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By Thomas Hettche
Ein zwölfjähriges Mädchen gerät nach einer Vorstellung der Augsburger Puppenkiste durch eine verborgene Tür auf einen märchenhaften Dachboden, auf dem viele Freunde warten: die Prinzessin Li Si, Kater Mikesch, Lukas, der Lokomotivführer. Vor allem aber begegnet sie der Frau, die all diese Marionetten geschnitzt hat und nun ihre Geschichte erzählt. Es ist die Geschichte eines einmaligen Theaters und der Familie, die es gegründet und berühmt gemacht hat. Sie beginnt im 2. Weltkrieg, als der Augsburger Schauspieler Walter Oehmichen in der Gefangenschaft einen Puppenschnitzer kennenlernt und für die eigene Familie ein Marionettentheater baut. In der Bombennacht 1944 verbrennt es zu Schutt und Asche. Nach dem Krieg ist es Walters Tochter Hatü, die tatkräftig das Theater wiederauferstehen lässt, Generationen von Kindern sind mit ihren Marionetten und der Augsburger Puppenkiste aufgewachsen. Ausstattung: durchgehend mehrfarbig
By Mickaël Brun-Arnaud
"Demenz ist eine grausame Krankheit – dieses zauberhafte Märchen nimmt ihr ein wenig den Schrecken und weckt Verständnis." - Beate Schräder, Westfälische Nachrichten
By Manfred Allner
Text, Materialien und weitere ausgewählte Erzählungen und Gedichte.Weitere Kurzgeschichten: An diesem Dienstag - Nachts schlafen die Ratten doch - Die Küchenuhr - Das Brot - Die drei dunklen Könige - Eine Geschichte nach einer Geschichte: Demet Catalyürek: Der Schallplattenspieler.Ausgewählte Gedichte: Ich möchte Leuchtturm sein - Laternentraum - In Hamburg - Legende - Versuch es - Brief aus Russland - Nachts - Liebesgedicht. Zu dieser Textausgabe ist folgendes Unterrichtsmodell aus der Reihe EinFach Deutsch erschienen: Wolfgang Borchert: Draußen vor der Tür. ISBN 978-3-14-022340-9
By Heimito Doderer
"Die Dämonen" ist einer der bedeutendsten Großstadtromane dieses Jahrhunderts. Gestalten des Wiener Großbürgertums und des Adels, Arbeiter und Intellektuelle, aber auch Typen der Halb- und Unterwelt sind zu einem schillernden gesellschaftlichen Gewebe verflochten. Hinter dem eleganten Charme der Fünfuhrtees und Tennisturniere werden Unsicherheit, politische Fragwürdigkeiten und sexuelle Ausschweifung sichtbar. Die Handlung läuft von Anfang an auf den Brand des Wiener Justizpalastes am 15. Juli 1927 zu, den Doderer als "Cannae der österreichischen Freiheit" begreift: Im Verlauf der Auseinandersetzungen zwischen "Frontkämpfern" und Republikanischem Schutzbund waren mehrere Arbeiter umgebracht worden. Nach dem Freispruch der Mörder durch die Justiz brachen Arbeiterunruhen aus, die von der Polizei blutig niedergeschlagen wurden. Obwohl die Schicksale der Figuren meist nur indirekt mit diesem historischen Ereignis verknüpft sind, gehört es zu Doderers kunstvoller Komposition, daß sich zahlreiche ihrer Lebensprobleme an diesem Tag klären.
By Anton Cechov
Ein alter Professor erkennt, wie sein Leben entschwindet in alltäglicher Kläglichkeit - hilflos und resigniert sieht er dem eigenen Scheitern zu.
By Hans Traxler
Noch im 17. Jahrhundert war der größte Teil Deutschlands von so dichtem Wald bedeckt, daß ein Geschichtsschreiber sagen konnte, ein Eichhörnchen, das in Magdeburg auf einen Baum klettere, könne bis an den Bodensee gelangen, ohne den Fuß einmal auf den Erdboden zu setzen. Hier nach den Resten des Hexenhauses suchen hieße eine Nadel im Heuhaufen suchen. Aber die Geschichte der Ausgrabungen steckt voller Zufälle. Zufällig war auch Georg Ossegg 1945 in den Spessart geraten. Aber als er dann an einem Frühlingsmorgen des Jahres 1962 vor der grünen Mauer der Gemarkung 7 stand, da hatte der Zufall seine Schuldigkeit getan; der nüchterne Geist des Spatenforschers trat an seine Stelle. Am gleichen Abend, es ist der 10. Mai, schreibt er in sein Tagebuch: "Da stand ich also wieder vor dem Hexenwald. Ich war mir nur nicht sicher, daß es der Richtige war. Im hessischen Flurenbuch habe ich 16 verschiedene Hexenwälder gefunden. Wie viele mögen es in ganz Deutschland sein!" Nun lohnt es sich, daß Ossegg seit seiner Schulzeit alles Erdenkliche gesammelt hatte, wenn es nur mit Grimms Märchen in irgendeiner Beziehung stand. So erkannte er auf den ersten Blick etwas, was Tausende von Jägern, Bauern, Holzfällern und Touristen, die diesen Fuhrweg entlanggeschritten waren, nicht gesehen hatten und auch gar nicht gesehen haben konnten. Er schreibt: "Ich war noch keine halbe Stunde unterwegs, da hatte ich auf einmal ein seltsames Gefühl. Mir war, als wäre ich diesen Weg schon einmal gegangen. Dann sah ich es: Das Bild, das mir seit meiner frühesten Kindheit vorgeschwebt hatte." Mit diesem Bild hat es seine eigene Bewandtnis. Es befindet sich in einer frühen Ausgabe der Grimmschen Hausmärchen, die nur einmal aufgelegt wurde und längst vergessen ist. Der märchenbesessene Georg hatte diese Buchausgabe einst von seinem Großvater bekommen und besitzt sie heute noch. Mit einer Intensität, wie sie nur Kindern zu eigen ist, hatte er sich jede der Illustrationen tief eingeprägt. Die Übereinstimmung der Märchenillustration von 1818 und der Landschaft von 1962 durchfuhr ihn wie eine plötzliche Erleuchtung. Die Ähnlichkeit ist tatsächlich verblüffend, wenn auch nicht auf den ersten Blick. Die Zeit hat ihr Werk verrichtet. Die Bäume haben an Umfang und Höhe zugenommen, einige sind unter der Axt gefallen, das Unterholz hat sich verdichtet. Schwerwiegender sind die Ähnlichkeiten: Die Hügellinie am Horizont (sie schimmert heute nur noch schwach durch die Zweige), die gleichgebliebene Flora. Wo Eichen, Fichten und Buchen standen, stehen auch heute noch Eichen, Fichten und Buchen. Samenflug hat nur wenig daran geändert. Ein neuer Gedanke beschäftigte Ossegg: Wenn die Märchenillustration so offensichtlich nach einer Naturstudie entstanden war, und zwar 1818, also zu Lebzeiten der Grimms, dann konnte das bedeuten, daß der Weg von Hänsel und Gretel eine Realität war, der Weg, von dem es im Märchen heißt: "Danach machten sie sich alle zusammen auf den Weg nach dem Wald." Es fehlte nur der Beweis. Aber da war ja die Gegenlichttheorie. Das Kätzchen auf dem Schornstein. Wenn sie stimmte, mußte das Elternhaus am östlichen Ende des Weges zu suchen sein. Übrigens gibt es nur sehr wenige glaubwürdige Abbildungen des Elternhauses. Stets hat das Lebkuchenhaus auf die Zeichner eine größere Faszination ausgeübt, so daß das Elternhaus ins Hintertreffen geriet. Am nächsten Morgen tat Ossegg den ersten Schritt nach Osten. Würde dieser 11. Mai 1962 in die Geschichte der Archäologie eingehen? Um es gleich zu sagen: Es gab einen eindeutigen Beweis und eine große Enttäuschung. Der Weg endete auf freiem Felde. Das Elternhaus steht nicht mehr. Dort, wo es gestanden haben muß, verläuft die neuangelegte Autobahn Frankfurt - Würzburg. Das Gebäude, dessen Vergangenheit niemand kannte, fiel ebenso dem Verkehr zum Opfer wie vorher das bekanntere, wenn auch nicht authentische Wirtshaus im Spessart, das wenige Kilometer östlich davon stand. Aufzeichnungen der Bahnmeisterei Rohrbrunn bestätigten diese Vermutung. Der letzte Besitzer, Georg Scheidthauer, hatte mit der Bundesautobahnverwaltung einen Prozeß geführt, in dem er kraft Gesetzes unterlegen war. Als Entschädigung für "ein Fachwerkhaus mit Scheune sowie einen Garten mit 18 Obstbäumen" hatte er 18760 DM bekommen. Georg Ossegg war an den geographischen Ausgangspunkt der Geschichte von Hänsel und Gretel gelangt. "Nachdem sich die Gegenlichttheorie bereits in einem Punkt als richtig erwiesen hatte, brauchte ich eigentlich nur noch geradeaus so lange nach Westen zu gehen, bis ich auf den Rastplatz im Walde stoßen würde." Gemeint war der Platz, an dem die Eltern zum erstenmal ihre Kinder ausgesetzt hatten. Der Text lautet: "Als sie mitten in den Wald gekommen waren, sprach der Vater: 'Nun sammelt Holz, ihr Kinder, ich will ein Feuer anmachen, damit ihr nicht friert.' Hänsel und Gretel trugen Reisig zusammen, einen kleinen Berg hoch. Das Reisig ward angezündet, und als die Flamme recht hoch brannte, sagte die Frau: 'Nun legt euch ans Feuer, Kinder, und ruht euch aus, wir gehen in den Wald und hauen Holz. Wenn wir fertig sind, kommen wir wieder und holen euch ab.'" Nun erhob sich die Frage, in welcher Entfernung vom Elternhaus der Rastplatz zu suchen sei. Im Text heißt es: " ... wir wollen ... die Kinder hinaus in den Wald führen, wo er am dicksten ist: da machen wir ihnen ein Feuer an ... !" Das ist natürlich barer Unsinn. Kein Holzhacker würde eine Feuerstelle im Walde anlegen, "wo er am dicksten ist". So etwas konnte nur einem Göttinger Professor einfallen. Ossegg spottet: "Jeder Pfadfinder weiß, daß ein Feuer nicht näher als 80 Meter vom nächsten Waldrand angelegt werden darf, gegen den Wind gesehen. Ich brauchte also nur die nächste große Lichtung suchen."
By Arkadi Strugatzki, Boris Strugatzki
Die einzigartige Strugatzki-Edition Arkadi und Boris Strugatzkis Romane sind nicht nur atemberaubende Parabeln über die Stellung des Menschen im Universum, sondern auch schonungslose Abrechnungen mit Ideologiegläubigkeit und Personenkult. Der vierte Band der Werkausgabe enthält fünf Romane aus der Welt des Mittags: "Es ist schwer ein Gott zu sein", "Die dritte Zivilisation", "Der Junge aus der Hölle", "Fluchtversuch" und "Unruhe", alle in völlig neuer Überarbeitung und ungekürzt.
By Hans-Christian Dany, Valérie Knoll
Im Zerfall der alten Ordnung beansprucht der Dandy kein vorbildliches Leben. Er verteidigt keinen Besitz und keine Privilegien. Verteilungskämpfe findet er degoutant. Jede Art von Krieg, auch jener für die Freiheit, scheint dem Dandy eine Angelegenheit der Unterbelichteten, die nicht begreifen, dass der einzige Zweck der Uniform darin liegt, gut auszusehen. Als Asket steht er für weniger von allem und gegen jene Behauptungen des Neuen, die selten mehr als ein Produkt meinen. Der Dandy fragt nicht, wie er leben will, er lebt, wenn auch mit melancholischem Gesicht. Er maßt sich keine Lösungen an, erklärt auch nichts für falsch, da er gar nichts erklärt. Er spielt einfach anders. Der Essay folgt den Spuren dieses Maskenballs zwischen Darstellungen des gelebten Lebens, literarischen Vorzeichnungen und Vorstellungen in der bildenden Kunst hinein in die Gegenwart. Er sichtet Taktiken, um in einer Zeit des Übergangs selbstbestimmter auf die Zukunft zuzugehen. (Verlagsangaben)