4.5

Alte Pfade

By Alexa Hennig von Lange

Format:Hardcover

Empathisch und klug geht die Bestsellerautorin der Frage nach, wie sehr ein Vater das Leben seiner Tochter prägt Ein eindringlicher Roman über verlassene und noch zu beschreitende Lebenswege »Die Erzählkunst von Alexa Hennig von Lange ist fesselnd, intelligent und einfühlsam.« Sven Trautwein, FRANKFURTER RUNDSCHAU ONLINE Gebunden mit Schutzumschlag und Lesebändchen

Literary & Contemporary Fiction
304 pagesHardcover
First published September 15, 2026

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IgraineReviewed by Igraine

Als Lilianes fast neunzigjähriger Vater während einer Wanderung durch die schottischen Highlands einen Herzinfarkt erleidet, scheint für seine Tochter nur eines wichtig: Sie will ihn sicher nach Hause bringen. Doch ihr Vater denkt nicht daran, seine Wanderung abzubrechen. Für ihn ist dieser Weg weit mehr als eine Reise durch die Landschaft – er führt ihn zurück zu einem Ort, den er bereits als junger Mann kennengelernt hat und mit dem er tief verbunden ist. So bleibt Liliane nichts anderes übrig, als ihren Vater auf seinem letzten Weg durch die Highlands zu begleiten. Zwischen Himmel, Bergen und menschenleerer Natur kommen sich die beiden noch einmal ganz neu und auf besondere Weise nahe. Lilianes Vater ist eine beeindruckende Persönlichkeit: Mit 89 Jahren ist er körperlich zwar gebrechlich geworden, besitzt aber noch immer seinen ausgeprägten Eigensinn und seinen festen Willen. Sein ganzes Leben lang hat er gelernt, seine Gefühle unter Kontrolle zu halten. Nach dem Selbstmord seiner Frau musste er funktionieren – für sich selbst und seine Familie. Nun, auf der Wanderung durch die Highlands, beginnt er sich langsam zu öffnen. In den kurzen, immer wieder eingestreuten Gesprächen mit seiner Tochter werden Erinnerungen lebendig und Dinge ausgesprochen, die jahrzehntelang zwischen ihnen standen. Besonders berührend ist dabei der liebevolle Umgang zwischen Vater und Tochter. Beide Figuren sind klar und glaubwürdig gezeichnet und wachsen einem als Leser schnell ans Herz. Während Liliane versucht, ihren Vater zu verstehen, setzt sie sich gleichzeitig intensiv mit ihrem eigenen Leben auseinander: mit ihrer Rolle als Tochter, Mutter und Ehefrau und mit der Frage, wie stark ihr Vater ihre Persönlichkeit und ihre Entscheidungen geprägt hat. Fernab ihres gewohnten Alltags und umgeben von einer überwältigenden, unberührten Landschaft beginnt sie, ihr bisheriges Leben aus einer neuen Perspektive zu betrachten. Dabei lernt sie von ihrem Vater eine wichtige Erkenntnis: Letztlich muss jeder Mensch selbst entscheiden, was ihn glücklich macht. Die schottischen Highlands werden von Alexa Hennig von Lange sprachgewaltig und eindrucksvoll beschrieben. Die Landschaft ist dabei weit mehr als eine Kulisse. Sie vermittelt Freiheit, Weite und eine gewisse Zeitlosigkeit und bildet einen starken Kontrast zu den immer wieder aufbrechenden Erinnerungen der beiden. Gerade das Zusammenspiel aus ausführlichen Landschaftsbeschreibungen und den kurzen, intensiven Vater-Tochter-Gesprächen macht den Roman zu einem echten Pageturner. Auch das Ende hat mich sehr berührt. Bereits zu Beginn deutet die Autorin an, wohin der Weg des Vaters führen wird. Dadurch schließt sich am Ende ein Kreis. Sein selbstbestimmter Tod entspricht dem, was er sich für sich selbst gewünscht hat, und ermöglicht es schließlich auch Liliane und ihrem Bruder Georg, ihren Frieden mit ihm und seinen Entscheidungen zu finden. Der Tod wird dabei nicht als dramatischer Schlusspunkt inszeniert, sondern als Teil der Selbstbestimmung, die der Vater für sein Leben bis zuletzt beansprucht. Lediglich die Begegnung mit einer scheinbar zufällig auftauchenden Figur in einem der letzten Kapitel und der daraus entstehende kurze Twist wirkten auf mich etwas zu konstruiert und wenig realistisch. Dieser kleine Kritikpunkt fällt angesichts der insgesamt sehr stimmigen und berührenden Geschichte jedoch kaum ins Gewicht. Alte Pfade ist für mich vor allem ein Roman über Nähe, Abschied und Selbstbestimmung. Er erzählt davon, wie sich ein Vater und eine Tochter auf einem gemeinsamen Weg noch einmal begegnen, aber auch davon, wie schwer es sein kann, sich von den Vorstellungen und Erwartungen der eigenen Eltern zu lösen. Eine berührende Geschichte über den letzten Weg eines außergewöhnlichen Menschen – und über die Frage, wie viel von unseren Eltern in uns weiterlebt.

Bücher.Liebe2025Reviewed by Bücher.Liebe2025

Eine Vater-Tocher-Geschichte Das Buch ist ein hochwertiges Hardcover mit Schutzumschlag und Lesebändchen. Das Cover ist im Stil eines Naturgemäldes gestaltet. In der Geschichte geht es um Liliane, die ihren 89 jährigen Vater auf seiner Wanderung in die schottischen Highlands begleitet. Im Grunde werden nur 4 Tage beschrieben, wir starten an Tag vier und springen nach einem kleinen Cliffhanger an Tag eins zurück. Von hier aus wird die Geschichte chronologisch erzählt, bis wir am Ende des Buches wieder an Tag 4 ankommen. Mir hat das Buch wirklich gut gefallen. Der Schreibstil ist super lesbar, die Geschichte mitreißend. Für mich geht es im Grunde um die Frage, wie sehr wir für unsere Eltern verantwortlich sind, wie viel Verantwortung tragen unsere Eltern für ihre (erwachsenen) Kinder. Und vor allem, wie sehr fallen wir in der Gegenwart unserer Eltern wieder zurück in unsere Kinderrolle? Wie stark dürfen/müssen wir uns emanzipieren, wie viel Konfrontation hält die Eltern-Kind-Beziehung aus? Ich hätte gerne noch eine Seite mehr gelesen, wobei das Ende der Geschichte vermutlich genau an der richtigen Stelle gesetzt wurde.

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