Germana Fabiano, geboren 1971 in Palermo, lebt heute auf Sizilien und in Tübingen, wo sie ihre Arbeit als Autorin mit einer Dozentur für Menschenrechte an der Universität verbindet. 2009 veröffentlichte sie ihren Debütroman »Balarm« und wurde für eine ihrer Kurzgeschichten mit dem Colonna d’Eroma ausgezeichnet. Nach weiteren Publikationen ist »Mattanza« ihr erstes Buch, das auf Deutsch erscheint.
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Mattanza
von Germana Fabiano, Barbara Neeb, Katharina Schmidt
Germana Fabiano, geboren 1971 in Palermo, lebt heute auf Sizilien und in Tübingen, wo sie ihre Arbeit als Autorin mit einer Dozentur für Menschenrechte an der Universität verbindet. 2009 veröffentlichte sie ihren Debütroman »Balarm« und wurde für eine ihrer Kurzgeschichten mit dem Colonna d’Eroma ausgezeichnet. Nach weiteren Publikationen ist »Mattanza« ihr erstes Buch, das auf Deutsch erscheint.
Aktuelle Rezensionen(1)
Ein Roman über die Thunfischjagd? Als mir die Buchhändlerin meines Vertrauens „Mattanza“ von Germana Fabiano präsentierte, war ich mehr als skeptisch. Der fischige Geruch von Konservendosen stieg mir förmlich in die Nase. Was mich da wohl erwarten sollte? Zunächst die Fakten: Die Thunfischjagd in Italien, auch als „Mattanza" bekannt, ist eine meist Fischfangmethode, bei der große Thunfische in Netzen gefangen und dann mit Harpunen erlegt werden. Es geht blutig zu. Wirklich blutig. Und in diese brutale, kräftezehrende Männerwelt setzt die Autorin nun die Protagonistin Nora. Sie ist die Enkelin des Raìs, des Anführers des Thunfischfangs, und weil es auf Katria, einer kleinen Insel bei Sizilien, keinen weiteren Nachfahren des Raìs gibt, ist klar, dass zumindest ein stückweit das patriarchische System aufgebrochen werden muss, damit die archaische Tradition weiterleben kann. Nora zieht noch im Mädchenalter in das Haus ihres Großvaters ein und lernt nun den knochenschwere, auf viel Erfahrung und Intuition berufenden Fischfang. Und sie wird als erste Frau überhaupt Raìs der Inselgemeinde. Wer jetzt eine Liebesklärung an das Meer erwartet hat, wird enttäuscht. Die Protagonistin sehnt sich nach einem Leben fern der Insel und dem Alltag auf dem Boot. Das Meer ist Schauplatz von Mühsal, Gewalt und Selbstaufgabe. Gerade diese ehrliche, nicht romantisierende Perspektive auf die kleine Inselwelt hat mich als Leserin überzeugt. Noras Liebe zu ihrem Großvater und ihre Verwurzelung in der Inselgemeinde ist so tief, das sie immer weitermacht und ihre eigenen Bedürfnisse hintenanstellt. Immer und immer wieder. Auch wenn sich die Zeiten ändern und plötzlich ganz andere Lebewesen im Meer auftauchen… „Mattanza“ beschreibt den stetigen Wandel, den nicht mal eine Jahrhunderte alte Tradition aufhalten kann. Ein melancholisches Buch, das die alte Welt nicht beschönigt und ihr dennoch eine Daseinsberechtigung schenkt.