4.3

Shanghai fern von wo

von Ursula Krechel

Format:Hardcover

Da steht sie mitten in einer Restaurantküche in Shanghai und walkt den Teig, als ginge es um ihr Leben, und das tut es auch. Ein Strudel soll es werden, ein süßer natürlich, aber dann füllt sie, was noch übrig ist, mit zartem Gemüse, und auf einmal hat sie der chinesischen Küche etwas hinzuerfunden, was niemand mehr missen möchte: die Frühlingsrolle.Franziska Tausig ist eine von vielen, der Berliner Buchhändler Ludwig Lazarus ist ein anderer, und am Ende waren es achtzehntausend Juden, die seit 1938 eines der letzten Schlupflöcher noch nutzen konnten und so im fernen fremden Shanghai überlebten. Sie kamen ohne Visum und Illusionen mit einem Koffer und zehn Reichsmark in der Tasche, Anwälte, Handwerker, Kunsthistoriker, und wenn sie in dieser überfüllten Stadt und dem feucht drückenden Klima zurechtkommen wollten, dann waren Erfindungsgabe und Tatkraft gefordert. Nicht jeder war, nach dem, was hinter ihm lag und vor ihm, dazu imstande.Atemberaubend vielstimmig und vielschichtig erzählt Ursula Krechel davon. Aus langjährigen Recherchen entstand so der Stoff zu einem weitgespannten erzählerischen Bogen, der den Leser in eine Welt bringt, die einem näher ist als erwartet.

Gegenwarts- & Literarische Fiktion
500 SeitenHardcover
Erschienen an: 2008

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Aktuelle Rezensionen(2)

4.3(3 ratings)
Simon D.Rezension von Simon D.

Ich habe lange gebraucht, um dieses Buch (in der Taschenbuch-Ausgabe des Kampa-Verlags) fertig zu lesen, sodass ich mir keine umfassende Rezension erlauben möchte. So viel sei gesagt: Die Sprache ist unglaublich dicht, kreativ, intensiv und ausgefeilt (vielleicht ein Grund, warum ich so viel Zeit brauchte). Das macht das Buch nicht per se anstrengend, aber herausfordernd, was wiederum zum Thema passt: Jüdische Emigrantinnen und Emigranten, die es - irgendwie - kurz vor Krieg und Shoa geschafft haben, ihr Leben (und nicht viel mehr als das) auf einem Dampfer nach Shanghai zu retten. Dort begleiten wir einige von ihnen in den Irrungen und Wirrungen des Alltags als Herausgerissene, Geflohene, Geduldete und Überlebende. Der Fortlauf ihrer Schicksale: oft erzählt und manchmal kommentiert, sodass die Form mitunter verschwimmt. Ein weiterer Punkt, der das Buch zu keiner leichten Lektüre macht. Ebenso hatte ich Schwierigkeiten, der Chronologie zu folgen. Es kommt zu Sprüngen, Jahreszahlen werden selten genannt, historische Ereignisse, an denen man sich orientieren könnte, ebenso wenig. Das sind bei Weitem keine Mängel, sondern eher Hinweise darauf, dass man sich besser auf die Lektüre konzentrieren sollte als ich. Alles in allem entsteht der Eindruck, es mit einem reportagehaften Roman zu tun zu haben, der - zumindest mir - ein Detail der Geschichte in voller Farbe ausgebreitet hat, mit dem ich vorher nicht in Berührung gekommen war. Empfehlung, aber man sollte sich bewusst machen, dass man sich auf einen literarischen Langstreckenlauf einlässt.

MarleneRezension von Marlene

Wichtig! und mehr als aktuell!

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