4.4

Das Lieben danach

von Helene Bracht

Format:Hardcover
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„Dieses Buch zu lesen ist eine radikale Erfahrung. Ein leuchtender Text über zerbrechenden Schmerz und die Schönheit der Selbstversöhnung“, so Gabriele von Arnim. Dieses Buch bricht die Scham Was für eine Entdeckung – es braucht ein ganzes Leben, um einen solchen Text zu schreiben. „Die Geschichte erschien mir viele Jahre lang gänzlich unerheblich.“ Von diesem Satz aus erzählt die heute siebzigjährige Helene Bracht von einer über Jahrzehnte verschütteten Erfahrung, die sie mit sehr vielen Frauen und vielen Männern teilt: der, dass es auf dem Lebensweg mit der Liebe und der Sexualität nicht nur gut und einvernehmlich zuging. Wie liebt und begehrt man, wenn Verletzendes verborgen hinter einem liegt? Wie lebt und liebt man immer weiter? Fulminant ein Tabu brechend und dabei einzigartig gewitzt und souverän erzählt dieser Text vom Missbrauch – und seinen Grenzen. Diese Bilanz wird Denkweisen verändern und vielen Menschen viel bedeuten.

Biography & Memoir
Hardcover
Erschienen an: February 18, 2025

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Aktuelle Rezensionen(5)

4.4(14 ratings)
Christian Steinberger Rezension von Christian Steinberger

Was für ein mutiges und großartig konstruiertes Buch, das sich einer eindeutigen Genre-Zuordnung entzieht. Ist es ein Essay? Irgendwie ja, weil die Autorin einen Spaziergang durch Themen unternimmt, die mit der Entwicklung der (weiblichen) Sexualität, der maskulinen Sexualität, Missbrauch und seinen Auswirkungen zu tun haben, auf Fachliteratur referiert und immer wieder zu bereits aufgegriffenen Inhalten zurückkehrt. Gleichzeitig ist der Name der Autorin ein Pseudonym, die Erzählerin sitzt zu Beginn des Buches allein in einem Zimmer eines Resort-Hotels und schaut auf die Gesellschaft hinab, nutzt ihre Rolle als Beobachterin als Einstieg, gestaltet sprachlich klar, eindringlich, manchmal lakonisch, parataxenhaft, wo ein gewisser Nachdruck gut tut. Die Lektüre verstört, tut weh, ist unangenehm und bietet so viele Ansatz- und Diskussionspunkte, Querverweise und Rekurse, dass der Leseeindruck noch lange nachhallt. Die Autorin berichtet von ihren ersten Erfahrungen mit Sexualität im Kindesalter, zu denen auch Missbrauchserfahrungen durch den Freund einer Familie gehören. Diese Szenen werden aus einer kindlichen, fast schon naiven Perspektive erzählt und sind dadurch umso furchtbarer. Sie erzählt, wie diese Übergriffe ihr weiteres Leben geprägt haben, die eigene Suche nach sexueller Emanzipation ist Anlass einer Reflexion über die Entwicklung der weiblichen Sexualität in der BRD in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Sie erzählt aber auch, wie sie mit dieser Erfahrung leben und, mit Höhen und Tiefen, auch lieben gelernt hat und zeigt, wie sie nun, in hohem Alter, auf diese Entwicklung zurückblickt. Ein Buch, das einen unglaublich anpackt und beschäftigt, schockiert und gleichzeitig überrascht, weil für Schreckliches, Offenkundiges und politisch Bedeutsames in einer beeindruckenden Klarheit die richtigen Worte gefunden werden. Ein Buch, das auch Männer lesen sollten, weil auch wichtige Fragen zu Patriarchat und toxischer Männlichkeit verhandelt werden. Nur so kann sich "Das Lieben danach" im gesellschaftlichen Diskurs einen Platz verschaffen.

ArminRezension von Armin

„Und natürlich (…) ist auch der Begriff Missbrauch so scheußlich wie falsch, denn sein gegen Konzept wäre ein regelkonformer Gebrauch von Menschen, namentlich Kindern, was die begriffliche Schieflage um zweifelhaft offenbart. Wieso oft kommt Sprache auch Herz? Täter Sprache daher. Kurz um, es gibt keinen Namen, der halbwegs angemessen die Dimension der Grenzverletzung fassen kann, um die es geht.“   Das Lieben danach von Helene Bracht ist ein besonderes Buch. Die Autorin schreibt sehr schön und fast poetisch. Sie erzählt nicht nur eine Geschichte, sondern beschreibt, wie sich etwas wirklich anfühlt. Beim Lesen merkt man, dass man sich in ihren Worten wiederfinden kann, als würde sie Räume öffnen, in denen auch andere Menschen ihre eigenen Gefühle entdecken können.   Im Mittelpunkt stehen zwei große Schmerzen: Die Hauptfigur erlebt Missbrauch und das Schweigen der Eltern. Das Schweigen macht alles noch schlimmer und führt dazu, dass sie sich sehr einsam fühlt. Besonders stark ist die Stelle, an der die Welt ihr einredet: „Du bist etwas Besonderes.“ Eigentlich klingt das schön, aber im Buch wird klar, dass diese Worte auch verletzen und einsam machen können.   Ein wichtiger Gedanke im Buch ist, was innere Freiheit bedeutet. Für die Hauptfigur heißt das, sich zugehörig zu fühlen, aber auch allein sein zu können, und trotzdem mit anderen verbunden zu bleiben. Ein Satz, der mir besonders in Erinnerung geblieben ist, den die Autorin in einem Interview sagt: „Mit meinem Einverständnis, aber ohne mein Wollen.“ Das beschreibt sehr gut, wie hilflos sich die Hauptfigur fühlt, sie stimmt zu, obwohl sie es eigentlich nicht will.   Der Stil von Helene Bracht erinnert ein bisschen an Annie Ernaux, aber ihre Sprache ist noch weicher und schöner. Das Buch ist nicht leicht zu lesen, weil es um schwere Themen geht. Aber es lohnt sich, weil es ehrlich und berührend ist und zeigt, wie schwer es sein kann, nach schlimmen Erfahrungen wieder zu sich selbst zu finden.   Das Lieben danach ist ein Buch, das zum Nachdenken anregt und lange im Kopf bleibt. Wer Geschichten mag, die Gefühle und Gedanken in schöne Worte fassen, sollte es unbedingt lesen.

LauraRezension von Laura

AnnaRezension von Anna

„Das Lieben danach“ ist ein beeindruckendes Buch, das sich auf eindrucksvolle und tiefgründige Weise mit einem sehr ernsten Thema auseinandersetzt. Schon das Cover, welches eine blumige Leichtigkeit ausstrahlt, steht im Kontrast zu dem schweren Inhalt, der autobiografische Elemente mit einer fiktionalen Erzählweise verknüpft. Das Buch erzählt von einer Frau, die im Nachkriegsdeutschland sexuell missbraucht wurde und wie diese traumatischen Erlebnisse ihre späteren Beziehungen und ihr Verständnis von Liebe geprägt haben. Die Autorin zeigt auf ehrliche und mutige Weise, wie sie als erwachsene Frau langsam die Verbindungen zwischen ihrer Kindheit und ihren späteren Beziehungsmustern erkennt. Besonders eindrucksvoll ist der Schreibstil, der ruhig und sachlich bleibt, auch wenn die Schilderungen sehr emotional und oft verstörend sind. Die Sprache ist klar und direkt, ohne jemals reißerisch zu wirken. Trotzdem hat die Sachlichkeit manchmal eine distanzierende Wirkung, die es dem Leser erschwert, voll in die emotionalen Tiefen der Geschichte einzutauchen. Man merkt der Autorin ihre psychologische Fachkompetenz an, was die nüchterne Herangehensweise erklärt, aber gleichzeitig auch etwas an Empörung oder emotionaler Aufwühlung vermissen lässt. Die Figuren sind authentisch gezeichnet, vor allem die Protagonistin, deren innere Zerrissenheit und das Streben nach Heilung nachvollziehbar beschrieben werden. Die langsame Aufarbeitung der Vergangenheit ist ein zentrales Thema, das auf verschiedene Arten – durch Selbstreflexion, aber auch durch Konfrontation mit alten Mustern – beleuchtet wird. Besonders positiv ist, dass das Buch den Leser dazu einlädt, über eigene Beziehungsmuster nachzudenken und sich mit dem Einfluss von vergangenen Erlebnissen auf das eigene Leben auseinanderzusetzen. Allerdings gibt es einige Längen, in denen die Handlung durch die sehr ausführliche Reflexion etwas ins Stocken gerät. Diese Passagen erfordern Geduld und ziehen den Lesefluss etwas in die Länge. Doch trotz dieser kleinen Schwächen ist „Das Lieben danach“ ein mutiges und kraftvolles Werk, das sich mit einer sehr persönlichen und gleichzeitig universellen Thematik beschäftigt. Für Leser, die sich mit psychologischen Prozessen, Traumabewältigung und der komplexen Natur menschlicher Beziehungen auseinandersetzen wollen, ist dieses Buch absolut empfehlenswert. Es ist keine leichte Lektüre, aber eine, die tief berührt und nachdenklich macht. Ein Werk, das vor allem durch seine Ehrlichkeit und Tiefe überzeugt – vier von fünf Sternen.

LorenaRezension von Lorena

Die Autorin erzählt von sexuellem Missbrauch im Kindesalter durch eine ihr nahestehende Person. Etwas, das sie erst sehr spät in ihrem Leben für sich selbst erkannt hat. Das Buch geht sehr ehrlich und schonungslos mit den Themen Trauma, Trauer und Heilung um. Aber auch mit der Frage, ob und wie man nach so einem Schicksal wieder lieben kann. Ich habe es als Hörbuch gehört und kann es definitiv weiterempfehlen.

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