Empfehlungen basierend auf "Auflösungen."

Based on your reading history, we think you will also enjoy the following books.

von Elena Fischer

»Der Anfang war der letzte Tag vor den Sommerferien. Der Anfang war ein Song im Radio. Der Anfang waren große Pläne.«

von Daniel Speck

Mit seinen Familienromanen führt uns Bestseller-Autor Daniel Speck ins Herz des Mittelmeers. Bewegend verknüpft er Schicksale und Generationen und entwirft ein vielstimmiges Panorama der Kulturen. Gehen Sie mit Daniel Speck auf die Reise in seine drei Erfolgsromane.  Bella Germania: Die große deutsch-italienische Familiengeschichte in drei Generationen – voller Zeitkolorit, dramatischer Wendungen und großer Gefühle. München, 2014: Die Modedesignerin Julia ist kurz vor dem ganz großen Durchbruch. Als plötzlich ein Mann namens Vincent vor ihr steht, der behauptet, er sei ihr Großvater, gerät ihre Welt aus den Fugen. Mailand, 1954: Der junge Vincent fährt von München über den Brenner nach Mailand, um dort für seine Firma zu arbeiten. Er verfällt dem Charme Italiens, und er begegnet Giulietta. Es ist Liebe auf den ersten Blick. Doch sie ist einem anderen versprochen. Eine tragische Liebe nimmt ihren Lauf, die auch Jahrzehnte später noch das Leben von Julia völlig verändern wird. Piccola Sicilia: Ein sonniger Herbsttag auf Sizilien. Schatztaucher ziehen ein altes Flugzeug aus dem Meer. Die deutsche Archäologin Nina findet auf der Passagierliste ihren Großvater Moritz, der seit dem Zweiten Weltkrieg als verschollen galt - das große Geheimnis ihrer Familie. Überraschend begegnet Nina einer fremden Frau, die behauptet, Moritz' Tochter zu sein. Hatte er eine zweite Familie? Tunis, 1942. Das bunte italienische Einwandererviertel »Piccola Sicilia«. Im Grandhotel Majestic begegnet der deutsche Soldat Moritz der faszinierenden Jüdin Yasmina und ihrer heimlichen Liebe, dem Pianisten Victor. Als die Nazis Victor gefangennehmen, riskiert Moritz alles, um ihm zur Flucht zu verhelfen. Doch durch seine Gefühle für Yasmina gerät er in ein schicksalhaftes Dilemma. Jaffa Road: Eine Villa am Meer unter Palmen: Die Berliner Archäologin Nina reist nach Palermo, um das Erbe ihres verschollenen Großvaters Moritz anzutreten. Dort begegnet sie ihrer jüdischen Tante Joëlle - und einem mysteriösen Mann, der behauptet, Moritz' Sohn zu sein. Elias, ein Palästinenser aus Jaffa. Haifa, 1948: Unter den Bäumen der Jaffa Road findet das jüdische Mädchen Joëlle ein neues Zuhause. Für das palästinensische Mädchen Amal werden die Orangenhaine ihres Vaters zur Erinnerung an eine verlorene Heimat. Beide ahnen noch nichts von dem Geheimnis, das sie verbindet, in einer außergewöhnlichen Lebensreise rund ums Mittelmeer. Daniel Speck nimmt uns mit in die Welt seiner Romane: In seinem Coffee-Table-Book Terra Mediterranea lädt er ein zu einer farbig bebilderten kulinarischen Reise rund ums Mittelmeer und erzählt dort die Geschichten hinter den Gerichten.

von Thorsten Nagelschmidt

März 2020, eine abgeschiedene Lodge in dem kolumbianischen Dschungeldorf Soledad. Die Hamburger Fotografin Alena will nach einer schmerzhaften Trennung nur ein paar Tage bleiben. Doch mehr und mehr verfällt sie dem mystischen Charme des Ortes und den Erzählungen Rainers, des deutschen Betreibers der Lodge, dessen Lebensgeschichte mit Alenas ersten Eindrücken von diesem seltsamen und charismatischen Mann nur wenig zu tun hat: In seiner Kindheit immer für zu weich gehalten, rebelliert er in den sechziger Jahren gegen das spießige Nachkriegsdeutschland, arbeitet als Vertreter für gefälschte Jeans und landet nach einer Odyssee durch Lateinamerika in Kolumbien, wo er einem hochrangigen Drogendealer ein Stück Land abkauft, um aus dem Nichts seine Lodge zu errichten. Wie in seinem hochgelobten Roman »Arbeit« erzählt Thorsten Nagelschmidt in »Soledad« mit beeindruckendem Einfühlungsvermögen und Witz von auf den ersten Blick sehr ungleichen Menschen, die sich in ihrem Wunsch nach Anerkennung und Zugehörigkeit näher sind, als sie anfangs dachten.

von Lucinde Hutzenlaub

Eine junge deutsche Auswanderin im glanzvollen New York der Dreißigerjahre – und eine unsterbliche Liebe, die das Schicksal einer ganzen Familie bestimmtAls Esther den Dachboden ihres Einfamilienhauses in Stuttgart ausmistet, fällt ihr der elegante Fuchspelzmantel ihrer Mutter Paula in die Hände. Und mit einem Mal sind all die schmerzhaften Erinnerungen wieder da, denn der Mantel hat eine lange Geschichte: Er stammt aus Paulas Jahren als Kindermädchen bei einer der reichsten Familien New Yorks. Esther weiß, wie sehr ihre Mutter das Leben in der pulsierenden Metropole der Dreißigerjahre liebte, die Jazzclubs und die Spaziergänge im Central Park – und einen jungen Anwalt namens Norman. Doch der Mantel erinnert Esther auch an all die Geheimnisse, an den schrecklichen Verrat und schließlich an Paulas plötzliches Verschwinden. Und sie weiß, dass es nun endlich an der Zeit ist, sich auf die Suche zu machen nach jener großen Lebensliebe, die das Schicksal ihrer Familie für immer veränderte …»Paulas außergewöhnliche Geschichte zwischen Stuttgart und dem New York der Dreißigerjahre berührt und entfaltet einen unglaublichen Sog. Ein großartiges Leseerlebnis!« Maria Nikolai

von W. Somerset Maugham

Maughams anspruchsvollster ›philosophischer‹ Roman gibt ein farbiges Porträt der zwanziger Jahre – vom Swing bis zum Börsenkrach. Ein junger Amerikaner protestiert, indem er sich entzieht; sein Trip führt ihn über Europa und Indien zurück nach Chicago und zu einer neuen Lebenshaltung und wird so zum Protokoll einer von Arbeit, Erfolg und Amüsement gehetzten Gesellschaft – und einer verwirklichten Alternative.

von Persephone Haasis

Manchmal geht das große Glück einen kleinen Umweg ...Nathalie ist fassungslos, als ihr Freund sich per Postkarte von ihr trennt. Wütend reist sie ihm nach Frankreich hinterher, um ihn zur Rede zu stellen. Doch nach einer Autopanne landet sie stattdessen auf einem idyllischen Hof in der Provence. Sofort ist sie fasziniert vom herrlichen Kräutergarten, den schönen Aprikosenhainen – und dem mürrischen, aber attraktiven Hofbesitzer Felix. Als Nathalie erfährt, dass der Hof finanzielle Probleme hat, hat sie eine Idee: Sie beginnt mithilfe des Kräuterbuchs von Felix' Großmutter, himmlische Cremes und duftende Öle aus Aprikosen und Kräutern herzustellen. Aber kann sie damit auch Felix' Herz gewinnen?

von Jean-Claude Izzo

Im Hafen von Marseille steht die Zeit still. Die Aldebaran liegt fest, der Reeder ist Konkurs gegangen. An Bord drei Männer. Sie leisten Widerstand, wollen sich nicht damit abfinden, den Frachter zu verlassen. Wohin sollen sie auch gehen? Während sie ohne wirkliche Hoffnung darauf warten, wieder auslaufen zu können, beginnen sie zu reden, diese Seemänner, die sich ans Schweigen gewöhnt haben. Sie reden um ihr Leben, erzählen sich ihre Vergangenheit, Geschichten von Frauen, die auf sie warten oder die sie verloren haben, von Kindern, die sie nicht haben aufwachsen sehen, von Ländern, die sie nicht vergessen können. Um sie herum Marseille, Stadt des Exils, Schmelztiegel. In dieser Stadt voller Erinnerungen suchen die drei Männer ihre Zukunft.

von Milena Moser

LUIGIDraußen zog eine Landschaft vorbei. Sonnenverbrannte Hügel, gelbe Felder, vereinzelte Bäume. Keine Palmen mehr. Und auch das Meer konnte er nicht mehr sehen. Er schaute wieder in sein Buch, seine Augen schweiften über die Seiten, ohne mehr als ein paar Satzfetzen zu erfassen. «…den Anblick von Blut nicht gewohnt…Die Kiefer in atmendem Schweigen … nicht mehr gefährlich …» Der letzte Mohikaner von James Fenimore Cooper. Es war das erste Buch, das er auf Englisch gelesen hatte. Sein Vater hatte es ihm mitgegeben, für die Reise damals. Obwohl er noch gar kein Englisch konnte.«Das ist doch kein Kinderbuch», hatte seine Mutter gesagt. Sie wollte ihm das Buch wegnehmen, aber er hatte es behalten. Er las es immer wieder, und jedes Mal verstand er etwas mehr. Das Englisch war altmodisch und umständlich, die Beschreibungen verwirrend, immer wieder verlor er den Faden der Handlung. Und doch liebte er dieses Buch, gerade seine unverständlichen Passagen. Es beruhigte ihn, wie ihn die Stimme seines Vaters beruhigt hatte. Er hatte ihm vor dem Schlafengehen immer aus dem Buch vorgelesen, das er gerade selber las, ob es ein Gesetzbuch war oder ein Gedichtband. Ohne Rücksicht darauf, ob Luigi auch nur ein Wort verstand. Gerade das hatte ihn beruhigt und zuverlässig einschlafen lassen: der Klang dieser Stimme, die so viel mehr wusste als er.«Schon wieder die Nase im Buch», seufzte Giovanna. Sie verstand nicht, dass Luigi auch das für seinen Vater machte. Sein Vater hatte immer ein Buch in der Tasche, manchmal zwei. Er umwickelte sie mit einem schmalen Lederbändel und schob sie in seine Jackentasche. Manchmal ließ er sie auch von seinem Finger baumeln. So wie er das mit dem Kuchenpaket machte, das er am Samstag aus der Bäckerei holte. Das Paket schaukelte an seinem Finger hin und her, und bis er zuhause ankam, war die gelbe Creme vom Teigboden gerutscht, und Giovanna schimpfte. Je mehr Zeit verging, desto schwerer fiel es Luigi, diese Erinnerungen festzuhalten. Diese Momente. Manchmal wusste er gar nicht mehr, ob sie echt waren oder ob er sie selber zusammengesetzt hatte. Aus seinen Träumen, seinen Wünschen.Er tat nur so, als würde er lesen, als sei er ganz in sein Buch vertieft. Als könnte er seine Mutter nicht hören.«Schau doch», sagte sie immer wieder und zeigte zum Fenster. «Schau doch, wie schön!» Dabei sah sie gar nicht aus dem Fenster. Ihr Blick war auf Luigi geheftet. Ihr Blick war schwer zu deuten. Luigi sah wieder in sein Buch. Er ertrug diesen Blick nicht, der falsche Hoffnungen weckte. «Lass uns umkehren», schien er zu sagen. «Komm, lass uns zurückfahren. Ich will nicht, dass du so weit weg von mir bist.» Aber der Blick täuschte. Luigi schaute nicht von seinem Buch auf, nicht aus dem Fenster. Er las denselben Satz wieder und wieder.«Guarda, guarda!»Manchmal sprach seine Mutter noch Italienisch mit ihm. Er tat dann immer so, als könne er sie nicht mehr verstehen. Das hatte er seinem Vater versprochen: «Sobald wir auf dem Schiff sind, sprechen wir nur noch Englisch miteinander.» Luigi hatte sich daran gehalten. Sein Vater nicht. Er war ja gar nicht auf dem Schiff gewesen. Im letzten Moment hatte er beschlossen, in der Schweiz zu bleiben. Er konnte seine Klienten nicht im Stich lassen.«Und was ist mit uns?» «Es ist doch nur für ein paar Wochen. Monate, höchstens!»Mehr als vier Jahre war das her. Vier Jahre, in denen sein Vater nicht oft geschrieben hatte und irgendwann gar nicht mehr. Es war Krieg. Briefe gingen verloren. Sie waren zu oft umgezogen, dachte Luigi. Sein Vater wusste nicht, wo sie jetzt wohnten. Wahrscheinlich wusste er nicht einmal, dass Luigi jetzt auf diese Schule geschickt wurde. Mitten im wilden Westen, wo es Indianer gab und Berglöwen, ungesattelte Pferde und Lagerfeuer. Es waren andere Indianer als in dem Buch. Der letzte Mohikaner lebte im Nordosten Amerikas, nicht weit von New York, wo ihr Schiff angelegt hatte.Es war immer nur von Amerika die Rede gewesen. Nicht von New York oder Los Angeles oder gar dem Wilden Westen. Immer nur Amerika, als sei es ein Ganzes, als zerfiele es nicht in die groben Puzzleteile, mit denen die Kinder in der Schule die Namen der einzelnen Staaten lernten. Los Angeles war weiter von New York entfernt als Locarno. Aber immer noch in Amerika.Luigi schrieb auch immer seltener, aber immerhin schrieb er noch. Und von allem Anfang an auf Englisch. «Dear dad» – mehr konnte er damals nicht. Er zeichnete das Schiff und die hohen Häuser im Hafen. Die Worte wurden mehr, die englischen. Die Briefe weniger. Die Jahre in Amerika wurden mehr und die Jahre in der Schweiz weniger. Irgendwann würden es mehr Jahre in Amerika sein als in der Schweiz, mehr Jahre ohne seinen Vater als mit ihm. Jetzt war er schon zwölf Jahre alt und kein Kind mehr.«Guarda! Guarda i cavalli!», rief seine Mutter jetzt.Pferde. Pferde vor dem Fenster. Luigi konnte nicht widerstehen, er hob seinen Blick. Folgte ihrem Finger, der aus dem Fenster zeigte. Wilde Pferde galoppierten neben ihnen her. Hellbraune Pferde, gefleckte Pferde, ein schwarzes. Sie liefen so schnell, wie der Zug fuhr. Sie waren kleiner, als Luigi gedacht hätte. Er ließ sich seine Aufregung nicht anmerken, sondern schaute gelangweilt wieder in sein Buch.«Rede Englisch», wollte er seine Mutter anfahren, aber genau das sagte Marvin ja immer: «Rede Englisch. Wir sind hier in Amerika.»Luigi wusste alles über Amerika. Sein Vater hatte ihm erklärt, auf welchem Fundament Amerika ruhte: auf Lügen. Auf Tricks. Verseuchten Wolldecken. Auf Verträgen, an die sich keiner hielt. Sklaverei. Ungerechtigkeit. «Und trotzdem», hatte Giorgio gesagt. «Trotzdem, das ist das Wunder. Trotzdem ist Amerika das Land geworden, in dem jeder eine Chance hat. In dem alles möglich ist.»Warum war er dann nicht hier?Wo war er?«Warum sind wir weggegangen?», fragte Luigi. Giovanna schaute erstaunt auf. Sie strickte etwas. Es sah aus wie eine Mütze, aber eine sehr kleine Mütze. Einer Orange würde sie passen oder einer Puppe vielleicht. Sie legte die Handarbeit in den Schoß und schaute aus dem Fenster, die gelben Felsen schienen sich nicht zu bewegen. Dann schaute sie Luigi an.«Das haben wir doch besprochen», sagte sie. «Marvin hat es dir erklärt. Die Outdoor School in Española hat einen sehr guten Ruf.»«Das meine ich nicht. Warum sind wir weg aus Locarno?» Es ergab keinen Sinn. Es war kurz vor dem Ausbruch des Krieges gewesen. Flüchtlinge aus Deutschland versuchten, in die Schweiz einzureisen. Wer würde in diesen Zeiten die Schweiz verlassen?«Warum willst du das ausgerechnet jetzt wissen?»«Weil ich es ausgerechnet jetzt wissen will!» Er klang wie ein kleines Kind.«Die Politik», sagte Giovanna. «Das verstehst du nicht.»«Sind wir Juden?», fragte Luigi, um ihr zu zeigen, dass er sehr wohl verstand. Er hörte die Nachrichten im Radio. Er hörte die Kinder in der Schule reden. Immer mehr Kinder kamen aus Europa. Ihre Eltern arbeiteten für den Film, sie schrieben Drehbücher, sie komponierten Musik, manche waren Schauspieler. Die hatten es am schwersten, wegen der Sprache. Manchmal wartete Luigis Mutter geradezu gierig auf ihn, wenn er aus der Schule kam. «Erzähl, was war heute? Sind wieder neue Kinder gekommen? Ich habe gehört, dass die Kaminskis jetzt hier sind, ist der Sohn in deiner Klasse? Er müsste in deinem Alter sein.» Manchmal erwähnte sie dann seinen Vater. «Giorgio kannte den ganz gut, vielleicht erinnert er sich an uns.»Wie kam sie darauf, dass er nicht verstand?«Warum sind wir weg und Papa nicht?»«Es war nicht genug Geld da», sagte sie. «Wir konnten uns nur zwei Überfahrten leisten.»«Das glaube ich nicht!»«Ach, du! Nun ja, der Nonno brauchte ihn noch. In der Kanzlei. Verstehst du, es waren schwierige Zeiten, und sie sind nicht einfacher geworden. Immer mehr Leute brauchen einen guten Anwalt. Und Giorgio hat eben ein Gewissen – im Gegensatz zu mir …» Sie lachte ein Lachen, das nicht lustig war. Dann wurde sie wieder ernst. «Vor allem wollte er, dass du ein gutes Leben hast. Dass du sicher bist.»«Wenn wir nicht Juden sind, was sind wir dann? Kommunisten?»Das war nur so dahingesagt, Kommunisten lebten nicht in großen Wohnungen mit Blick auf den See, Kommunisten trugen keine maßgeschneiderten Anzüge, keine handgenähten Lederschuhe. Seine Mutter runzelte die Stirn und nahm ihre Handarbeit wieder auf. «Sag bitte nicht so etwas. Und schon gar nicht vor Marvin!» Sie zählte die Maschen, sie seufzte.Zu Beginn hatte seine Mutter noch geweint. Im Zug nach Genua fast ununterbrochen. Doch schon auf dem Schiff nach New York freundete sie sich mit zwei Paaren an, die in der ersten Klasse reisten. Sie luden sie an ihren Tisch ein, im besseren Speisesaal, sie hörten zusammen Musik, sie diskutierten, sie tanzten. Immer öfter ließ sie Luigi abends allein in ihrer engen Kabine zurück. Doch als sie in New York ankamen, reisten ihre neuen Freunde weiter. Und Luigi und seine Mutter blieben zurück.Sie warteten auf Giorgio, dachte Luigi damals. Doch sie warteten nicht lange.Wenige Wochen nur blieben sie in diesem düsteren Mietshaus in New York, in dem Schatten durchs Treppenhaus huschten und es nach Urin und Kohl stank. Ihr Zimmer hatte kein Fenster und nur ein schmales Bett. Doch die anderen Zimmer im Haus waren von ganzen Familien belegt, vier, fünf Personen schliefen, kochten, aßen auf den knappen Quadratmetern. Sie schienen sich alle zu kennen. Sie gehörten nicht dazu. Die anderen Frauen machten sich lustig über Giovannas Dialekt. Giovanna hielt sich wohl für etwas Besseres, sagten sie. Heimlich gab Luigi ihnen recht. Seine Mutter war etwas Besseres. Und sie wusste das auch. Schließlich waren sie nicht vor der Armut geflohen, sondern vor der Politik. In Locarno hatten sie in einer großen Wohnung mit hohen Fenstern gelebt, mit Blick auf die Seepromenade. Doch das zählte jetzt alles nichtmehr. Sie waren in Amerika. Und in Amerika waren alle gleich. Das hatte Giorgio versprochen. Doch das stimmte nicht. Das hatte Luigi schnell verstanden. Und manchmal machte ihn das wütend. Sein Vater musste gewusst haben, was sie erwartete. «Pass auf deine Mutter auf», hatte er zu Luigi gesagt. In der ersten Nacht in New York hatte Luigi den einzigen Stuhl an die Tür ihres Zimmers geschoben und im Sitzen geschlafen. Die ganze Nacht hatte es an der Tür gerüttelt. Sie waren nicht die Einzigen, die ohne Mann gereist waren. Aber die anderen Frauen waren nicht so schön wie seine Mutter. Giovanna war groß und schlank. Ihr Haar war dunkelbraun und gelockt, wenn die Sonne darauf schien, fast rot. Luigi hatte ihr Haar. Und ihre nussbraunen Augen. New York machte seine Mutter hart und still. Sie weinte nicht mehr, aber sie lachte auch nicht. Ihre Lippen verschwanden, als hätte sie sie eingesogen und im Innern ihres Mundes versteckt.Das war nicht das Amerika, das sein Vater ihm beschrieben hatte.Doch nach wenigen Wochen verließen sie New York und fuhren nach Los Angeles, wo seine Mutter eine Stelle als Kostümschneiderin in einem Filmstudio gefunden hatte. Das war eine andere Zugreise gewesen als diese jetzt. Sie hatten auf harten Holzbänken gesessen und im Sitzen geschlafen. Sie hatten kalte Kartoffeln gegessen und eine Wurst, die Giovanna eingepackt hatte. Trotzdem war es besser gewesen. Seine Mutter hatte sich an ihn geklammert, und Luigi hatte sie beschützt. Er hatte für sie übersetzt, obwohl er selber erst wenige Worte Englisch sprach. Sein Vater wäre stolz auf ihn gewesen.

von Emma Wagner

Der Duft des Rosmarins, ein zerstörerisches Familiengeheimnis und eine Liebe gegen alle Widerstände – der neue, zutiefst berührende Roman von Bestsellerautorin Emma Wagner entführt auf die malerische Insel Korsika.Seit ihrer Kindheit wird die Künstlerin Justine von einem wiederkehrenden Albtraum gequält, den sie in ihren Werken zu verarbeiten versucht. Als bei ihrer Ausstellung der geheimnisvolle Raphaël auftaucht, verspürt sie sofort eine Verbindung zu ihm. Fasziniert folgt sie ihm nach Korsika und schon bald zieht nicht nur er, sondern auch die Insel sie in ihren Bann.Aber warum will ihr Vater sie um jeden Preis zurückholen? Und wieso reagieren die Bewohner eines kleinen Bergdorfes so abweisend auf sie?Gemeinsam mit Raphaël begibt sie sich auf die Suche nach Antworten. Und stößt auf eine Geschichte von Liebe und Hass, die ihr bisheriges Leben in Frage stellt.

von Diana Wintermeer

Blühende Lavendelfelder, schattige Olivenhaine und ein in der Ferne glitzernder Fluss – viel mehr gibt es über Étiennes Heimat nicht zu erzählen, denn in dem kleinen, provenzalischen Städtchen passiert selten etwas Aufregendes. Das allerdings ändert sich, als mit dem Frühling Boote aus dem Süden auftauchen. Schnell spricht sich herum, dass es Zigeuner sind, die unten am Fluss ihr Lager aufgeschlagen haben. Auch Étienne traut den Fremden nicht recht, bis er dem ältesten Sohn des Clans begegnet. Río ist heißblütig und leidenschaftlich und Étienne kann sich der Magie, die von ihm ausgeht, kaum entziehen. Immer wieder treibt es ihn zum Flussufer hinunter und schon bald entspinnt sich eine heimliche Freundschaft zwischen den beiden ungleichen jungen Männern. Doch haben ihre Gefühle eine Zukunft? Und was wird Río tun, wenn die Zigeuner beschließen weiterzuziehen?