Ein Glücksfall. Denn wollte man aus der aktuellen Fülle an Büchern und Streitschriften über den Nahen Osten eines herausgreifen, das beide Positionen aufs Schärfste umrissen darlegt, mit allen Widersprüchen und blinden Flecken und mit einigen winzigen Überschneidungen – es wäre gut, wenn es dieses wäre.
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Was darf Israel?
von Hamed Abdel-Samad, Philipp Peyman Engel
Ein Glücksfall. Denn wollte man aus der aktuellen Fülle an Büchern und Streitschriften über den Nahen Osten eines herausgreifen, das beide Positionen aufs Schärfste umrissen darlegt, mit allen Widersprüchen und blinden Flecken und mit einigen winzigen Überschneidungen – es wäre gut, wenn es dieses wäre.
Aktuelle Rezensionen(3)
hochaktuell und von beiden Seiten erleuchtend. Erkenntnisse, die weit über Schnipsel aus Talkshowabenden mit Lanz und Co. hinaus gehen. So sollte Diskurs sein: oft ein harter Streit, aber immer mit Menschlichkeit geführt.
Ein sehr bewegendes Buch, dass einen auf jeden Fall zum Nachdenken und Hinterfragen anregen sollte
Nach dem Anschlag der Hamas auf ein Festival nahe der Grenze zu Gaza am 7. Oktober 2023 postet der ägyptisch-deutsche Politikwissenschaftler Hamed Abdel-Samad auf X einen Beitrag, in dem er Israel im Kontext der Gegenangriffe auf Gaza nach diesem Terroranschlag Genozid vorwirft. Auf diesen Post hin reagiert Philipp Peyman Engel, Journalist und Chefredakteur der Jüdischen Allgemeinen Zeitung. Es entspinnt sich zwischen den beiden ein dialogischer und sehr hart geführter Streit, der aber größtenteils auf Augenhöhe bleibt und mit viel Fachexpertise und zum Teil biografischen Bezügen angereichert ist, und sich um die Frage des Selbstverteidigungsrechts Israels dreht und die damit verbundenen moralischen Grenzen, die Verantwortung der Staatenwelt, darunter auch Deutschland und die historisch jahrtausendealte Debatte um den Besitzanspruch Palästinas sowie das Existenzrecht Israels seit 1948. Es ist beachtlich, wie professionell dieser Schlagabtausch geschieht, der bisweilen entsprechendes Vorwissen zum Nahost-Konflikt voraussetzt. Ich habe viel dazu gelernt und davon profitiert, auch einen Einblick in die arabisch-palästinensische Perspektive zu erhalten, die Abdel-Samad nachvollziehbar und am eigenen biografischen Beispiel darlegt. Gleichzeitig hat mich dieses kleine Buch noch sehr lange beschäftigt. Ich hatte mir Antworten auf eigene Fragen erhofft, die ich auch bekommen habe, aber gleichzeitig sind bei mir neue Fragen aufgetaucht, die mich stark zweifeln haben lassen, ob dieser Konflikt überhaupt in irgendeiner Weise lösbar ist. Darin besteht die Ambivalenz von "Was darf Israel?" - die beiden machen einerseits nämlich einen entscheidenden Schritt aufeinander zu, indem sie sich austauschen, miteinander in den Dialog treten und Mut haben, ihre Standpunkte zu veräußern und zu verteidigen. Gleichzeitig wird klar, dass so ungemein viele Ebenen und Dimensionen betroffen sind und berücksichtigt werden müssen, dass es schwierig bleibt, den Überblick zu behalten - nicht zuletzt weil ich als westeuropäischer, deutscher Leser zwar einerseits um die historische Verantwortung Deutschlands weiß, aber andererseits immer wieder merke, dass ich stellenweise nicht mitreden kann und dann zweifle, inwiefern ich mir dann ein Urteil erlauben darf, wenn es um jüdische oder arabische Diaspora, Staatsansprüche und religiöse Fragen geht. Eine außergewöhnliche Idee, die lange nachwirkt und, vielleicht auch im Sinne der beiden Autoren, das Bedürfnis weckt, mit anderen über dieses Buch in den Dialog zu gehen.