Dolly der Aufbruch ins biotechnische Zeitalter

von Ian Wilmut, Keith Campbell, Colin Tudge

Format:Softcover

Expandierende Firmen, steigende Aktien, revolutionäre Forschungsergebnisse und lukrative Gewinne, all das assoziiert man heute mit der Biotechnologie, dem Forschungs- und Investitionszweig der Zukunft schlechthin. Aber noch nie war Forschung wohl auch gleichzeitig so umstritten, heiß diskutiert und zwischen ethisch vertretbar und moralisch verwerflich hin- und hergerissen. Oder haben wir vielleicht nur vergessen, welch einen Aufschrei es damals bei den ersten -- heute routinemäßig durchgeführten -- künstlichen Befruchtungen gab? Wie auch immer, das Buch der beiden "Dolly-Väter" Wilmut und Campbell, für das Autor Colin Tudge sozusagen die Schirmherrschaft übernahm, es hätte zu keinem passenderen Zeitpunkt erscheinen können. "Die breite Öffentlichkeit muss wissen, was auf diesen Feldern geschieht, wenn die gesellschaftliche Kontrolle nicht verloren gehen soll", verspricht sich das Autorentrio von seinem 400-seitigen Unternehmen. Gesagt, getan und: großes Lob an die Wissenschaftler, die sich doch eigentlich nur schwer aus ihrem Fachchinesisch lösen, im Gegenteil, es nicht selten als imageschädigend ansehen, Forschung auf einen populären Level zu bringen. Die Gentechnik, die Genomik und das Klonen sind die drei wichtigsten Biotechnologien, die ausführlich vorgestellt werden. Dabei dürfte die Gentechnik mit dem Übertragen von Genen von einem auf einen anderen Organismus das bekannteste Kapitel sein, die Genomik, also das Erstellen einer Genkartierung, so spannend wie ein Thriller und die Klonierungsmethode das wohl aktuellste und emotionsbeladenste Thema. Sachliche Aufklärung tut ausgesprochen gut, neutralisiert das Horrorbild von Massenmedien und Klatschblättern, führt sehr schnell und Gott sei Dank die Vision von geklonten Diktatoren oder einer gesichtslosen genormten Gesellschaft ad absurdum. Verständliche Analysen und Erklärungen schaffen persönliches Wissen und Einordnungsmöglichkeit. Dennoch: Die Frage der eigenen Bewertung bleibt zwangsläufig, und auch die Autoren können sich dem nicht entziehen. Forschung zum Wohle des Menschen, so ihr Plädoyer, muss erlaubt sein. Ein Restrisiko bleibt, denn: "... moderne Gentechniker sind theoretisch nur noch an die Grenzen der Physik, an die Grenzen ihrer Phantasie und [...] die Moral ihrer Gesellschaft gebunden. -- In den falschen Händen könnte diese Macht entsetzliche Folgen haben." --Barbara Wegmann

Biografien & Memoiren
404 SeitenSoftcover
Erschienen an: 2002

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