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Christian Kracht, 1966 in der Schweiz geboren, zählt zu den modernen deutschsprachigen Schriftstellern. Seine Romane »Faserland«, »1979«, »Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten«, »Imperium«, »Die Toten« und »Eurotrash« sind in über 30 Sprachen übersetzt. 2012 erhielt Christian Kracht den Wilhelm-Raabe-Preis, 2016 den Schweizer Buchpreis und den Hermann-Hesse-Literaturpreis.

Gegenwarts- & Literarische Fiktion
208 SeitenHardcover
Erschienen an: March 13, 2025

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Aktuelle Rezensionen(12)

3.8(48 ratings)
StefanRezension von Stefan

raumzeitgeistRezension von raumzeitgeist

liebe es. dicht erzählt. die ebenen fließen ineinander. man wird eins mit den protagonisten.

ginanigRezension von ginanig

Air ist ein fantastisches Buch. Es zieht einen sofort hinein, atmosphärisch dicht und voller Sog. Am Ende wollte ich direkt wieder von vorne anfangen, weil alles so eindrucksvoll und stimmig aufgebaut ist. Ein Roman/eine Prosa der besonderen Art, stark, spannend und ungewöhnlich. Und selten passt ein Cover so gut zur Stimmung des Textes. Lest dieses Buch! :)

Nico KrtickaRezension von Nico Krticka

Einfach super langweilig und plump geschrieben

Sebastian HillerRezension von Sebastian Hiller

Christian Krachts „Air“ ist ein Roman der schwebenden Bedeutungen, der weniger erzählt als evoziert. Er entfaltet eine ästhetisch hochkontrollierte Welt, in der sich Entfremdung, Künstlichkeit und eine diffuse Sehnsucht nach dem Ursprünglichen überlagern. In dieser Konstellation lassen sich deutliche Parallelen zur Kunst der Präraffaeliten erkennen, insbesondere zu ihrer Rückwendung zu mythischen Stoffen und vormodernen Bildwelten. Exemplarisch dafür steht das Arthur-Motiv, wie es im präraffaelitischen Umkreis – etwa im James Archer zugeschriebenen Bild „Merlin und Lancelot“ – verhandelt wird. Wie die Präraffaeliten wendet sich Kracht gegen die glatte Selbstgewissheit der Moderne. Air ist durchzogen von dem Gefühl, dass die Gegenwart nur noch aus Simulationen besteht, aus Oberflächen ohne Tiefe. Die Suche nach dem Ursprünglichen – nach einem Punkt vor der Entfremdung – ist dabei kein realistisches Projekt, sondern ein ästhetisches Begehren. Genau hierin liegt die Nähe zu den Präraffaeliten, die im Rückgriff auf mittelalterliche Mythen nicht historische Wahrheit suchten, sondern emotionale und moralische Intensität. Das Bild „Merlin und Lancelot“ lässt sich in diesem Zusammenhang als Schlüsselfigur lesen. Merlin verkörpert das archaische Wissen, die Magie und die Verbindung zu einer vor-rationalen Welt, während Lancelot für den handelnden Menschen steht, gefangen zwischen Ideal, Loyalität und Schuld. Diese Spannung findet ihr literarisches Echo in Air: Auch hier stehen Figuren zwischen einem diffusen Wissen um einen verlorenen Ursprung und der Unfähigkeit, diesen je wieder zu erreichen. Wie im präraffaelitischen Bild sind die Figuren von einer Atmosphäre der Melancholie umgeben – nicht als persönliches Gefühl, sondern als Grundzustand der Welt. Stilistisch entspricht Krachts Prosa der präraffaelitischen Bildlogik. Sie ist überpräzise, ornamental, bewusst komponiert. Jedes Detail scheint bedeutungsschwer, ohne sich je zu einem eindeutigen Sinn zu fügen. So wie Archer und andere Präraffaeliten ihre Figuren in leuchtende, aber erstarrte Szenen setzten, arrangiert Kracht seine Welt als tableau vivant: schön, rätselhaft und innerlich unbewegt. Das Ursprüngliche erscheint nicht als lebendige Kraft, sondern als ästhetisches Bild, als Projektion. Gerade darin liegt die kritische Pointe von Air. Die Rückwendung zum Ursprung – sei es in Kunst, Mythos oder Stil – erweist sich als unauflöslich mit Künstlichkeit verbunden. Wie bei den Präraffaeliten ist der Traum vom Vor-Modernen selbst ein Produkt der Moderne. Air macht diese Ambivalenz nicht explizit, sondern erfahrbar: als Schwebezustand zwischen Sehnsucht und Erkenntnis, zwischen Merlin und Lancelot, zwischen Magie und Ernüchterung. So gelesen ist Air ein Roman, der weniger Antworten gibt als eine präzise ästhetische Haltung formuliert. In der Tradition der präraffaelitischen Suche nach dem Ursprünglichen zeigt Kracht, dass dieser Ursprung nicht mehr erreichbar ist – wohl aber als Bild, als Stimmung, als kunstvoll inszenierter Verlust.

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