4.5

Dreizehn Tage im Herbst

von Cornelia Franz

Format:Softcover

Da war ein Parkplatz, nur wenige Meter vor ihnen, eine Aussichtsplattform über der Schlucht. Noch bevor Dominik den Wagen zum Stehen brachte, hatte sich Charlotte umgedreht und den hinteren Anschnallgurt gelöst. „Bitte sehr.“ Martin grinste wieder, aber diesmal war es ein schiefes Grinsen. Ein fragendes, unsicheres Lächeln. „Danke sehr“, sagte er. „Mama.‟ Eine Sekunde zögerte er. Dann öffnete er die Tür, stieg aus und knallte die Tür hinter sich zu. Er schlenderte davon, die Straße entlang, in die Richtung, aus der sie gekommen waren, betont langsam und lässig, mit mageren, braungebrannten Beinen, in offenen Sneakers, die Schnürsenkel schleiften über den Boden, seine Kappe auf den halblangen dunkelbraunen Haaren wie immer falsch herum. Für einen Moment verliert Charlotte die Nerven. Danach ist alles anders. Martin ist und bleibt verschwunden. Alle Spuren, die die Polizei verfolgt, verlaufen im Nichts. Für Charlotte und Dominik beginnt in ihrem Tessiner Ferienhaus eine schier unerträgliche Zeit des Wartens. Als auch noch Charlottes Mutter mit ihrem neuen Freund auftaucht, eskaliert die Situation.

Gegenwarts- & Literarische Fiktion
199 SeitenSoftcover
Erschienen an: October 31, 2025

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Aktuelle Rezensionen(1)

4.5(1 ratings)
mrs.may.readsRezension von mrs.may.reads

Manchmal bleibt ein Moment für immer hängen – so wie die Tage, in denen Charlotte und Dominik ihr Kind verlieren. 💔 Zuerst ist da der Schock, dann die Wut, die Sorge, die Panik und plötzlich spürt man den Schmerz in jeder Faser. Die Hilflosigkeit breitet sich aus, die Eltern suchen nach Halt, nach beruhigenden Worten, nach Hoffnung, die einen wenigstens ein bisschen stützt. Doch selbst der Optimismus kann in dieser Situation nicht tragen. Die Autorin nimmt uns mit in 13 Tage voller Ungewissheit, in denen jede Stunde zur Qual wird. Charlotte denkt an alles, was hätte passieren können, an Martins Lachen, seine leuchtenden Augen, seine Vorfreude. Man spürt ihren Schmerz so nah. Dominik und Charlotte gehen ganz unterschiedlich mit der Situation um: Während er sich in Alltag und Ablenkung flüchtet, möchte Charlotte still und präsent bleiben. Rückblenden in ihre Vergangenheit machen die Figuren noch nahbarer: alte Verletzungen, gemeinsame Erinnerungen, Spannungen, die wieder hochkommen. Das Buch ist ein sensibles, tiefgehendes Porträt von Elternschaft. Von Liebe, Sorge, Schmerz und den Ängsten, die einen manchmal zerreißen. Es zeigt, wie schwer es ist, Leid zu teilen, und wie sehr Angst sowohl zusammenhalten als auch auseinander treiben kann. Als Mutter eines Sohnes habe ich mich oft gefragt: Wie würde ich mich fühlen, wenn ich mein Kind verlieren würde? Dieses Buch lässt einen diese Frage nicht nur stellen, sondern auch fühlen. 💛 Ein Buch, das unter die Haut geht, das Herz schwer werden lässt und doch aufzeigt, wie stark die Liebe zu einem Kind ist in all ihren Facetten.

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