By Manfred Görtemaker

Als das Bundesministerium der Justiz 1949 seine Arbeit aufnahm, kam es zu ganz erheblichen personellen und politischen Verflechtungen mit dem "Dritten Reich“. Dass Juristen, die eine stark belastete NS-Vergangenheit hatten, in der Behörde Dienst taten, wurde nicht als problematisch empfunden. Dieses grundlegende Werk zeigt, wer alles im Ministerium unterkam und welchen Einfluss das auf die Rechtspraxis hatte – nicht zuletzt bei der Strafverfolgung von NS-Tätern. Die "Rosenburg" in Bonn war von der Gründung der Bundesrepublik bis 1973 der Sitz des Bundesministeriums der Justiz. 2012 setzte das Ministerium eine Unabhängige Wissenschaftliche Kommission ein, die den Umgang der Behörde mit der NS-Vergangenheit in den Anfangsjahren der Bundesrepublik erforschen sollte. Zu diesem Zweck erhielt die Kommission uneingeschränkten Aktenzugang. Dieses Buch präsentiert ihre Ergebnisse. Zum "Geist der Rosenburg", so zeigt die Studie, trugen maßgeblich Beamte und Mitarbeiter bei, die zuvor im Reichsjustizministerium, bei Sondergerichten und als Wehrrichter tätig gewesen waren. Ihre Karrieren vor und nach 1945 zeichnet die Kommission ebenso nach wie die Belastungen, die dies für das Ministerium und den Inhalt seiner Politik darstellte. So wird unter anderem gezeigt, welche zentrale Rolle das Ministerium spielte, als 1968 Zehntausende von Strafverfahren gegen NS-Täter eingestellt wurden.

By Maren Gottschalk

Als Widerstandskämpferin und Mitglied der »Weißen Rose« wurde Sophie Scholl (1921-1943) zum Mythos. Ihr Mut und ihre Unerschrockenheit sind umso erstaunlicher, als sie noch wenige Jahre vorher eine begeisterte HJ-Führerin war. Neue Quellen zeigen, dass das Mädchen Sophie Scholl eine viel kompliziertere und spannendere Persönlichkeit war als bisher bekannt. Nach 1933 ging ein Riss durch die Familie Scholl: Während die Eltern in Hitler einen gefährlichen »Rattenfänger« sahen, ließen sich die Scholl-Kinder faszinieren von HJ und BDM. Doch Sophie Scholl glaubte auch an Freiheit und Nächstenliebe und fühlte sich immer mehr abgestoßen von der Menschenverachtung des NS-Regimes. Über ihren Freund, den jungen Offizier Fritz Hartnagel, mit dem sie eine innige, aber schwierige Liebesbeziehung verband, erfuhr sie die grausame Wahrheit über den Ostfeldzug. Kurz bevor sie am 18. Februar 1943 zusammen mit ihrem Bruder Hans in der Münchner Universität die Flugblätter der Weißen Rose verteilte und dabei verhaftet wurde, sagte sie: »Es fallen so viele Menschen für das Regime, es ist an der Zeit, dass jemand dagegen fällt.« Mit 21 Jahren wurde Sophie Scholl hingerichtet. Ein vielschichtiges Porträt, das Sophie Scholl zum Leben erweckt, gerade indem es sie nicht nur auf die »Widerstandskämpferin« reduziert. Maren Gottschalk hat dafür viele Zeitdokumente, auch bisher nicht zugängliche Briefe und Tagebücher ausgewertet. Persönlichen Gesprächen mit Sophies Schwester Elisabeth Hartnagel verdankt sie wertvolle neue Informationen.

By Alois Prinz

Warum wird ein Mensch zum Terroristen? Um die Gesellschaft mit aller Gewalt zu verändern? Weil ihm die Aktionen, auch das Töten, einen Kick verschaffen? Weil er ein skrupelloser Wirrkopf ist -- oder im Gegenteil hoch intelligent und sozial eingestellt?Einfache Antworten gibt es da kaum, erst recht nicht im Fall Ulrike Meinhof (1934-1976). Selbst der Autor steht im letzten Kapitel an ihrem Grab und hat "das Gefühl, als ob sie immer undeutlicher wird". Dabei hat er doch eine Menge Fakten und Geschichten über die Mitbegründerin der RAF zusammengetragen -- und zwar in einer nüchternen, klaren Sprache. Trotzdem geht es nicht ganz ohne Lexikon und an einigen Stellen wird es auch ziemlich philosophisch.Man muss aber gar nicht alles verstehen, um hier auf spannende Weise viel über die Geschichte der Bundesrepublik Deutschland und den Menschen Meinhof zu lernen. Vor ihrem "Sprung in ein anderes Leben" war sie eine fürsorgliche Mutter und angesehene Journalistin, die sich besonders für Schwache und Benachteiligte einsetzte. Deren Schicksal ging ihr offensichtlich so nahe, dass sie die Dinge immer öfter schwarz-weiß sah, sehen wollte: gute Arbeiter gegen böse Unternehmer, aufrechte Demonstranten gegen "Bullenschweine", tapfere Untergrundkämpfer gegen eine faschistische Pseudo-Demokratie.Prinz ist -- fast schon zu sehr -- darum bemüht, das alles zu verstehen und zu erklären, ohne den Lesern bestimmte Sichtweisen aufzudrängen. So gründlich und plastisch er Meinhofs Entwicklung vom kindlichen "Engel" zum "Killer-Girl" nachzeichnet -- an einigen Stellen hätte er sie ruhig noch schärfer ins Visier nehmen können, zum Beispiel wenn sie in einem Brief aus dem Gefängnis plötzlich von ihren "Auschwitzphantasien" spricht.Besser geht es immer, aber so gut muss man ihn erst einmal hinbekommen, den Lebensbericht der vielleicht meistgehassten Frau der deutschen Geschichte, die für andere wiederum eine Symbolfigur im Kampf um eine bessere Welt war. Anspruchsvolles Lese- und Denkfutter für Erwachsene ab 14. --Patrick Fischer

By Stanislav Zámečník

Endlich eine vollständige, wissenschaftliche Darstellung der Geschichte des Konzentrationslagers Dachau, das am 22. März 1933, zwei Monate nach der Machtübernahme Adolf Hitlers, eröffnet wurde. Dieses Instrument des Terrors wurde zum Vorbild des nationalsozialistischen Vernichtungsregimes. Das Buch stellt die Entwicklung des Lagers in drei Zeitabschnitten dar: Die erste Phase beginnt 1933 mit der Internierung politischer Gegner und der Konsolidierung des NS-Regimes bis hin zum Kriegsbeginn. Es folgt die zweite Phase: die Zunahme der Häftlingszahlen aus den besetzten Gebieten und die damit einhergehende Internationalisierung nach den militärischen Erfolgen Nazi-Deutschlands; und schließlich Phase drei: die militärische Wende 1941/42 mit der systematischen physischen Ausbeutung der Häftlinge in der deutschen Kriegswirtschaft. Durch den zurückhaltenden, präzisen Stil des Autors, der persönliche Erinnerungen mit der wissenschaftlichen Distanz des Forschers verbindet, erfahren die Lesenden die vielen Facetten des Lagers: die von der SS aufgebaute und kontrollierte hierarchische Struktur, die Häftlingskategorien, den Lageralltag, die willkürliche und eskalierende Gewalt, die Selektionen, die medizinischen Experimente und die Rolle der SS-Ärzte, die gezielte und programmierte Vernichtung, die Evakuierung des Lagers, die Typhusepidemie und die Befreiung. Stanislav Zámečník vergleicht und verweist auf viele Quellen, auf Augenzeugenberichte und entkräftet Legenden, analysiert die Solidarität unter den Häftlingen und den Widerstand im Lager, befasst sich mit der Frage der Dachauer Gaskammer und liefert neue Daten zur Zahl der Todesopfer. „Das war Dachau“ ist ein Nachschlagewerk, das dem Leser die tragische Odyssee des Häftlings durch die Welt des nationalsozialistischen Konzentrationslagers näherbringt.

By Andreas Kossert

Der Autor erzählt über das Leben, die Hoffnungen und über die Ängste der Menschen in den Jahren vor und während des 2. Weltkrieges. Begleitbuch zur ARD-Serie.

By Rüdiger Frank

Tiefe Einblicke in ein verstörendes LandNordkorea ist das isolierteste Land der Erde. Wenige Nachrichten dringen aus dem vom Kim-Clan diktatorisch regierten Staat nach außen, und wenn, dann sind es meist Nahrungsmittelknappheit, Menschenrechtsverletzungen, brutale Straflager, Atomwaffenversuche, Waffenhandel, Streit mit Südkorea. Die völlige ideologische Gleichschaltung wird von der Bevölkerung augenscheinlich klaglos hingenommen. Rüdiger Frank ist weltweit einer der wenigen Kenner Nordkoreas, seit vielen Jahren besucht er das Land regelmäßig. Er beschreibt die Machtstrukturen und die wirtschaftlichen Verhältnisse, das Geschichtsverständnis und den Alltag. Aus seiner langen Erfahrung berichtet er aber auch von den Veränderungen, die er in den letzten Jahren beobachten konnte, und versucht eine für uns unbegreifliche Gesellschaft ein wenig begreiflicher zu machen.

By Ulla Fröhling

Missbrauch, Elektroschocks, Zwangsarbeit und Psychofolter - Alltag in der deutschen Auswanderersekte "Colonia Dignidad" in Chile. Sektenführer Paul Schäfer hatte unter dem Deckmantel bayrischer Idylle ein perfides Schreckensregime errichtet. Liebe war darin ein Fremdwort. Dennoch gab es sie. Heimlich. Gudrun und Wolfgang Müller, deren Liebesgeschichte dieses Buch erzählt, haben fast fünfzig Jahre Gehirnwäsche und Folter überlebt. Dann erfuhren sie die bittere Wahrheit über Paul Schäfer und zogen die einzige Konsequenz, die ihnen richtig schien: Sie verließen ihr mit Stacheldraht abgeriegeltes Gefängnis in Chile, das sie fast ihr ganzes Leben als Heimat betrachtet hatten ...

By Gunter Hofmann

The book describes the often difficult relationship between the two German chancellors Helmut Schmidt and Willy Brand.Gunter Hofmann, langjähriger Chefkorrespondent der "ZEIT", schildert die faszinierende Beziehung zwischen zwei berühmten Deutschen, die gegensätzlicher kaum hätten sein können. Seine intime Kenntnis der Akteure und Ereignisse, sein feines Gespür für die seelischen Konstellationen und nicht zuletzt sein glänzender Stil machen dieses Buch über zwei Weggefährten, Kanzler und Rivalen zu einer spannenden Lektüre.Der eine war im Exil gegen Hitler, der andere Wehrmachtssoldat. Der eine war Minderheitsdeutscher, der andere stand für die Mehrheit: Wenig passte zusammen in diesen Leben von Willy Brandt und Helmut Schmidt. Und dennoch, sie fanden einen Grundkonsens, der erst im hochdramatischen Streit um die "Nachrüstung" erschüttert wurde. Vielleicht gerade weil ihre Freundschaft so schwierig war, wurden zwei derart außergewöhnliche Kanzlerschaften daraus.

By Peter Wensierski

Wenn Menschen ihre Angst verlieren, können sie Unglaubliches bewegenSie sind jung, sie sind frech, sie verweigern sich dem System und fordern den Staat heraus. Sie wollen sich nicht mehr anpassen. Sie wohnen gemeinsam in Abrisshäusern, planen in langen Nächten am See ihre nächsten Aktionen, drucken heimlich Flugblätter, feiern in ihrer illegalen Nachtbar, bis der Morgen anbricht, und demonstrieren am Tag in der ersten Reihe. Sie werden verfolgt, aber mit jeder neuen Aktion verlieren sie ein Stückchen mehr Angst und die Diktatur an Kraft. Deutschland erlebt von Leipzig aus zum ersten Mal in der Geschichte eine gelungene Revolution.Die wahre Geschichte einer ungewöhnlichen Gruppe junger Leute, die einen Kampf führen, den andere für aussichtslos halten. Und die spannend zu lesende Nahaufnahme eines wichtigen Augenblicks der deutschen Geschichte.Ausstattung: mit Abbildungen

By Roman Deininger, Uwe Ritzer

Raus aus den Schatten der NS-Zeit, den Wiederaufbau geschafft - 1972 reißt Deutschland die Fenster auf. Es herrscht Aufbruchsstimmung und die Olympischen Spiele sollen der Welt das neue, lässige Deutschland zeigen. Als ein Fest der Demokratie, als Gegenentwurf zur martialischen Propaganda 1936 in Berlin.Unter dem verwegenen Zeltdach verkörpern Mark Spitz, die junge Gold-Springerin Ulrike Meyfarth und die Sprinterin Heide Rosendahl mitten im Kalten Krieg den Traum vom friedlichen Miteinander. Doch dann setzt palästinensischer Terror alledem ein grausames Ende.Die preisgekrönten Journalisten Ritzer und Deininger erzählen eine große Geschichte, die beinahe 100 Jahre umfasst und sich in den beiden Wochen der Olympischen Spiele verdichtet.