3.8

Der Traum von Olympia Die Geschichte von Samia Yusuf Omar

von Reinhard Kleist

Format:Hardcover

Dass Reinhard Kleist in der Lage ist, schwierigste historische Themen in einer Graphic Novel umzusetzen, hat er mit "Der Boxer" bewiesen. Jetzt nimmt er ein aktuelles Thema anhand einer wahren Geschichte auf: Die Sprinterin Samia Yusuf Omar vertrat Somalia bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking. In ihrer Heimat wurde sie jedoch von islamistischen Extremisten bedroht, die ablehnen, dass Frauen Sport treiben. In der Hoffnung, an der Olympiade in London teilnehmen zu können, versuchte sie die Flucht nach Europa. Samia Yusuf Omar ertrank 2012 im Alter von 21 Jahren vor der Küste Maltas im Mittelmeer.

Biografien & Memoiren
145 SeitenHardcover
Erschienen an: 2015-01-27

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Aktuelle Rezensionen(1)

3.8(2 ratings)
GeanyRezension von Geany

Manchmal denke ich, wir haben in Europa völlig vergessen, wie privilegiert unser Leben eigentlich ist. Wir diskutieren darüber, ob wir ans Telefon gehen, ob wir das Haus verlassen oder ob uns eine Kleinigkeit den Tag vermiest. Gleichzeitig gibt es Menschen, die alles zurücklassen, ihr Leben aufs Spiel setzen und den Tod in Kauf nehmen, nur für die Hoffnung auf Freiheit oder eine Zukunft. Genau dieser Gedanke hat mich beim Lesen immer wieder eingeholt. Besonders eingebrannt hat sich eine einzige Zeichnung. Keine große Fluchtszene, sondern der Moment, in dem eine Frau in aller Öffentlichkeit eine Ohrfeige bekommt, einfach weil sie eine Frau ist. Dieses Bild zeigt auf erschreckend einfache Weise, wie unterschiedlich Lebensrealitäten sein können. Mit der Umsetzung bin ich allerdings nicht ganz warm geworden. Die Hauptfigur blieb für mich eher ein Symbol für Flucht und Hoffnung als ein Mensch, den ich wirklich kennenlernen durfte. Dafür nimmt sich die Geschichte zu wenig Zeit. Nach nicht einmal einer Stunde war das Buch beendet und gerade bei einer wahren Geschichte hätte ich mir mehr Persönlichkeit und tiefere Einblicke gewünscht. Auch der Zeichenstil hat mich nicht vollständig überzeugt. Manche Illustrationen wirkten auf mich eher grob als bewusst reduziert und transportierten die Emotionen nicht immer. Am meisten beschäftigt hat mich jedoch ein anderer Gedanke. Erzählt wird das Schicksal einer schwarzen Frau von einem weißen Autor, der mit dieser Geschichte Geld verdient. Auch wenn die Absicht sicher eine andere war und intensiv recherchiert wurde, ließ mich dieses Gefühl nicht los. Gerade deshalb hätten mir Stimmen von Menschen gefehlt, die selbst Flucht erlebt haben oder Samia persönlich kannten. Ein paar Own Voices hätten der Geschichte für mich deutlich mehr Tiefe und Authentizität verliehen. Trotz meiner Kritik halte ich das Buch für wichtig. Nicht, weil es alle Antworten liefert, sondern weil es daran erinnert, dass hinter jeder Schlagzeile ein Mensch mit Träumen steht. Nur der Preis, den manche dafür zahlen müssen, ist unvorstellbar hoch.

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