Das junge Kairo
von Nagib Machfus
Der ambitionierte Student Machgub lässt sich auf einen faustischen Pakt mit unabsehbaren Folgen ein: Er heiratet eine Frau, die ihre Unschuld verloren hat, zur Rettung ihrer Ehre – ohne seine Braut vorher gesehen zu haben. Im Gegenzug erhält Machgub eine Position in einem Ministerium. Doch er hat die Rechnung ohne den Geliebten gemacht …
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Das junge Kairo
von Nagib Machfus
Der ambitionierte Student Machgub lässt sich auf einen faustischen Pakt mit unabsehbaren Folgen ein: Er heiratet eine Frau, die ihre Unschuld verloren hat, zur Rettung ihrer Ehre – ohne seine Braut vorher gesehen zu haben. Im Gegenzug erhält Machgub eine Position in einem Ministerium. Doch er hat die Rechnung ohne den Geliebten gemacht …
Aktuelle Rezensionen(1)
Kann sich ein hungernder Mensch noch Moral und Ehre leisten? Das junge Kairo ist ein sozialkritischer Roman des ägyptischen Nobelpreisträgers Nagib Machfus. Eindrücklich beschreibt Machfus die Zerrissenheit seines Volkes in den 30er Jahren und legt dabei schonungslos offen wie Korruption eine ganze Gesellschaft in den Hungertod treibt und wie doppelzüngig doch Moral und Ehre sein kann. Fragen wir uns also beim Lesen "Wie würden wir handeln, wenn wir verhungern müssten?" Stellen wir uns vor: Wir sind gerade fertig mit unserem Studium, da geraten unsere Eltern in finanzielle Nöte, vom Staat bekommen wir keine Unterstützung. Wir sind ein junger Mann und nun verantwortlich, die gesamte Familie zu ernähren. Arbeit und Bezahlung gibt es in unserem Land jedoch nur über Beziehungen, wer die nicht hat, landet am Bettelstab. Seit Tagen haben wir nichts mehr zu essen, wir hungern, wir haben Schmerzen, wir werden sterben. Ein Ausweg: Wir können eine gefallene Frau, die wir vorher nicht gesehen haben, heiraten und bekommen dafür eine Anstellung im Ministerium. Zusätzliche Bedingung: der reiche Liebhaber der Frau hat wöchentlich ein Besuchsrecht. Fragen wir uns: Ist das Eingehen dieser Ehe moralisch richtig? Sind die Umstände zu dieser Ehe moralisch richtig? Stellen wir uns weiter vor: Wir sind eine junge hübsche Frau. Ein reicher, schöner Mann wirft ein Auge auf uns. Seinen Avancen halten wir stand. Da sagen unsere Eltern: gib dich dem Mann hin, er will dich heiraten. Wir haben Hunger, du bist für die Familie verantwortlich. Um die Familie vor dem Bettelstab zu schützen, machen wir das. Der reiche Mann heiratet uns jedoch nicht. Nun sind wir eine gefallene Frau, wir haben Schande über uns und unsere Familie gebracht. Alle müssen hungern und werden sterben. Einziger Ausweg: wir müssen einen Fremden heiraten und unserem reichen Mann wöchentlich das Umgangsrecht mit uns gewähren. Dafür bekommt unser zukünftiger Mann ein gutes Gehalt mit einer Anstellung im Ministerium. Und wieder fragen wir uns? Was ist moralisch richtig? Die Leute zeigen mit dem Finger auf uns, eine gefallene Frau, die die Familie in Schande gebracht hat. Und was tun wir, Mann und Frau gemeinsam, um uns vor dem Bettelstab zu schützen? Wir logieren in den höchsten Kreisen der Gesellschaft, wir leben in Saus und Braus, wir wahren den Schein, wir können uns keine Moral und Ehre leisten, denn wir sind abhängig von der Gunst anderer. Ist das, was wir unseren Mitmenschen dabei antun moralisch richtig, ist das System moralisch richtig? Das junge Kairo - ein Buch, das definitiv zum Nachdenken anregt; ein Buch, das wütend macht; ein Buch, das uns nach Gerechtigkeit schreien lässt. Und wer bei diesem Buch mit dem Finger auf eine für uns Europäer fremde Welt zeigt, sollte darüber nachdenken, dass diese Zustände auch bei uns herrschten. Erst mit dem Einsetzen der Moderne wurden wir zu einer Leistungsgesellschaft, in der Qualifikationen mehr wert als Seilschaften haben. Das junge Kairo spielt in den 30er Jahren, einer Zeit des Umbruchs, einer Zeit, in dem Traditionalisten den Sozialisten und Reformern sowie den Befürwortern und Gegnern der westeuropäischen Dekadenz gegenüber stehen. Und trotzdem - ist nicht einiges davon noch immer aktuell? Und fragen wir uns ganz zum Schluß bitte, tragen wir Europäer nicht sogar ein wenig Schuld an den Umständen, die in diesen Ländern wie Ägypten moralisch so verwerflich sind? Wer in eine fremde Welt eintauchen möchte, wer den Orient ein wenig kennenlernen möchte, wer sich anderen Kulturen öffnen möchte, wer über den Tellerrand hinaus schauen möchte - der ist bei Das junge Kairo genau richtig.