2.5

Quallen haben keine Ohren

von Adèle Rosenfeld, Nicola Denis

Format:Hardcover
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In ihr rechtes Ohr dringen noch ein paar Töne, links herrscht Stille. Seit ihrer Kindheit befindet Louise sich in einer Zwischenwelt. Im Hellen kann Louise die Lippen der Menschen lesen. Wird es dunkler oder sind Gesichter abgewandt, driftet sie ab in einen Zustand zwischen Imagination und Realität, in einen Raum der unendlichen Möglichkeiten. Dann beginnt sie, die Hörlücken mit ihrer Fantasie zu füllen, die bevölkert ist von drei fiktiven Figuren: einem Soldaten aus dem Ersten Weltkrieg, einem Hund namens Zirrus sowie einer launischen Botanikerin, die Louise während der langen Monate des Nachdenkens und Zweifelns begleiten. Denn Louise steht vor einem radikalen Schritt: Ihr Gehör schwindet nach und nach, und die Ärzte raten ihr, ihr verbleibendes natürliches Gehör durch ein Cochlea-Implantat zu ersetzen. Um sich der Entscheidung zu entziehen, flüchtet sich Louise immer mehr in ihre Traumwelt, die ständig mit den großen Veränderungen in ihrem Leben kollidiert – einer beginnenden Liebesbeziehung, dem ersten Job bei der Stadtverwaltung, einer zerbrechenden Freundschaft. Doch die Zeit drängt, und Louise muss ihre Entscheidung treffen. Quallen haben keine Ohren taucht mit kraftvoll poetischen und überraschenden Bildern ein in die Welt der Gehörlosen. Eine junge, hörbeeinträchtigte Pariserin hat sich den Fallstricken der Sprache zu stellen und erlebt die Unzulänglichkeit von Licht und Schatten. Und zugleich zeigt sich gerade in diesem Schwebezustand die Kraft der Imagination.

Gegenwarts- & Literarische Fiktion
221 SeitenHardcover
Erschienen an: September 10, 2023

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Aktuelle Rezensionen(2)

2.5(10 ratings)
chiara 🌼Rezension von chiara 🌼

Ich wollte dieses Buch nach S. 128 nicht beenden. Es triggerte und verwirrte mich als hörbehinderte Person auf eine so unangenehme Art - was vielleicht aber auch zeigt, wie akkurat gewisse emotionale Belastungen der Hauptperson rübergebracht werden. Dennoch hätte ich mir gewünscht, zumindest zu verstehen, worum es eigentlich geht.

JuliaRezension von Julia

Bereits nach wenigen Seiten wird mir klar: dieses Buch hätte ich mir nie gekauft. Aber es ist ein Buchclubbuch - es muss gelesen werden. Also zwinge ich mich durch die Langeweile der Lektüre und notiere mir genervt am Ende jedes Kapitels, warum ich das Buch nicht mag: - Tonalität und Stil: in jedem Absatz müssen so viele Stilmittel Platz finden, das dieser für Handlung völlig fehlt. Es mäandert sich hier durch sinnlose Poesie. Die Idee dahinter: durch sprachliche Bilder das Verschwinden von Geräuschen erfahrbar machen. Aber alles ist so verspielt, dass keine echte Emotionalität aufkommen mag und viele Beschreibungen fruchten bei mir einfach nicht. - Protagonistin: Louise hängt irgendwie schief. Sie liest sich weder wie eine echte Romanfigur noch wie ein echter Mensch. Ihre Dialoge wirken hölzern, haben manchmal nur Erklärzweck. Außerdem mag ich keine Figuren mehr lesen, die ihr Dasein nur erleiden und ihr Leben nicht in die eigene Hand nehmen, die sich in die „unsichtbaren Randzonen“ manövrieren und mir von dort seitenlang Inneres vorkauen, ohne dass ich sie besser verstehe oder Gefühle erkenne. - magischer Realismus: statt Magie gibt es hier scheinbar Wahnsinn. Wir sind im Kopf der Protagonistin gefangen. Doch alles wirkt konstruiert: Sie möchte als funktionales, vernünftiges Objekt wiedergeboren werden… doch ich nehme der Figur ihren Wahnsinn nicht ab, finde ihn stilisiert, too much … Dazukommt: die Autorin befindet sich in einer ähnlichen Situation wie ihre Protagonistin. Der Roman hat womöglich etwas Autofiktionales. Wenn ich hier also davon spreche, dass ich der Figur vieles nicht abnehme, die sprachlichen Bilder konstruiert und unverständlich fühle, spreche ich der Autorin dann nicht möglicherweise ihre Erfahrungen ab? Mische mich als Hörende in Dinge ein, die ich nicht nachvollziehen kann, weil ich sie von der Position der Leserin aus bewerte? Es bleibt die Idee, dass hier ein subjektiver Standpunkt erzählt wird, der dem Marketing des Buches (ala eindrucksvolles Eintauchen in die Welt der Gehörlosigkeit) nicht standhält. „Nils Oyat schloss, dass der Soldat am Syndrom der durchlöcherten Sprache litt. „Und was ist daran krankhaft?“, fragte ich. „Krankhaft eigentlich gar nichts, es ist eher eine Frage der Klangkraft.“ Ich überlegte lange und dachte, dass die Stille, wenn sie tatsächlich zur Sprache gehörte, nicht deren Gegenteil war, sondern eine der Sprache eigene Wahrheit. Die Stille war der Ort, der euch innerhalb der Sprache bewohnen ließ. Die Stille befreite Wörter und Bilder, die von der Sprache gefangen gehalten wurden. Ich hatte mich also nicht verirrt, ich war noch auf dem Weg.“

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