Empfehlungen basierend auf "Unser geraubtes Leben"

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von Manfred Görtemaker

Als das Bundesministerium der Justiz 1949 seine Arbeit aufnahm, kam es zu ganz erheblichen personellen und politischen Verflechtungen mit dem "Dritten Reich“. Dass Juristen, die eine stark belastete NS-Vergangenheit hatten, in der Behörde Dienst taten, wurde nicht als problematisch empfunden. Dieses grundlegende Werk zeigt, wer alles im Ministerium unterkam und welchen Einfluss das auf die Rechtspraxis hatte – nicht zuletzt bei der Strafverfolgung von NS-Tätern. Die "Rosenburg" in Bonn war von der Gründung der Bundesrepublik bis 1973 der Sitz des Bundesministeriums der Justiz. 2012 setzte das Ministerium eine Unabhängige Wissenschaftliche Kommission ein, die den Umgang der Behörde mit der NS-Vergangenheit in den Anfangsjahren der Bundesrepublik erforschen sollte. Zu diesem Zweck erhielt die Kommission uneingeschränkten Aktenzugang. Dieses Buch präsentiert ihre Ergebnisse. Zum "Geist der Rosenburg", so zeigt die Studie, trugen maßgeblich Beamte und Mitarbeiter bei, die zuvor im Reichsjustizministerium, bei Sondergerichten und als Wehrrichter tätig gewesen waren. Ihre Karrieren vor und nach 1945 zeichnet die Kommission ebenso nach wie die Belastungen, die dies für das Ministerium und den Inhalt seiner Politik darstellte. So wird unter anderem gezeigt, welche zentrale Rolle das Ministerium spielte, als 1968 Zehntausende von Strafverfahren gegen NS-Täter eingestellt wurden.

von Horst Krüger

»Das zerbrochene Haus« ist Horst Krügers Bilanz seiner Jugend in Berlin im nationalsozialistischen Deutschland, ein Bekenntnis und eine scharfsichtige Analyse des verführten deutschen Kleinbürgertums. Krüger, der sich selbst als »typischen Sohn jener harmlosen Deutschen, die niemals Nazis waren und ohne die die Nazis ihr Werk nie hätten tun können«, charakterisiert, zieht Bilanz, weil er wissen möchte, »wie das damals war unter Hitler«.

von Stanislav Zámečník

Endlich eine vollständige, wissenschaftliche Darstellung der Geschichte des Konzentrationslagers Dachau, das am 22. März 1933, zwei Monate nach der Machtübernahme Adolf Hitlers, eröffnet wurde. Dieses Instrument des Terrors wurde zum Vorbild des nationalsozialistischen Vernichtungsregimes. Das Buch stellt die Entwicklung des Lagers in drei Zeitabschnitten dar: Die erste Phase beginnt 1933 mit der Internierung politischer Gegner und der Konsolidierung des NS-Regimes bis hin zum Kriegsbeginn. Es folgt die zweite Phase: die Zunahme der Häftlingszahlen aus den besetzten Gebieten und die damit einhergehende Internationalisierung nach den militärischen Erfolgen Nazi-Deutschlands; und schließlich Phase drei: die militärische Wende 1941/42 mit der systematischen physischen Ausbeutung der Häftlinge in der deutschen Kriegswirtschaft. Durch den zurückhaltenden, präzisen Stil des Autors, der persönliche Erinnerungen mit der wissenschaftlichen Distanz des Forschers verbindet, erfahren die Lesenden die vielen Facetten des Lagers: die von der SS aufgebaute und kontrollierte hierarchische Struktur, die Häftlingskategorien, den Lageralltag, die willkürliche und eskalierende Gewalt, die Selektionen, die medizinischen Experimente und die Rolle der SS-Ärzte, die gezielte und programmierte Vernichtung, die Evakuierung des Lagers, die Typhusepidemie und die Befreiung. Stanislav Zámečník vergleicht und verweist auf viele Quellen, auf Augenzeugenberichte und entkräftet Legenden, analysiert die Solidarität unter den Häftlingen und den Widerstand im Lager, befasst sich mit der Frage der Dachauer Gaskammer und liefert neue Daten zur Zahl der Todesopfer. „Das war Dachau“ ist ein Nachschlagewerk, das dem Leser die tragische Odyssee des Häftlings durch die Welt des nationalsozialistischen Konzentrationslagers näherbringt.

von Bruno Apitz

Ein Welterfolg in neuem Licht Der Roman 'Nackt unter Wölfen', in 30 Sprachen übersetzt, erzählt die bewegende Geschichte eines dreijährigen Kindes, das unter den unmenschlichen Bedingungen des KZ Buchenwald von Häftlingen gerettet wird. Aber es handelt ebenso von den Konflikten seiner Retter, die ihrem Gewissen folgen müssen und dabei die Gesetze der Illegalität brechen. Die aussergewöhnliche Entstehungs- und Veröffentlichungsgeschichte rückt Roman und Autor nun nach über fünfzig Jahren in ein neues Licht. Diese Geschichte hat Leser in aller Welt bewegt: In einem Koffer versteckt, wird im Frühjahr 1945 ein dreijähriger Junge in das KZ Buchenwald gebracht. Wenn die SS das Kind findet, ist ihm der Tod gewiss. Mit Hilfe des illegalen Lagerkomitees könnte es verborgen werden, aber man fürchtet, die gesamte konspirative Arbeit zu gefährden. Aller Vernunft zum Trotz widersetzen sich zwei Häftlinge der Anweisung des ILK, den Kleinen mit einem Transport nach Bergen-Belsen weiterzuschicken. Herz und Gewissen siegen über die Parteidisziplin, denn das Überleben des Jungen ist längst zum Sinnbild für den Überlebenswillen der Häftlinge geworden. Der Roman entstand frei nach Motiven einer wahren Begebenheit, wurde jedoch als Tatsachenbericht und als Symbol des antifaschistischen Widerstandskampfes rezipiert. Die erweiterte Neufassung macht nun deutlich, dass Apitz die Rolle der Kommunisten viel konfliktiver anlegte und das Lagerleben gnadenloser darstellen wollte.

von Hans-Henning Scharsach

langjähriger Leiter der Auslandsressorts von KURIER und News, ist Publizist und Autor politischer Sachbücher. Der Experte für Rechtspopulismus, Rechtsextremismus und Neonazismus moderierte 15 Jahre die Zeitzeugengespräche zum Jahrestag des Novemberpogroms im Wiener Volkstheater. Zu seinen Büchern zählen die Bestseller „Haiders Kampf“, „Haiders Clan“, „Europas Populisten“, „Die Ärzte der Nazis“, „Strache – Im braunen Sumpf" und „Stille Machtergreifung – Hofer, Strache und die Burschenschaften“.

von Günter Wallraff

von Maren Gottschalk

«Wir schweigen nicht, wir sind Euer böses Gewissen, die Weiße Rose lässt Euch keine Ruhe!», hieß es auf einem Flugblatt der kleinen studentischen Widerstandsgruppe in München, zu dessen innerem Kreis neben Alexander Schmorell und Hans Scholl dessen jüngere Schwester Sophie, Christoph Probst, Willi Graf sowie der Universitätsprofessor Kurt Huber gehörten.Selbst vor Roland Freisler sprach die 21-Jährige im Gerichtssaal unbeirrt aus, was sie dachte: «Was wir schrieben und sagten, das denken Sie alle ja auch, nur haben Sie nicht den Mut, es auszusprechen.» Postum ist die Studentin, die mit ihren Freunden furchtlos die Stimme erhob gegen das NS-Unrechtsregime und den Vernichtungskrieg, tatsächlich zu einem Gewissen der Deutschen geworden. Heute ist sie weltweit eine der bekanntesten Persönlichkeiten der deutschen Geschichte. Wenige Tage nach Kriegsbeginn schrieb Sophie Scholl an ihren Freund: «Ich kann es nicht begreifen, daß nun dauernd Menschen in Lebensgefahr gebracht werden von anderen Menschen. Ich kann es nie begreifen und ich finde es entsetzlich. Sag nicht, es ist für's Vaterland.» Gestützt auf teils noch unveröffentlichte Selbstzeugnisse schildert Maren Gottschalk das so verheißungsvolle Leben Sophie Scholls, die sich nach anfänglicher Faszination für die Hitlerjugend immer entschiedener gegen den Nationalsozialismus stellt. 1942 geht sie in den aktiven Widerstand. Am 18. Februar 1943 wird sie mit nur 21 Jahren verhaftet, vier Tage später mit dem Fallbeil hingerichtet.

von Alois Prinz

[Meinhof, Ulrike] Prinz, Alois. Lieber wütend als traurig - Die Lebensgeschichte der Ulrike Marie Meinhof. Weinheim/Basel/Berlin, Beltz & Gelberg, 2003. 328 Seiten mit Illustrationen. Hardcover mit Umschlag in Brodart / Original Hardcover with original dustjacket in protective collector's mylar. Sehr guter, neuwertiger Zustand / Excellent condition with only minor signs of external wear.

von Wolfgang Huber

Kaum ein anderer Theologe hat so wie Dietrich Bonhoeffer darauf beharrt, dass theologisches und ethisches Denken immer Denken in einer bestimmten Situation ist und sich unter neuen politischen oder gesellschaftlichen Umständen ändern kann. Das bedeutete für ihn zugleich aber auch, dass das Denken das Leben ändern kann, ja in besonderen Fällen ändern muss. So entschied sich Bonhoeffer im Juni 1939, als ihm in New York eine Dauerstelle angeboten wurde, gegen das Exil und kehrte kurz vor Beginn des Zweiten Weltkriegs nach Berlin zurück, um für ein besseres Deutschland zu kämpfen. Es folgten Zeiten von Konspiration, Camouflage, Gefangenschaft, Einsamkeit und Zuversicht trotz allem. Wolfgang Huber macht in seinem meisterhaften biographischen Porträt deutlich, warum Bonhoeffers meistgelesene Schriften – insbesondere die Ethik und Widerstand und Ergebung – nur unter diesen existentiellen Bedingungen entstehen konnten und wie sich sein Leben und Denken spannungsvoll ergänzten. Die kühnen Neuansätze des großen «unvollendeten» Theologen, der am 9. April 1945 auf Hitlers persönliches Geheiß hingerichtet wurde, ermutigen bis heute Menschen zum konsequenten Glauben und Handeln – gerade angesichts weltweiter Not und um sich greifender Gewalt, ungewisser Zukunft und Gefahren für die Demokratie.

von Bastian Hein

Eingeführte Reihe. Dem Autor Bastian Hein, der sich 2012 über die Geschichte der SS habilitierte und somit einer der profundesten Kenner dieses dunkelsten Themas der jüngeren deutschen Geschichte ist, gelang ein sehr gut lesbares, verständliches Werk, welches die ohnehin sehr gute Beck-"Wissen"-Reihe um ein Buch zu einem schwierigen Themengebiet bereichert. Trotz der gegebenen Kürze werden alle relevanten Aspekte der Entwicklung der SS von ihren Anfängen zu Beginn der 1920er-Jahre bis zum Ende 1945 gründlich und vor allem auf dem aktuellsten Stand der Forschung dargestellt. Besonders bemerkenswert ist die Tatsache, dass es dem Autor im letzten Kapitel gelingt, aufzuzeigen, wie sehr die SS und damit ihre Verbrechen bis in unsere jüngste Vergangenheit für viele Zeitgenossen als Alibi für das Böse jener Zeit galt, umso von eigenem Versagen, Fehlverhalten und Schuld ablenken zu können. Das Buch ist vorbehaltlos jeder Bibliothek, auch Schulbibliotheken, zur Anschaffung zu empfehlen. (1 S) (Falko Krause)