3.9

Urlaub vom Patriarchat

von Friederike Oertel

Format:Softcover
2-3 Werktage nach Versand
Gratis Versand

Ermüdet und genervt vom Alltag im Patriarchat bricht Friederike Oertel zu einer Reise nach Mexiko auf – in eines der letzten Matriarchate der Welt. Sie möchte Abstand gewinnen, von den Frauen vor Ort lernen, mit neuen Perspektiven nach Hause zurückkehren. Doch auch im Matriarchat ist Frausein komplizierter als erwartet.In Juchitán läuft vieles anders: Frauen sind die Oberhäupter ihrer Familie, Besitz wird von Müttern an die Töchter vererbt und Muxe, Menschen eines dritten Geschlechts, sind gesellschaftlich normalisiert. Auf dem dicht gedrängten Markt, den Friederike Oertel mit ihrer Gastschwester besucht, betreiben Frauen den Handel, auf Festen geben sie den Ton an. Diese »Stadt der Frauen« gilt in Dokumentarfilmen und Büchern als Matriarchat und damit als gelebter Gegenentwurf zum Patriarchat.In einer Sprache, die die flirrenden Farben des Ortes lebendig werden lässt, und mit einem einfühlsamen Blick auf eine Stadtgesellschaft, die nach eigenen Regeln funktioniert, erkundet die Autorin ihr eigenes Frausein, geht Selbstzweifeln und Widersprüchen nach, hinterfragt Rollenerwartungen und lässt sich von Gefühlen überrollen und durchspülen. Die jahrhundertealte Idee des Matriarchats ist gleichzeitig Mythos und Realität, sie stellt Friederike Oertels Leben auf den Kopf und hilft ihr, das Frausein im Patriarchat neu zu betrachten.

Geschichte, Geistes- & Gesellschaftswissenschaften
336 SeitenSoftcover
Erschienen an: May 8, 2025

Was ist bookie?

  • Gratis Lieferung in Deutschland
  • Finde Bücher die zu dir passen
  • Tracke dein Leseverhalten und setze dir Ziele
  • Connecte dich mit anderen Leser*innen

Aktuelle Rezensionen(4)

3.9(16 ratings)
Nancy SchmidtRezension von Nancy Schmidt

Ist eine Gesellschaft, in der Frauen wirtschaftlich und gesellschaftlich eine besonders starke Stellung einnehmen, tatsächlich ein Gegenmodell zum Patriarchat? Nach der Lektüre von Friederike Oertels „Urlaub vom Patriarchat“ fällt die Antwort darauf wesentlich komplizierter aus, als der Titel zunächst vermuten lässt. Oertel reist nach Juchitán in Mexiko, das immer wieder als Matriarchat und als „Stadt der Frauen“ beschrieben wird. Dabei sucht sie nicht einfach nach Bestätigung für eine feministische Utopie, sondern beobachtet, fragt nach und stößt auf zahlreiche Widersprüche. Ihre Begegnungen mit den Menschen vor Ort wirken lebendig und authentisch und bewahren Juchitán davor, lediglich zur exotischen Kulisse zu werden. „Urlaub vom Patriarchat“ ist allerdings weniger ein klassischer Reisebericht, als ich zunächst erwartet hatte. Die einzelnen Kapitel beginnen zwar mit konkreten Erlebnissen, führen von dort aber zu größeren gesellschaftlichen Fragen. Oertel beschäftigt sich unter anderem mit finanzieller Unabhängigkeit, weiblicher Sichtbarkeit, Sexualität, Genderfluidität, Gewalt gegen Frauen sowie mit Angst, Wut und dem Umgang mit Gefühlen. Besonders spannend fand ich ihre Auseinandersetzung mit dem Begriff des Matriarchats. Oertel zeigt, wie viele unterschiedliche Formen und Ausprägungen es gibt und dass diese keineswegs einfach ein umgekehrtes Patriarchat darstellen. Damit unterminiert das Buch für mich überzeugend das Argument, ein Matriarchat wäre schließlich „auch nicht besser“. Diese Vorstellung setzt voraus, dass Frauen dort Männer genauso systematisch diskriminieren und unterdrücken, wie es umgekehrt in patriarchalen Strukturen geschieht. Doch genau das ist bei den beschriebenen Gesellschaftsformen in aller Regel nicht der Fall. Gleichzeitig idealisiert Oertel Juchitán nicht, denn auch eine starke Stellung von Frauen beseitigt andere Machtverhältnisse und gesellschaftliche Probleme nicht automatisch. Oertel bezieht zahlreiche Studien, Bücher und andere Quellen ein. Das bietet einen guten Überblick über feministische Debatten, wirkt stellenweise aber etwas referathaft. Die persönlichen und atmosphärischen Passagen haben mir daher meist besser gefallen. Ihr Schreibstil ist insgesamt klar, anschaulich und angenehm zugänglich. Für mich ist „Urlaub vom Patriarchat“ letztlich ein Abschied von einer vereinfachten Vorstellung des Matriarchats. Gerade weil Oertel keine perfekte Gegenwelt findet, sondern Widersprüche sichtbar macht, regt das Buch zum Nachdenken an. Eine lohnende Lektüre für alle, die sich für feministische und gesellschaftspolitische Fragen interessieren und offen für eine Mischung aus persönlichem Reisebericht und Sachbuch sind.

JulianRezension von Julian

Auf der Suche nach Antworten zum Thema der gesellschaftlichen Fragen reißt die Autorin nach Juchitan, einer Stadt in Mexiko, in der eine matriachale Gesellschaft existieren soll. Dort angekommen, versucht sie zu verstehen, was genau denn jetzt anders sein soll, wo doch auch männlich gelesene Personen die Machtpositionen innehaben. Immer tiefer taucht sie in die dortige Gesellschaft ein und beginnt zu ergründen, dass Gesellschaft eben nicht nur das eine oder das andere ist, sondern sich positive Unterschiede schon auch in erstmal unwichtig interpretierten Dingen zeigen. Die Autorin berichtet in diesem Buch über ihre Zeit, in der sie in Juchitan lebt, wie sie sich langsam ihre Meinung bildet und immer tiefer in die Kultur und Gesellschaft eintaucht. Die Erzählung wird dabei eingerahmt von gesellschaftlicher Theorie, betreffend die Themen Matriarchat und Patriachat in der Geschichte, aktuelle Forschung zu gesellschaftlichen Strukturen und in Auszügen auch zu queerer Forschung. Das Buch ist hierbei flüssig zu lesen, die Erzählungen sind kurzweilig und schön beschrieben. Die eingebaute Forschung ist zwar sehr umfangreich, aber geht nicht in dir Tiefen der Thematik rein, was aber dem Fluss des Buches sehr gelegen kommt. Ich würde das Buch Menschen empfehlen, die erste Berührungspunkte mit dem Thema geschlechtlicher Gesellschaften suchen oder selber versuchen, ihre ersten Gedanken zu dem Thema zu sortieren.

RobinRezension von Robin

Pro: – Mischung aus Reisebericht, Analyse unserer Gesellschaft und Reflexion persönlicher Erfahrungen – Einblick in das Leben verschiedener Menschen aus Juchitán mit historischen und kulturellen Kontexten – umfassend recherchiert – Autorin reflektiert ihren privilegierten, weißen, europäischen Blickwinkel – besonders spannend: Dualismen, wie z.B. die gleichzeitige gesellschaftliche Akzeptanz und Diskriminierung der Muxe (drittes Geschlecht) Contra: – stellenweise etwas langatmig – fehlende Triggerwarnung trotz Themen wie sexualisierte Gewalt, Tod und Essstörung

Chris_tina_84Rezension von Chris_tina_84

Gute Einführung in aktuelle feministische Themen und ihre Zusammenhänge eingebettet in die Geschichte einer Reise. Gut geschrieben, aber nichts Neues oder überraschendes

Ähnliche Bücher