Ein Glücksfall. Denn wollte man aus der aktuellen Fülle an Büchern und Streitschriften über den Nahen Osten eines herausgreifen, das beide Positionen aufs Schärfste umrissen darlegt, mit allen Widersprüchen und blinden Flecken und mit einigen winzigen Überschneidungen – es wäre gut, wenn es dieses wäre.
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Was darf Israel?
von Hamed Abdel-Samad, Philipp Peyman Engel
Ein Glücksfall. Denn wollte man aus der aktuellen Fülle an Büchern und Streitschriften über den Nahen Osten eines herausgreifen, das beide Positionen aufs Schärfste umrissen darlegt, mit allen Widersprüchen und blinden Flecken und mit einigen winzigen Überschneidungen – es wäre gut, wenn es dieses wäre.
Aktuelle Rezensionen(4)
Oh man, das war krass. Ich meine um ehrlich zu sein, hab ich das Buch gelesen, damit ich mir eine Meinung darüber bilden kann, die ich mir selber erarbeitet hab, ohne von familiären Erfahrungen beeinflusst zu werden (Ich komme aus Libanon und bin deshalb fast täglich damit konfrontiert). Aber nachdem ich das Buch gelesen hab ist mir nochmals klargeworden dass das Ganze nicht nicht nur Schwarz-Weiß ist. Denn nur auf einer Seite zu stehen und den Tod der anderen zu legitimieren, ist genauso falsch wie dieser Krieg selbst. Ich lebe bei einer Famile die mir von Grund auf beigebracht haben, Israel zu hassen. Um ehrlich zu sein konnte ich das aber nie, ich hab nicht das erlebt was sie erlebt haben, ich hab nie ihre Seite hören können. Das Buch für mich war also auch etwas Aufklärendes. Ich bin froh es gelesen zu haben. Denn auch wenn mir weitere Fragen aufgetaucht sind, wenn mein Kopf manchmal von den ganzen Informationen geraucht hat und ich noch mehr Bücher dieser Art lesen muss um es besser zu verstehen, es hat mir nicht nur gezeigt, dass ich meine eigene Meinung bilden kann, sondern auch, dass man nicht alles mit ein Simples ja oder nein beantworten kann. Ich bin wirklich froh es gelesen zu haben. Eine unfassbar große Empfelung an Alle, die mehr darüber erfahren wollen. Fühlt euch gedrückt 🥰✨️💕🫂
hochaktuell und von beiden Seiten erleuchtend. Erkenntnisse, die weit über Schnipsel aus Talkshowabenden mit Lanz und Co. hinaus gehen. So sollte Diskurs sein: oft ein harter Streit, aber immer mit Menschlichkeit geführt.
Ein sehr bewegendes Buch, dass einen auf jeden Fall zum Nachdenken und Hinterfragen anregen sollte
Nach dem Anschlag der Hamas auf ein Festival nahe der Grenze zu Gaza am 7. Oktober 2023 postet der ägyptisch-deutsche Politikwissenschaftler Hamed Abdel-Samad auf X einen Beitrag, in dem er Israel im Kontext der Gegenangriffe auf Gaza nach diesem Terroranschlag Genozid vorwirft. Auf diesen Post hin reagiert Philipp Peyman Engel, Journalist und Chefredakteur der Jüdischen Allgemeinen Zeitung. Es entspinnt sich zwischen den beiden ein dialogischer und sehr hart geführter Streit, der aber größtenteils auf Augenhöhe bleibt und mit viel Fachexpertise und zum Teil biografischen Bezügen angereichert ist, und sich um die Frage des Selbstverteidigungsrechts Israels dreht und die damit verbundenen moralischen Grenzen, die Verantwortung der Staatenwelt, darunter auch Deutschland und die historisch jahrtausendealte Debatte um den Besitzanspruch Palästinas sowie das Existenzrecht Israels seit 1948. Es ist beachtlich, wie professionell dieser Schlagabtausch geschieht, der bisweilen entsprechendes Vorwissen zum Nahost-Konflikt voraussetzt. Ich habe viel dazu gelernt und davon profitiert, auch einen Einblick in die arabisch-palästinensische Perspektive zu erhalten, die Abdel-Samad nachvollziehbar und am eigenen biografischen Beispiel darlegt. Gleichzeitig hat mich dieses kleine Buch noch sehr lange beschäftigt. Ich hatte mir Antworten auf eigene Fragen erhofft, die ich auch bekommen habe, aber gleichzeitig sind bei mir neue Fragen aufgetaucht, die mich stark zweifeln haben lassen, ob dieser Konflikt überhaupt in irgendeiner Weise lösbar ist. Darin besteht die Ambivalenz von "Was darf Israel?" - die beiden machen einerseits nämlich einen entscheidenden Schritt aufeinander zu, indem sie sich austauschen, miteinander in den Dialog treten und Mut haben, ihre Standpunkte zu veräußern und zu verteidigen. Gleichzeitig wird klar, dass so ungemein viele Ebenen und Dimensionen betroffen sind und berücksichtigt werden müssen, dass es schwierig bleibt, den Überblick zu behalten - nicht zuletzt weil ich als westeuropäischer, deutscher Leser zwar einerseits um die historische Verantwortung Deutschlands weiß, aber andererseits immer wieder merke, dass ich stellenweise nicht mitreden kann und dann zweifle, inwiefern ich mir dann ein Urteil erlauben darf, wenn es um jüdische oder arabische Diaspora, Staatsansprüche und religiöse Fragen geht. Eine außergewöhnliche Idee, die lange nachwirkt und, vielleicht auch im Sinne der beiden Autoren, das Bedürfnis weckt, mit anderen über dieses Buch in den Dialog zu gehen.