Deswegen gelingt Nic Stone ihr Romandebüt, weil sie (...) nüchtern demonstriert, dass die Hautfarbe auch im Jahr 2018 noch zwischen Leben und Tod entscheidet.
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Dear Martin
von Nic Stone, Karsten Singelmann
Deswegen gelingt Nic Stone ihr Romandebüt, weil sie (...) nüchtern demonstriert, dass die Hautfarbe auch im Jahr 2018 noch zwischen Leben und Tod entscheidet.
Aktuelle Rezensionen(1)
Dieses kleine, aber feine YA-Buch hat es in sich. Ich musste mich ein wenig an den Schreibstil und die Tatsache gewöhnen, dass es keine Ich-Perspektive gibt (eher ein allwissender Erzähler) und fand, dass einige Elemente nicht unbedingt etwas beitragen (Sozialkundeunterricht wird im Buch in Skriptform geschrieben). Dennoch hat mich das Buch sehr gefesselt, vor allem wegen der gesellschaftlichen Themen, die darin behandelt werden. Blackfacing, weiße Privilegien und ethnisches Profiling – das sind nur einige der Themen, die in diesem Buch behandelt werden. Nic Stone setzt diese wichtigen Themen auf eine kraftvolle Art und Weise um, ohne dass es zu einer Überladung mit Themen kommt. Justyce hat wirklich tolle Noten in der Schule, ist ein großartiger Kapitän des Debattierclubs und darf nächstes Jahr nach Yale gehen. Doch all das spielt keine Rolle, als ein Polizist ihm Handschellen um die Handgelenke legt. Schließlich wird Justyce ohne weitere Anschuldigungen (und auch ohne Entschuldigung) freigelassen, aber der Vorfall beschäftigt ihn weiter. Justyce McAllister stellt fest, dass Rassismus leider überall zu finden ist. So stellt er sich die Frage: Was würde Martin tun? Die Begegnung mit dem Polizisten zeigt Justyce, dass Rassismus leider immer noch ein Thema ist, mit dem wir uns alle auseinandersetzen müssen. Egal, ob im Klassenzimmer oder bei seiner Mutter – Rassismus begegnet Justyce überall. Er lauert unter der Oberfläche, aber Justyce weigert sich, die Augen länger zu verschließen. Das führt leider zu einer Reihe von Zusammenstößen, bis es schließlich eskaliert. Justyce wird Zeuge einer Schießerei. Doch neben dem Rassismus werden in „Dear Martin” auch andere wichtige Themen der Jugendliteratur angesprochen, wie zum Beispiel das Verlieben und die Bewerbung an der Universität. Diese Themen sind jedoch nicht so wichtig wie das Thema, das Stone in „Dear Martin” ansprechen will. Das Buch hat mich ein wenig traurig gemacht – über Justyce' Situation, aber auch über das größere Bild außerhalb der von Stone skizzierten Welt, über die Realität. Leider fühlte sich das Buch ein wenig ausgelaugt an, die losen Enden wurden alle schnell abgeschlossen und viele Fragen blieben unbeantwortet. Ich glaube, dass „Dear Martin” noch 100 Seiten mehr hätte haben können. Martin bezieht sich natürlich auf Martin Luther King, eines der prominentesten Mitglieder der afroamerikanischen Bürgerrechtsbewegung. Martin Luther King hat Großes für die Rechte der Afroamerikaner geleistet und auch Justyce in „Dear Martin inspiriert. Er hat ein Projekt gestartet, in dem er Briefe über sein eigenes Leben schreibt, die an Martin gerichtet sind. Dieses Buch geht wirklich zu Herzen und regt einen zum Nachdenken an. Justyce ist eine so wunderbare Hauptfigur, die ich von der ersten Seite an in mein Herz geschlossen habe. Allerdings hätte ich mir vom Schreibstil her ein bisschen mehr Konsequenz gewünscht. In einem Moment ist der Dialog nämlich voll ausgearbeitet und im nächsten Moment gibt es eine Art Interviewform. Das hat für mich persönlich leider keinen zusätzlichen Nutzen gehabt. Fazit: Es geht um ein Thema, das uns alle angeht: Rassendiskriminierung, Ungleichheit und die Art und Weise, wie wir andere Menschen sehen. Die Geschichte wird auf eine sehr zugängliche Weise erzählt. Ein Buch, das Jung und Alt gleichermaßen begeistert und mit einer tollen Hauptfigur, die Lust macht, die Welt zu sehen. Und das alles wird abgerundet mit einem Hauch von Romantik, der Suche nach der eigenen Identität und Freundschaften, die auf den Prüfstand gestellt werden. 4 von 5 Sternen!