Empfehlungen basierend auf "Wolfgang Borchert, Sämtliche Werke"
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von Stefan Heym
Es ist die Legende des »ewigen Juden«: Weil er Jesus auf dem Weg zur Kreuzigungsstätte nicht vor seiner Haustür ruhen lässt, wird Ahasver, der Schuster von Jerusalem, verflucht, bis zu Jesus' Wiederkunft rastlos auf Erden zu wandern. Stefan Heym, einer der herausragendsten Schriftsteller der ehemaligen DDR, erzählt den Mythos neu: Bei ihm ist Ahasver ein gestürzter Engel, der die Hoffnung auf Befreiung der geknechteten Menschheit nie aufgibt und in immer neuer Gestalt für eine bessere Welt kämpft. Ein Roman voll sinnlicher Wucht, zwischen Legende, Lutherzeit und einem brillant karikierten Politleben der DDR.
von Friedrich Torberg
»Ein nobles, schönes, lustiges, trauriges Buch. Eine kleine Recherche der verlorenen Zeit, das Panorama einer gewitzten und geistesgegenwärtigen Menschlichkeit.« Dieter Hildebrandt in Die Zeit
von Erich Kästner
Erich Kästner selbst zählte seine klassische Internatsgeschichte um eine Handvoll frecher Lausbuben Das fliegende Klassenzimmer zu seinem besten Kinderbuch.Die Kämpfe und Keilereien zwischen Gymnasiasten und Realschülern haben sich wohl seither nicht wesentlich verändert und auch die Jungs sind bis heute dieselben geblieben: Matthias, der ständig eine Semmel in der Hand hat, um das ewige Knurren im Magen zu besänftigen oder Johnny, der dauernd mit Sehen und Hören beschäftigt ist und nur manchmal an seine Eltern denkt, die ihn nicht mehr bei sich haben wollen. Uli ist der Kleinste, der vor Angst immer gleich wegläuft und mit einem gefährlichen Fallschirmsprung sich und den anderen seinen Mut beweisen will.Nur die Erwachsenen, wie der Hauslehrer Dr. Bökh und sein Freund, der Nichtraucher, vermutlich einer der ersten Aussteiger in der deutschen Kinderliteratur, die haben heute leider oft nicht mehr so viel Geduld, den Kindern zuzuhören, wenn sie von ihren Sorgen und Nöten erzählen. Die Zeit, ihnen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen, fehlt den meisten völlig. (Übrigens wurde Dr. Bökh in der Verfilmung von 1954 hervorragend von Joachim Fuchsberger gespielt.)Wen wundert´s, daß sich Kinder für ihr Leben gern von Erich Kästner in seine abenteuerliche Schulwelt entführen lassen, die zwar ganz bestimmt nicht heil ist, aber in der es eine Menge Wärme und Verständnis für die großen und kleinen Probleme gibt."Wie kann ein erwachsener Mensch seine Jugend so vollkommen vergessen, daß er eines Tages überhaupt nicht mehr weiß, wie traurig und unglücklich Kinder zuweilen sein können." Doch es wäre nicht Erich Kästner, wenn er ein paar Seiten später nicht warnte: "Ihr sollt hart im Nehmen werden, wie Boxer das nennen. Ihr sollt lernen, Schläge einzustecken und zu verdauen. Sonst seid ihr bei der ersten Ohrfeige, die euch das Leben versetzt, groggy. Denn das Leben hat eine verteufelt große Handschuhnummer, Herrschaften!"Diese Zeilen erhalten ein ganz besonderes Gewicht, wenn man bedenkt, daß sie erstmals 1933 veröffentlicht wurden, im Jahre Hitlers Machtergreifung. Die kommende Ära der Nationalsozialisten wurde für einen Individualisten wie Kästner, der, obwohl er Schreibverbot hatte, in Deutschland blieb, eine dunkle Zeit. --Manuela Haselberger
von Anton Cechov
Lachmatov, ein ehemaliger Beamter saß daheim am Tisch beim sechsten Glas Vodka und dachte an die Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit. Als hinter der Lampe ein Teufel hervorschaute, begann Lachmatov denselben übers moderne Leben und Wirken der Teufel zu befragen. Der Teufel gab alle Geheimnisse der Hölle zum besten, schüttete sein Herz aus, weinte und gefiel Lachmatov so gut, dass er ihn bei sich übernachten ließ. Der Teufel schlief im Ofen und phantasierte die ganze Nacht. Am Morgen war er verschwunden.
von Hans Henny Jahnn
Der nach Fluss ohne Ufer zweite »Höhepunkt seines Werks« (Die Zeit): Hans Henny Jahnns Perrudja ist ein Roman vom literarischen Rang eines Ulysses oder Berlin Alexanderplatz. Eine eindringliche Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit des Lebens.Der expressionistische Roman, den Hans Henny Jahnn bereits während des Ersten Weltkriegs im norwegischen Exil konzipierte, handelt von der Lebensgeschichte und den Visionen des Mannes Perrudja, der - einsam aufgewachsen in den Bergen - plötzlich in einem geheimnisvollen Fremden einen Gönner findet. Ihm erzählt er von seiner Vergangenheit, seiner Liebe zu der stolzen Signe - einer Vergangenheit, dessen Bruchstücke er zurückzuerobern versucht. Doch seine Verstrickungen darin bringen ihn dazu, sich einem größeren Plan zu widmen: einem gewaltigen Entwurf zur Menschheitserneuerung, der die Welt zum Besseren wenden und den Menschen Frieden bringen soll. Aber Perrudja muss erfahren, dass die Eigenlogik der Macht stärker ist als der gute Wille des Einzelnen.Perrudja erzählt eindringlich von den Dämonen, denen der Mensch unterworfen ist, von Verstrickungen und Untergang, aber auch von Erlösung.
von Heinrich Böll, Viktor Böll
Lesende Staatsburger sind nicht die gehorsamsten, schreibende schon gar nicht Erzahlungen, Essays, Gedichte, Briefe und RReden aus den Jahren 1948 bix 1985, die es ermoglichen, den literarischen Weg dieses einzigartigen Schriftstellers in komprimierter Form nachzuvollziehen und Heinrich Boll so kennenzulernen, wie er sich selbst sah.
von Horst Bienek
Eine oberschlesische Chronik - Zeit ohne Glocken - bk666; Hanser Verlag; Horst Bienek; Paperback; 1993
von Volker Weidermann
Der Dichter und sein Kritiker – eine wechselvolle Fehde und ein großes Stück deutscher Geschichte.Die »Zwangsehe«, wie Günter Grass sie einmal nannte, wurde offiziell am 1. Januar 1960 geschlossen: An diesem Tag besprach der damals 39-jährige Kritiker Marcel Reich-Ranicki »Die Blechtrommel« des gerade 32-jährigen Autors. Er verriss den Roman. Und so begann das wechselhafte, von Rivalität wie Respekt getragene Verhältnis der beiden herausragenden Protagonisten der deutschen Nachkriegsliteratur. 1958 waren sie sich schon einmal im Warschauer Hotel Bristol begegnet – und hatten beide bereits ein Leben hinter sich: Der eine war bei der Waffen-SS gewesen, der andere Überlebender des Warschauer Ghettos. Doch beide einte ihre große Liebe zur deutschen Literatur und ihr unbedingter Wille, ihr weiteres Leben dieser Literatur zu widmen.
von Friedrich Dürrenmatt
Alfredo Traps, Zyniker und herzloser Profiteur, findet bei einer Gruppe von pensionierten Richtern Zuschlupf. Eine aussergewöhnliche Nacht steht ihm bevor.
von Hans-Christian Dany, Valérie Knoll
Im Zerfall der alten Ordnung beansprucht der Dandy kein vorbildliches Leben. Er verteidigt keinen Besitz und keine Privilegien. Verteilungskämpfe findet er degoutant. Jede Art von Krieg, auch jener für die Freiheit, scheint dem Dandy eine Angelegenheit der Unterbelichteten, die nicht begreifen, dass der einzige Zweck der Uniform darin liegt, gut auszusehen. Als Asket steht er für weniger von allem und gegen jene Behauptungen des Neuen, die selten mehr als ein Produkt meinen. Der Dandy fragt nicht, wie er leben will, er lebt, wenn auch mit melancholischem Gesicht. Er maßt sich keine Lösungen an, erklärt auch nichts für falsch, da er gar nichts erklärt. Er spielt einfach anders. Der Essay folgt den Spuren dieses Maskenballs zwischen Darstellungen des gelebten Lebens, literarischen Vorzeichnungen und Vorstellungen in der bildenden Kunst hinein in die Gegenwart. Er sichtet Taktiken, um in einer Zeit des Übergangs selbstbestimmter auf die Zukunft zuzugehen. (Verlagsangaben)