Empfehlungen basierend auf "Sonnenuntergang im Prater fünfundfünfzig Prosastücke"

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von Fjodor Dostojewskij

In den »Aufzeichnungen aus dem Kellerloch« von Nietzsche als »wahrer Geniestreich der Psychologie« bezeichnet - stellt sich ein kranker, verbitterter »Einzelner«, der seine Existenz in einer erbärmlichen Petersburger Kellerwohnung fristet, gegen die von der Utopie des »Kristallpalastes« und des kollektiven Glücks beherrschte fortschrittsgläubige Ideologie eines Jahrhunderts, verteidigt das Recht auf Freiheit gegen das Diktat einer alles beherrschenden »Vernunft«.

von Thomas Bernhard

von Fred Uhlman

Ein Klassiker: ein schmales Buch, das viele Geschichtswälzer über den Nationalsozialismus aufwiegt Mehr als 200?000 verkaufte Exemplare

von Erich Kaestner

"Obwohl die Millionäre aus der Mode gekommen sind und obwohl ich nicht einmal weiß warum, ist, dessenungeachtet, die Hauptfigur dieses Buches ein Millionär. Das ist nicht meine Schuld. Sondern es kam so..." Erich KästnerGeheimrat Tobler, ein Mann, dem Fabriken, Banken, Warenhäuser und viele Millionen gehören, gewinnt in dem Preisausschreiben seiner eigenen Firme den 2. Preis: zehn Tage Winterurlaub im Grandhotel Bruckbeuren. Zum Entsetzen seiner Familie entschließt er sich, die Reise anzutreten, und zwar "endlich einmal ohne den üblichen Zinnober", als armer Teufel namens Schulze. Das Verwechslungsspiel nimmt seinen Lauf.

von Erich Kästner

Erich Kästner selbst zählte seine klassische Internatsgeschichte um eine Handvoll frecher Lausbuben Das fliegende Klassenzimmer zu seinem besten Kinderbuch.Die Kämpfe und Keilereien zwischen Gymnasiasten und Realschülern haben sich wohl seither nicht wesentlich verändert und auch die Jungs sind bis heute dieselben geblieben: Matthias, der ständig eine Semmel in der Hand hat, um das ewige Knurren im Magen zu besänftigen oder Johnny, der dauernd mit Sehen und Hören beschäftigt ist und nur manchmal an seine Eltern denkt, die ihn nicht mehr bei sich haben wollen. Uli ist der Kleinste, der vor Angst immer gleich wegläuft und mit einem gefährlichen Fallschirmsprung sich und den anderen seinen Mut beweisen will.Nur die Erwachsenen, wie der Hauslehrer Dr. Bökh und sein Freund, der Nichtraucher, vermutlich einer der ersten Aussteiger in der deutschen Kinderliteratur, die haben heute leider oft nicht mehr so viel Geduld, den Kindern zuzuhören, wenn sie von ihren Sorgen und Nöten erzählen. Die Zeit, ihnen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen, fehlt den meisten völlig. (Übrigens wurde Dr. Bökh in der Verfilmung von 1954 hervorragend von Joachim Fuchsberger gespielt.)Wen wundert´s, daß sich Kinder für ihr Leben gern von Erich Kästner in seine abenteuerliche Schulwelt entführen lassen, die zwar ganz bestimmt nicht heil ist, aber in der es eine Menge Wärme und Verständnis für die großen und kleinen Probleme gibt."Wie kann ein erwachsener Mensch seine Jugend so vollkommen vergessen, daß er eines Tages überhaupt nicht mehr weiß, wie traurig und unglücklich Kinder zuweilen sein können." Doch es wäre nicht Erich Kästner, wenn er ein paar Seiten später nicht warnte: "Ihr sollt hart im Nehmen werden, wie Boxer das nennen. Ihr sollt lernen, Schläge einzustecken und zu verdauen. Sonst seid ihr bei der ersten Ohrfeige, die euch das Leben versetzt, groggy. Denn das Leben hat eine verteufelt große Handschuhnummer, Herrschaften!"Diese Zeilen erhalten ein ganz besonderes Gewicht, wenn man bedenkt, daß sie erstmals 1933 veröffentlicht wurden, im Jahre Hitlers Machtergreifung. Die kommende Ära der Nationalsozialisten wurde für einen Individualisten wie Kästner, der, obwohl er Schreibverbot hatte, in Deutschland blieb, eine dunkle Zeit. --Manuela Haselberger

von Franz Werfel

Dies ist die Geschichte Jirmijahs aus Anathot, des Propheten Jeremias also, aber es ist zugleich ein Meneteckel, ein Mahnwort gegen alle unverantwortlich herrschende Gewalt. Franz Werfel hat den Roman vom Leben und Leiden des großen Propheten eingebettet in eine Rahmenhandlung aus der Zeit der Entstehung des Romans, 1936, und ihn damit weit über das religiöse Thema hinausgehoben; er hat – der als Imperativ wirkende Titel verdeutlicht das – in einer Zeit totalitärer Herrschaft in Deutschland einen verschlüsselten Aufruf verfaßt, Widerstand zu leisten, aufzubegehren gegen die Staatsgewalt, gegen Selbstsicherheit und Selbstzufriedenheit der Mächtigen. So gesehen wird der Nebukadnezar des Romans leicht mit Adolf Hitler vergleichbar, werden die Leiden Jeremias' als die der Juden Deutschlands verstanden, wird die Zerstörung Jerusalems und des Tempels 586 v. Chr. als apokalyptisches Bild für die Zukunft Europas zur Zeit des Nationalsozialismus erkennbar. Werfel reagierte mit diesem Bekenntnis aber auch zugleich auf Vorwürfe gegenüber seiner, des Juden, offen geäußerter Sympathie für das katholische Christentum wie gegenüber der Tatsache, daß er zu den Aktivitäten der neuen Machthaber in Deutschland lange geschwiegen hatte.

von Heimito Doderer

"Die Dämonen" ist einer der bedeutendsten Großstadtromane dieses Jahrhunderts. Gestalten des Wiener Großbürgertums und des Adels, Arbeiter und Intellektuelle, aber auch Typen der Halb- und Unterwelt sind zu einem schillernden gesellschaftlichen Gewebe verflochten. Hinter dem eleganten Charme der Fünfuhrtees und Tennisturniere werden Unsicherheit, politische Fragwürdigkeiten und sexuelle Ausschweifung sichtbar. Die Handlung läuft von Anfang an auf den Brand des Wiener Justizpalastes am 15. Juli 1927 zu, den Doderer als "Cannae der österreichischen Freiheit" begreift: Im Verlauf der Auseinandersetzungen zwischen "Frontkämpfern" und Republikanischem Schutzbund waren mehrere Arbeiter umgebracht worden. Nach dem Freispruch der Mörder durch die Justiz brachen Arbeiterunruhen aus, die von der Polizei blutig niedergeschlagen wurden. Obwohl die Schicksale der Figuren meist nur indirekt mit diesem historischen Ereignis verknüpft sind, gehört es zu Doderers kunstvoller Komposition, daß sich zahlreiche ihrer Lebensprobleme an diesem Tag klären.

von Friedrich Dürrenmatt

In ›Der Richter und sein Henker‹ (1950) betritt Dürrenmatts Ermittler zum ersten Mal die Bühne: Kommissär Bärlach, ein Urgestein des Rechtssystems. Um einen Mord aufzuklären, bleibt ihm aus gesundheitlichen Gründen nur wenig Zeit. Wie Bärlach dabei mit den Begriffen Gerechtigkeit, Moral, Schuld und Strafe umgeht, ist ein Thema, das sich durch alle Kriminalromane Dürrenmatts zieht. So auch in ›Der Verdacht‹ (1951), wo der Kommissär ein zweites Mal gegen Tod und Ungerechtigkeit kämpft: aus unbändigem Trotz, »in dieser Welt zu bestehen und für eine andere, bessere zu kämpfen«. In ›Das Versprechen‹ (1958) versucht ein anderer Kommissär, Matthäi, verbissen, einen Kindermörder zur Strecke zu bringen. Dafür scheut er weder die Gefahr noch deren Folgen. ›Justiz‹ (1985) thematisiert die Verwicklungen eines jungen Rechtsanwalts im feinen Netz aus Gerechtigkeit, Rechtssystem und Moral. Seinen fünften (und unvollendeten) Kriminalroman ›Der Pensionierte‹ (1995) begann Dürrenmatt bereits 1969, schrieb ihn jedoch immer wieder um. Der Held des Romans, der kranke, fresssüchtige Kommissär Höchstettler, ist Bärlach wie aus dem Gesicht geschnitten.

von Clara Heinrich

»Störungen sind nicht per se negativ – und auch nicht unbedingt menschlichen Ursprungs. Erst einmal sind Störungen nur das. Eine Störung folgt der anderen. Es gibt keinen harmonischen Zustand, der der Störung vorhergeht. Alle Landschaften sind gestört. Ob jedoch eine Störung verkraftbar ist oder nicht, zeigt sich an dem, was folgt: an der Art, wie sich Gefüge umgestalten.«»Welche Landschaft würde man in dir finden?, frage ich A. Ich glaube zu mir passt die Region hier ganz gut. Die Weite und die Leere, die Trockenheit, die Artenvielfalt, die Stürme.«

von Karel Čapek

Karel Čapek (1890-1938) wurde als Sohn eines tschechischen Landarztes in Malé Svatoňovice geboren. 1909 nahm er in Prag ein Philosophiestudium auf, das er nach einem Jahr in Berlin fortsetzte. Er arbeitete als Journalist, Dramaturg und Regisseur, schrieb Feuilletons, Erzählungen und Romane sowie Stücke und Reisebücher aus England, Italien, Spanien und den skandinavischen Ländern. Drei Jahre nach seiner Heirat mit der Schauspielerin Olga Scheinpflugová starb er in Prag an einer Lungenentzündung. Josef Čapek (1887-1945), der ältere Bruder von Karel Čapek, war Maler, Graphiker und Schriftsteller und machte sich auch als Illustrator einen Namen. Am 1. September 1939 wurde er verhaftet und kam im KZ Bergen-Belsen um.