4.6

Die Porzellanpuppe

von Kristen Loesch, Silke Jellinghaus

Format:Softcover

Nur einen Augenblick sehen sich Tonja und Walentin in die Augen, doch an diesem Herbsttag 1915 beginnt ihre unendliche Liebe. Der Bolschewik ist genauso gefangen in seinem Leben wie die wohlhabende Ehefrau eines Fabrikanten, die von ihrem Mann immer wieder eingesperrt wird. Sie kann sich heimlich zu Walentin flüchten, aber am Vorabend der Oktoberrevolution ist die schwangere Tonja in höchster Gefahr. Walentin, schon auf den Weg zu ihr, wird in den Unruhen aufgehalten. Jahrzehnte später reist eine junge Frau aus London nach Moskau, im Gepäck das alte russische Märchenbuch ihrer Mutter und viele Fragen zu ihrer Familiengeschichte. Sie ist auf der Suche nach einer Frau, die schön sein soll wie eine Puppe.

Historische Romane
416 SeitenSoftcover
Erschienen an: January 26, 2023

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Aktuelle Rezensionen(3)

4.6(4 ratings)
SaikaRezension von Saika

Anfangs mag man noch etwas verwirrt sein, doch genau darin liegt für mich ein Teil des Charmes dieses Buches. Nach und nach setzt sich alles zusammen, bis schließlich jedes Puzzleteil seinen Platz findet. Die Geschichte ist erzählerisch wunderschön aufgebaut und verzichtet auf aneinandergereihte Höhepunkte. Stattdessen gleicht sie einem Fluss: ruhig und sanft genug, um sich von ihm tragen zu lassen, zugleich aber kraftvoll und mitreißend genug, um einen aufmerksam zu halten. Ausschlaggebend für den Kauf war für mich vor allem die Zeit, in der der Roman spielt und ich muss sagen, meine Erwartungen wurden übertroffen! Der Schreibstil ist sehr angenehm, das Storytelling durchdacht und stimmig. Und bei dem Ganzen ist das Erzähltempo genau richtig gewesen. Nie gehetzt und auch kein bisschen langatmig. Aber hervorheben muss ich das Ende, denn dies hat mir sehr gefallen und ist gut gelungen. Es hat sich alles zusammengefügt, mich zu Tränen gerührt und das Buch für mich sehr schön abgerundet. Ich bin wirklich begeistert!

SophiaRezension von Sophia

Iwas hat das Buch in mir gebrochen

HelenaRezension von Helena

The Last Russian Doll. Die letzte ihrer Art. Ein herausragendes Debüt. Wie die Autorin mehrere Zeitzonen miteinander verwebt, wie Vergangenheit und die Gegenwart der 90er Jahre letztlich zu einem Stück werden. Wie einen gewebten Teppich, webt die Autorin alle Fäden zusammen. Einfach ein Meisterstück. Es offenbaren sich so viele Leben, so viele Schicksale, über das zaristische Russland hinweg, bis zum Zerfall der Sowjetunion und sie alle sind mitreißend erzählt. Die eisige Kälte Russlands, nach dem Lesen, steckt sie auch in den eigenen Gliedern. Haupthandlungsorte sind St. Petersburg und Moskau. Hauptpersonen sind Antonina „Tonja“, eine Prinzessin vom Landadel. Walentin „Walja“, ein revolutionärer Bolschewik. Und Raisa (Rosie), die aus England zurück reist und zu Beginn noch gar nicht erfassen kann was für ein imposantes Stück Vergangenheit sich vor ihr auftun wird. Die Vergangenheit will sie versuchen zu entschlüsseln wie einen geheimen Code. „The Last Russian Doll“ wie der Originaltitel lautet, ist meiner Meinung nach ein viel passenderer als der deutsche Titel, denn er trifft die Geschichte genauer. Es geht um die letzte Überlebende einer längst untergegangen Welt. Wenn ich „The Last Russian Doll“ höre sehe ich sie vor mir, eine Kriegerin mit einem Samurai Schwert hinter dem Rücken, die sich durchkämpft. Die alle ihre Widersacher zur Strecke bringt und als letzte dasteht. Man stellt sich diesen Weg blutig vor und das ist er. So viel Blut, so viel Leben, fliest wie dass Wasser in dem Fluss Fontanka, am Leser vorbei. Mein absolutes Lieblingsbuch wird für mich für immer „Die Liebenden von Leningrad“ (The Bronze Horseman) von Paullina Simmons sein und ich hätte nie gedacht irgendwann ein Buch mit doch ähnlicher Thematik zu finden. Folglich habe ich die beiden Werke immer wieder miteinander verglichen. So ähnlich sie sich einerseits sind, so unterschiedlich sind sie. An die absolut epische Liebesgeschichte von Tatiana und Alexander kommt auch heute noch nichts heran. Beim Lesen dachte ich oft: Walentin Andrejew ist kein Alexander Belov. Die beiden Männer sind so verschieden wie Tag und Nacht. Walentin hat politische Überzeugungen, für die er einsteht. Alexander war das alles zuwider. Er hat an nichts geglaubt außer Tatiana. Er war von Anfang an nur am Überleben. Bevor er Tatiana begegnet ist, hat er sich immer mehr tot als lebendig gefühlt . Er hatte schon als Kind durchschaut wie das mit der Politik läuft. [Verlogen bis zum geht nicht mehr und die vermeidlichen Ideale sind nichts als Schal und Rauch.] Ich habe mich beim Lesen auch immer gefragt, ob Walentin irgendwann begriffen hat, dass egal auf welcher Seite er politisch gestanden, er sich nie auf der Seite der Guten befunden hätte . Die einzige Seite an der er immer hätte stehen müssen, wäre die von Tonja und seiner Familie. Und genau deswegen hat er mich so oft aufgeregt. Große Reden zu schwingen, ist nicht das selbe wie große Handlungen zu vollführen. Zu gerne hätte ich gelesen mit welchen Worten Walentin die Massen zu mobilisieren vermochte. Leider hat die Autorin diesen Part extra ausgespart, wie sie in ihren Anmerkungen erwähnt. Welche seiner Worte haben Tonja derart gefesselt? Sie war eine Prinzessin im goldenen Käfig und er war derjenige der ihr die Tür öffnete, aber hindurch gegangen ist sie alleine. Ich hätte mir viel mehr Dialoge zwischen den beiden gewünscht. Walentin wirkt dadurch passiv und gleichzeitig nicht greifbar. Vielleicht sollte das ja auch extra so sein. Denn für Tonja war er auch nicht wirklich greifbar und das bis zum Schluss . Ich habe beim Lesen immer an folgendes denken müssen: Alexander hätte die Welt für Tatiana geopfert, aber Walentin, hätte Tonja der Welt geopfert. Ich hätte Walentin niemals wie Tonja vergeben können. Das bei allen Missverständnissen und Intrigen er doch mehr für und um sie hätte kämpfen müssen. Er hat sich mehr als einmal für die Politik entschieden und das führte dazu, dass sie ihr Leben zum Großteil getrennt von einander führen mussten. Generell haben sich die Menschen früher viel mehr vergeben und angetan. Die Übergänge von Freundschaft zu Feindschaft und von Feindschaft zu Freundschaft sind daher in diesem Werk fließend. Tonja steht Tatiana was Mut, Stärke und Überlebenswille angeht in nichts nach. Beide sind passionierte Überlebenskünstlerinnen. Und Walentin? Er sitzt da, wirkt hilflos. Nein, er wirkt, als wäre er gar nicht da. Er sorgt nicht für ein warmes Zuhause, er sorgt nicht dafür, dass sie nicht verhungern. Ihr Überleben wurde nur von Tonja gesichert, die sich nicht die Freiheit nimmt aufzugeben. Ich habe dabei immer Tatiana vor Augen, die Alexander zurück hält. Der wäre sie nicht gewesen, ein Massaker an ihren Widersachern angerichtet hätte. Also wenn ihr mich fragt, wenn es darauf ankommt wählt den leidenschaftlichen Kämpfer und nicht den zögernden Denker. Ein Punkt hat mich nicht unwesentlich gestört und zwar die Darstellung von hochbetagten Menschen. Ich finde es beeindruckend hier so viele von ihnen zu finden, Menschen weit über 90 und sogar 100 Jahren. Russische Menschen haben auch heute noch eine deutlich niedrigere Lebenserwartung. Harte Arbeit lässt einen selten alt werden und ich denke der Gulag noch weniger als alles andere. Wer die ganze Zeit mitrechnet, dem wird das auch auffallen. Ich fand diesen Aspekt sogar unrealistisch. Alexej Iwanow z.B. ist Mitte Ende 90. In dem Alter ist man gebrechlich und verlangsamt. Er wird aber fast so dargestellt wie ein junger Mann. Sein Alter spielt kaum eine Rolle. Dabei müsste er als so alter Mensch alleine schon Schwierigkeiten haben die Treppen hoch zu kommen und auch viel schneller müde werden. Er bräuchte viele Pausen zwischendurch. Er aber reist in seinem Alter munter umher, arbeitet unentwegt und hält imposante Reden. Weder die Stimme, noch das Gedächtnis versagen bei ihm. Für mich fällt diese Darstellung von hochbetagten Menschen in den Bereich der Fantasie. Aber vielleicht hält sich hier die Autorin das Recht der künstlerischen Freiheit vor. Das Buch liest sich so spannend wie ein Thriller und es gibt zahlreiche Wendungen mit denen ich nun wirklich niemals gerechnet habe. Ich liebe das Buch wirklich. Es hat sogar Geister Elemente, die wunderbar zur russischen Seele passen. Raisa wird von dem Geist ihrer „toten“ Schwester Zoja heimgesucht. Für mich waren sowohl Tonjas Vergangenheit als auch Raisas Gegenwart gleichwertig interessant. Die Frage wieviel Raisa am Ende würde aufdecken können, war sehr spannend. In die Frauen konnte ich mich grundsätzlich sehr einfühlen. Nur eines konnte ich nicht nachvollziehen. Wie konnte Raisa gegenüber dem Mörder ihrer Schwester und dem Vater so ruhig bleiben? Der Mörder ist ihr von Anfang an bekannt . Sie sucht nach seinem Motiv. Als sie die Wahrheit erfährt, bleibt es ohne Konsequenz für den Täter. Sie kann trotzdem abschließen, weil sie versteht was wirklich passiert ist und wie es dazu gekommen ist. So kann sie Zoja, ihre Schwester, endgültig los lassen. Zum Ende hin wird deutlich warum Raisas Mutter Katharina („Katja Ballerina“) so starke Alkoholprobleme hatte, dass sie zu Beginn des Romans sogar an den Folgen der Sucht verstirbt. Viel von dem Unglück im Roman hat nämlich Katharina mit ihrem schwierigen Charakter zu verantworten. Sie hat nicht immer die besten Entscheidungen getroffen und trat damit ganze Lawinen los, die andere ruiniert haben. Sie hat so viel Schuld im Laufe ihres Lebens auf sich geladen und nur zu wenigem davon gestanden. Es war schwierig sie am Ende noch zu mögen, oder Mitleid für sie zu empfinden. Raisa ist zum Glück nach ihrer Großmutter geschlagen und trifft bessere Entscheidungen, die allesamt zum Guten führen.

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