4.0

Die juristische Unschärfe einer Ehe

von Olga Grjasnowa

Format:Hardcover

Leyla wollte immer nur eins: Tanzen. Doch nach einem Unfall muss sie das Bolschoi-Theater in Moskau verlassen. Altay ist Psychiater. Nachdem sich seine große Liebe umgebracht hat, lässt er keinen Mann mehr an sich heran. Altay und Leyla führen eine Scheinehe, um ihre Familien ruhig zu stellen. Als die beiden mit Mitte zwanzig in Berlin von vorne anfangen, tritt Jonoun in ihr Leben. Olga Grjasnowa erzählt von zwei Frauen und einem Mann, die von der Liebe träumen, aber auch nicht wissen, wie man mit der Liebe lebt. Eine rasante Dreiecksgeschichte und ein ungeheuer direkt erzählter Roman über Glück und Unglück in einer Zeit, da alles möglich scheint.

Literary & Contemporary Fiction
Hardcover
Erschienen an: August 25, 2014

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Aktuelle Rezensionen(2)

4.0(16 ratings)
ArminRezension von Armin

TW/CN: Misogynie, Homofeindlichkeit (S-Wort), Transfeindlichkeit (T-Wort), Rassismus, häusliche Gewalt   „Womit sie nicht gerechnet hatte, war, dass das Ballett ihr fehlen würde. Nicht wie ein Mensch, nach dem man sich sehnt, sondern wie eine Droge, die dem Körper plötzlich entzogen wird, und Leila hatte ein ausgeprägtes sucht Gedächtnis. Wenn ihr eine Bewegung besonders gut gelang, wurde sie high.“   Es ist so: Ein mieser Unfall kostete Leyla, eine erfolgreiche Balletttänzerin am Moskauer Bolschoi-Theater, die Karriere. Mit ihrem Mann Altay, Psychiater, führt sie eine Scheinehe, um beide Familien stillen zu können. Denn Leyla und Altay fühlen sich zum gleichen Geschlecht hingezogen. Trotzdem pflegen die beiden eine enge Beziehung miteinander. Sie ziehen nach Berlin und Jonoun stellt deren komplettes Leben um. Jonoun ist Kellnerin, angehende Künstlerin und zudem ist sie die uneheliche Tochter eines Rabbiners und Enkelin eines Kantors. Und liebt Leyla. Ahnungslos entscheiden sie sich trotz aller Freiheiten für ein kompliziertes Beziehungsmodell zu dritt. Als es in ihrer Dreiecksgeschichte kippt, reisen sie „in den wilden Kaukasus“.   Eigentlich geht es im Roman um nicht viel und doch irgendwie um alles. Ihr zweiter Roman „Die juristische Unschärfe einer Ehe“ erzählt die Autorin Olga Grjasnowa eine melancholische Geschichte von drei Menschen. Jounon zieht schnell in die Wohnung von Leyla und Altay ein und führen eine Art polyamoröse Beziehung. Trotz der Scheinehe scheint Altay doch Gefühle für Leyla zu haben. Beide sind in Leyla verliebt und Leyla aber in ihrer Karriere. Als sie in Berlin einen weiteren Unfall erlebte, hat sie ihre Ballettschuhe an die Wand genagelt und reist nach Baku. Nach einem illegalen Autorennen muss sie ins Gefängnis und wird auf einer grauenhaften Art misshandelt.   Raffiniert und mit einer wahnsinnig tollem Schreibstil schreibt Olga ein Buch über eine vermeintliche Freiheit der Beziehungsmodelle. Vielleicht wird nicht jeder Person die klischeehaften Hintergründe der Protagonist_innen gefallen, aber faszinierend erweckt die Autorin die Figuren so zum Leben. Für mich ganz klar kritisiert Olga die deutsche Gesellschaftskultur als die beiden von Moskau nach Berlin ziehen. Mich hat das Buch echt beschäftigt. Nicht inhaltlich, sondern eher von der Erzählweise. Grjasnowa benutzt genau die passenden Adjektive um Räume, Situationen und Personen zu beschreiben. Die Geschichte bot – mir zumindest – ein ständiges Kopfkino. Lest es selbst!   „Schade, dass die Deutschen ihre Kinder nicht auf die Straße ließen, womöglich wäre dann das Land etwas freundlicher, dachte Alter und erinnerte sich im selben Augenblick daran, dass die Deutschen ihre Kinder überall krabbeln ließen, selbst neben öffentlichen Toiletten.“

CharRezension von Char

Ich merke, ich lese sehr gerne von osteuropäischen Autor:innen über Länder wie Georgien, Aserbaidschan etc. da ich einfach sehr wenig darüber weiß. Das Buch fasst viel “Alltäglichkeit” ein, und man kann sich sehr viel von dem vorstellen, was sie beschreibt. Von den drei Hauptcharakteren mochte ich nur Altay, wobei ich auch da nicht wirklich das Gefühl hatte, ihn zu verstehen oder kennenzulernen. Bei den zwei Frauen fehlte mir irgendwie jegliche Tiefe der Geschichte und sie waren mehr ein Nebeneffekt der Erzählung, was womöglich auch an dem Schreibstil lag. Es war gut zu lesen, aber unspektakulär.

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