3.3

Die Nacht der Zugvögel

von Christy Lefteri, Bettina Spangler

Format:Hardcover

Manchmal merkt man erst, wie wichtig eine Person ist, wenn sie nicht mehr da ist …Nisha träumt davon, ihrer geliebten Tochter ein besseres Leben zu ermöglichen. Allein deshalb verlässt sie ihre geliebte Heimat und beginnt weit weg ein Leben als Kindermädchen. Der Preis ist hoch, denn die Sehnsucht nach ihrem Kind droht Nisha fast zu zerreißen. Für ihre Arbeitgeberin Petra wird sie als Kindermädchen schnell unverzichtbar, doch trotz der vermeintlichen Nähe macht Petra sich kaum die Mühe, auch den Menschen Nisha mit seinen Ängsten, Sorgen und Hoffnungen kennenzulernen.Erst als Nisha plötzlich verschwindet und Petra schockiert feststellen muss, wie gleichgültig die Polizei darauf reagiert, folgt sie Nishas Spuren. Was sie entdeckt, wird sie selbst und ihr Leben für immer verändern ...Ein schmerzlich-schöner Roman von einer Autorin, die sich traut, auch unbequeme Fragen zu stellen und den Vergessenen eine Stimme zu geben.»Christy Lefteri ist eine mutige, provokante Autorin, deren Geschichten uns noch lange verfolgen.« Heather Morris, Autorin des SPIEGEL-Bestsellers »Der Tätowierer von Auschwitz«

Gegenwarts- & Literarische Fiktion
416 SeitenHardcover
Erschienen an: March 29, 2023

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BuchsuchtRezension von Buchsucht

Wenn eine unsichtbare Frau endlich eine Stimme bekommt Eine Mutter, die ihre Tochter verlässt, um ihr ein besseres Leben zu ermöglichen. Eine Frau, die in einem fremden Haushalt arbeitet und dabei unsichtbar bleibt. Ein Verschwinden, das eigentlich niemanden interessiert. Christy Lefteris „Die Nacht der Zugvögel“ ist einer der bewegendsten Romane, die ich in den letzten Jahren gelesen habe. Nisha und ihre kompromisslose Mutterliebe haben mir tief unter die Haut geschnitten. Nisha kommt aus Sri Lanka nach Zypern, um dort als Kindermädchen zu arbeiten. Der einzige Weg, ihrer Tochter eine bessere Zukunft zu schenken. Der Preis ist hoch: Die Sehnsucht zerreißt sie, jeden Tag aufs Neue. Für ihre Arbeitgeberin Petra wird Nisha im Haushalt schnell unverzichtbar. Doch trotz der Nähe hat Petra sich nie die Mühe gemacht, den Menschen hinter der Rolle kennenzulernen. Als Nisha plötzlich verschwindet, reagiert die Polizei mit erschütternder Gleichgültigkeit. Eine ausländische Hausangestellte, da werde sich schon nichts Ernstes ergeben. Petra beginnt selbst zu suchen. In Rückblenden und aus der Perspektive von Nishas heimlichem Geliebten Yiannis lernen wir die Frau kennen, die im Alltag nie gesehen wurde. Was diesen Roman so groß macht, ist die Würde, mit der Christy Lefteri einer Figur begegnet, die in der Realität meist namenlos bleibt. Nisha ist nicht „das Hausmädchen“, sondern Mutter, Liebende, Träumerin, Kämpferin. Ihre Geschichte ist exemplarisch für Hunderttausende Frauen, die in fremden Ländern fremde Kinder großziehen, während die eigenen Tausende Kilometer entfernt ohne sie aufwachsen. Lefteri zeigt das ohne Pathos und ohne Belehrung, aber mit einer Klarheit, die einen nicht mehr loslässt. Besonders unter die Haut ging mir ihre Darstellung der Mutterliebe. Nicht romantisiert, sondern als Opfer, Schmerz, Verzicht. Als Bereitschaft, das eigene Leben zu zerreißen, damit das des Kindes ganz werden kann. Sprachlich ist Christy Lefteri eine Wucht. Sie schreibt poetisch, ohne kitschig zu werden. Bilder, die sich einprägen, Sätze, die man unterstreichen möchte. Bettina Spanglers Übersetzung fängt diese leise Eleganz wunderbar ein. Klug ist auch die Erzählkonstruktion: Wir lernen Nisha nicht direkt kennen, sondern durch die Menschen, die sie zurückgelassen hat. Yiannis kennt die echte Nisha mit ihren Träumen und ihrem Lachen, Petra nur die Funktion. Zwischen diesen beiden Perspektiven vollzieht sich ein glaubwürdiger Wandel, der auch mich als Leserin verändert hat. Denn Petra spiegelt uns. Wir alle haben Menschen im Alltag, deren Geschichten wir nie gesehen haben. Der Roman stützt sich auf reale Fälle verschwundener Hausangestellter auf Zypern, oft aus Sri Lanka, den Philippinen oder Vietnam, deren Verschwinden jahrelang nicht ernst genommen wurde. Diese sozialkritische Dimension macht das Buch zu einem stillen, aber kraftvollen Appell, hinzuschauen. Zypern selbst wird bei Lefteri, die zypriotische Wurzeln hat, zur eigenen Figur, mit Sonne, Olivenbäumen und den Bruchlinien einer geteilten Insel. Ein Buch, das nicht nur unterhält, sondern verändert.

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