann genau das durch ihr Buch bewirken. Es erschüttert einen die Verbrechen mitzuerleben durch dieses Buch. Es ist unglaublich wichtig solche wahren Geschichten zu lesen.

Apfelfrikadelle Rezension von Apfelfrikadelle

Ein gelungener Jugendroman, der mithilfe multiperspektivischen Erzählens die komplexe Gemengelage deutscher Schuld an den Verbrechen des Nationalsozialismus literarisch auslotet. Einige Sätze und Passagen fallen m.E. aus der dokumentarischen Erzählweise heraus und unterlaufen das kritische Niveau der Novelle. Etwa, wenn durch ein ominösen "Wir" eine Friedenssehnsucht der übrig gebliebenen Penzberger Bevölkerung beschworen wird. Diese Stellen stehen in Spannung zum erzählerischen Ziel der Novelle, eine vielschichtige - d.h. notgedrungen auf subsumptive Erzählweisen verzichtende - Schilderung der Verstrickungen der Deutschen in den NS zu liefern. (In seinen stärksten Szenen gelingt aber genau das: die Schilderung der Handlungsabwägungen Deutscher zwischen NS Überzeugung und dem Wissen, dass die Alliierten demnächst die Stadt erreichen werden) Auch zeigt diese Novelle, wie sich eingedenk der vielfältigen Leerstellen über Täter und Opfer im NS erzählen lässt - und zwar nicht nur mithilfe des erwähnten dokumentarischen Erzählens, sondern auch, indem man eine abwägende Schreibweise wählt, die mehr Fragen aufwirft, als sie Antworten gibt.

Johanna Rezension von Johanna

Unfassbar wichtige Thematik, die viel zu unbekannt ist!!

JuliaRezension von Julia

Ein historischer Thriller, der sich allein aus der Unfassbarkeit der Grausamkeiten ergibt, die sich hier im Laufe eines Tages in einer bayerischen Kleinstadt ereignen. Selbst als Geschichtslehrerin war mir die Operation Werwolf unbekannt und Boie gelingt es, die gruseligen Stimmen dieser überzeugten Nazis in dokumentarische Prosa zu verwandeln, ohne dass sie an Intensität verlieren. Überhaupt der multiperspektivische Zugang zu den Stimmen der Penzberger*innen unterstützt die Intention ein Verstehen der Ereignisse anzubahnen. Und mittendrin zwei Teenager, die sich die Frage stellen, ob man inmitten der Wirren des Kriegsendes verliebt sein kann.

Christian Steinberger Rezension von Christian Steinberger

In den Endzügen des Zweiten Weltkriegs, als die Amerikaner schon in greifbarer Nähe sind und klar wird, dass die Deutschen verloren haben, erfassen Volkssturm und regimetreue Anhänger, unter anderem im Zuge der Zerstörungsmaßnahmen (Nero-Befehl) noch eine beachtliche und erschreckend hohe Anzahl an Todesopfern. So ereilt das oberbayerische Örtchen Penzberg kurz vor dem Einmarsch der Alliierten ein grausames Schicksal, als eine Gruppe Männer, die im Rathaus die Führung übernehmen, um unnötiges Blutvergießen zu vermeiden, vor einem Standgericht angeklagt und erschossen wird. Diese Bluttat ist erst der Anfang der Mordnacht, in der die Gruppe "Werwolf" durch den Ort zieht und Verdächtige und Regimefeinde (zumindest ihrem Narrativ nach) mit einem Strick am Rathausbalkon und diversen Bäumen aufhängt. Wir erleben diese sachlich-nüchterne, berichtartige Erzählung, die Boie selbst als Novelle bezeichnet, an der Seite von Marie und Schorsch, die zwischen Jugend und Erwachsensein stehen und nicht richtig verstehen, was da vor sich geht. Vorwissen, um diese Geschichte zu verstehen, wäre gut, glücklicherweise malt Boie die Grausamkeiten nicht zu sehr aus, sie stehen in ihrer fassungslos machenden Sinnlosigkeit ohnehin für den schrecklichen Kampf eines sich bis zuletzt aufbäumenden Systems, das seinen eigenen Untergang noch nicht begreifen will.

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