Versöhnungstheater
von Max Czollek
Eine kritische Analyse der deutschen Erinnerungskultur: Klug und polemisch seziert Bestsellerautor Max Czollek den Wandel im deutschen Selbstverständnis. Max Czolleks legendäre Bücher „Desintegriert euch!“ und „Gegenwartsbewältigung“ streuten lustvoll Zweifel an den deutschen Narrativen von Integration bis Leitkultur. Scharf, gewitzt und an jeder Stelle überraschend, schließt Versöhnungstheater diesen Kreis, wenn es nach der aktuellen Erinnerung an die Verbrechen der Vergangenheit fragt. Seit weltweit bewunderten Gesten der deutschen Selbstvergewisserung vom Warschauer Kniefall bis zum Holocaust-Mahnmal hat sich in letzter Zeit einiges verändert: Das Berliner Stadtschloss feiert Preußens Könige, mit dem neuen Militärhaushalt wird eine Zeitenwende beschworen und der Bundespräsident bedankt sich auf Israelreise ungefragt für die „Versöhnung“. Deutschland ist wieder wer, auch weil es sich so mustergültig an den Holocaust erinnert. Herzlich willkommen zum Versöhnungstheater!
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Versöhnungstheater
von Max Czollek
Eine kritische Analyse der deutschen Erinnerungskultur: Klug und polemisch seziert Bestsellerautor Max Czollek den Wandel im deutschen Selbstverständnis. Max Czolleks legendäre Bücher „Desintegriert euch!“ und „Gegenwartsbewältigung“ streuten lustvoll Zweifel an den deutschen Narrativen von Integration bis Leitkultur. Scharf, gewitzt und an jeder Stelle überraschend, schließt Versöhnungstheater diesen Kreis, wenn es nach der aktuellen Erinnerung an die Verbrechen der Vergangenheit fragt. Seit weltweit bewunderten Gesten der deutschen Selbstvergewisserung vom Warschauer Kniefall bis zum Holocaust-Mahnmal hat sich in letzter Zeit einiges verändert: Das Berliner Stadtschloss feiert Preußens Könige, mit dem neuen Militärhaushalt wird eine Zeitenwende beschworen und der Bundespräsident bedankt sich auf Israelreise ungefragt für die „Versöhnung“. Deutschland ist wieder wer, auch weil es sich so mustergültig an den Holocaust erinnert. Herzlich willkommen zum Versöhnungstheater!
Aktuelle Rezensionen(4)
Das Buch ist für mich ein Plädoyer für plurale Erinnerungskultur, die nicht Versöhnung voraussetzt. Sprachlich ist es informativ und gleichzeitig schlagfertig. Leider hat es mich immer wieder kurzzeitig verloren, bis ich einen Absatz später wieder den Faden aufnehmen konnte. Noch nie habe ich mich derart mit der erinnerungskultur auseinandergesetzt und für verstanden, was es daran auszusetzen gibt. Es kritisiert die Gegenüberstellung der jüdischen Bevölkerung und der „Deutschen“, obwohl es keine Gegenüberstellung geben sollte. Es generalisiert jüdisches Leben und stellt sie als passive „Opfer“ der Geschichte da, obwohl sie ebenso aktivistisch waren. Es wird sich nach einer Erinnerung an „Gute deutsche Zeiten“ gesehnt und alte Gebäude (mit Geldern rechtsextremer) restauriert, wodurch die NS Zeit als kleiner Teil der deutschen Geschichte inszeniert wird. Identifikationsfiguren werden gesucht und in Staufenberg und Scholl gefunden, obwohl diese das System vorerst unterstützt und mit getragen haben. Es fehlt an Sprache für die Grausamkeit der NS-Zeit, die nicht ausdrücken möchte, dass alles wieder „gut“ ist. Es kann und muss nicht wieder gut werden. Wir erinnern nur an speziellen Orten, weil wir sonst erkennen müssten, dass die Gewalt allgegenwärtig war und den Menschen damit bewusst war. Wir tun alles, um das Gesicht und das Selbstbild zu wahren und schließen dabei immernoch Menschen aus der Gesellschaft aus. Eine Versöhnung ohne Wiedergutmachung, die beispielsweise in der Bestrafung und rechtlichen Auseinandersetzung mit Täter*innen liegen würde. Mit Blick auf aktuelle rechtsextreme Äußerungen und Gewalttaten, die nie wirklich geendet haben ist diese Buch eine Erinnerung daran, was alles nicht getan wurde.
Lohnt sich, ist wichtig
sehr gut & sehr wichtig & sehr lehrreich
„Denn im Versöhnungstheater verwandelt sich die Erinnerung an die Gewaltgeschichte von einem Instrument der Kritik in eine Energiequelle für eine neue nationale Normalität. Es gibt ein Erinnern, das Vergessen bedeutet.“ In seinem Buch „Versöhnungstheater“ kritisiert Max Czollek die „weltweit bewunderte“ deutsche Erinnerungskultur. Er zeigt anhand von bestehenden Beispielen, wie kritisch die neue Erinnerungsarchitektur ist. „Projekte wie das Berliner Stadtschloss zeigen, in welche Richtung sich eine staatliche Gedächtnisarchitektur seitdem weiterentwickelt hat. Die Konzeption früherer Entwürfe scheint dabei einer umfassenden Bejahung der deutschen Geschichte gewesen zu sein.“ Durch Max’ Vertiefung der Thematik merkt man schnell, dass „(d)ie deutsche Erinnerungskultur der vorangegangenen Jahrzehnte mit ihren jüdischen Museen, Gedenktagen, Kniefällen und Holocaustmahnmal (…) dabei zur Grundlage einer Versöhnung mit der deutschen Geschichte erklärt“ wird. Weiter sagt er „(d)ie Logik des Versöhnungstheaters lautet jedenfalls: Weil wir so intensiv an die „negativen“ Seiten der deutschen Geschichte erinnert haben, dürfen wir nun auch ihre „positiven“ Aspekte zelebrieren. Und wir dürfen nicht nur, wir müssen sogar: weil eine Gesellschaft positive Orte der Erinnerung braucht, wie Grütters glaubt, und weil die offene Wunde geschlossen werden muss, wie These behauptet.“ Max reißt außerdem in seinem Buch die Geschichte der Juden und Jüd_innen auf und zeigt deutlich „(w)ill man 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland historisch korrekt erzählen, dann beinhaltet das lange Phasen, in denen kaum Juden und Jüdinnen in Deutschland lebten. Der letzte und tiefste Bruch ist bekanntlich gut achtzig Jahre her.“ Das Buch ist empfehlenswert, nur muss ich auch zugeben, dass ich mit dem ‚akademischen‘ deutsch zu kämpfen hatte und oft Kapitel mehrmals lesen musste, um genau zu verstehen, was gemeint ist. Vielleicht lag es an meinem mangelnden Deutsch. „Eine Erinnerungskultur also, die nicht nur danach fragt, was war, sondern auch danach, was heute ist. Und wie wir die Erinnerungskultur so einrichten können, dass sie die Vergangenheit zwar erinnert, sie aber nicht wiederholt.“