Empfehlungen basierend auf "Konzentrationslager Dachau, 1933-1945"
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von Maren Gottschalk
VON UNBESTECHLICHER MENSCHLICHKEIT: DAS LEBEN DER SOPHIE SCHOLL "Wir schweigen nicht, wir sind Euer böses Gewissen, die Weiße Rose lässt Euch keine Ruhe!", hieß es auf einem Flugblatt der kleinen studentischen Widerstandsgruppe in München, zu dessen innerem Kreis neben Alexander Schmorell und Hans Scholl dessen jüngere Schwester Sophie, Christoph Probst, Willi Graf sowie der Universitätsprofessor Kurt Huber gehörten. Selbst vor Roland Freisler sprach die 21-Jährige im Gerichtssaal unbeirrt aus, was sie dachte: "Was wir schrieben und sagten, das denken Sie alle ja auch, nur haben Sie nicht den Mut, es auszusprechen." Postum ist die Studentin, die mit ihren Freunden furchtlos die Stimme erhob gegen das NS-Unrechtsregime und den Vernichtungskrieg, tatsächlich zu einem Gewissen der Deutschen geworden. Heute ist sie weltweit eine der bekanntesten Persönlichkeiten der deutschen Geschichte. Wenige Tage nach Kriegsbeginn schrieb Sophie Scholl an ihren Freund: "Ich kann es nicht begreifen, daß nun dauernd Menschen in Lebensgefahr gebracht werden von anderen Menschen. Ich kann es nie begreifen und ich finde es entsetzlich. Sag nicht, es ist für’s Vaterland." Gestützt auf teils noch unveröffentlichte Selbstzeugnisse schildert Maren Gottschalk das so verheißungsvolle Leben Sophie Scholls, die sich nach anfänglicher Faszination für die Hitlerjugend immer entschiedener gegen den Nationalsozialismus stellt. 1942 geht sie in den aktiven Widerstand. Am 18. Februar 1943 wird sie mit nur 21 Jahren verhaftet, vier Tage später mit dem Fallbeil hingerichtet. Nicht nur die zur Ikone gewordene Widerstandskämpferin in Schwarzweiß, sondern Sophie Scholl in Farbe: lachend, lebensfroh, naturhungrig Enthält viele bisher unbekannte Passagen aus ihren Tagebüchern
von Jürgen Pettinger
Jürgen Pettinger, geboren 1976 in Linz, hat Wirtschaft & Management in Innsbruck studiert und als Redakteur und Moderator von Tirol heute im ORF- Landesstudio Tirol gearbeitet. 2012 wechselte er ins ORF-Zentrum Wien. Er moderiert die ZIB18, die ZIB Flashes, ZIB Nacht und gestaltet regelmäßig TV- und Radio-Reportagen. Für das Ö1-Radiofeature Mit einem Warmen kein Pardon. Der Fall Franz Doms wurde er mit dem Prof. Claus Gatterer-Preis und dem deutschen dokKa-Preis geehrt.
von Stanislav Zámečník
Endlich eine vollständige, wissenschaftliche Darstellung der Geschichte des Konzentrationslagers Dachau, das am 22. März 1933, zwei Monate nach der Machtübernahme Adolf Hitlers, eröffnet wurde. Dieses Instrument des Terrors wurde zum Vorbild des nationalsozialistischen Vernichtungsregimes. Das Buch stellt die Entwicklung des Lagers in drei Zeitabschnitten dar: Die erste Phase beginnt 1933 mit der Internierung politischer Gegner und der Konsolidierung des NS-Regimes bis hin zum Kriegsbeginn. Es folgt die zweite Phase: die Zunahme der Häftlingszahlen aus den besetzten Gebieten und die damit einhergehende Internationalisierung nach den militärischen Erfolgen Nazi-Deutschlands; und schließlich Phase drei: die militärische Wende 1941/42 mit der systematischen physischen Ausbeutung der Häftlinge in der deutschen Kriegswirtschaft. Durch den zurückhaltenden, präzisen Stil des Autors, der persönliche Erinnerungen mit der wissenschaftlichen Distanz des Forschers verbindet, erfahren die Lesenden die vielen Facetten des Lagers: die von der SS aufgebaute und kontrollierte hierarchische Struktur, die Häftlingskategorien, den Lageralltag, die willkürliche und eskalierende Gewalt, die Selektionen, die medizinischen Experimente und die Rolle der SS-Ärzte, die gezielte und programmierte Vernichtung, die Evakuierung des Lagers, die Typhusepidemie und die Befreiung. Stanislav Zámečník vergleicht und verweist auf viele Quellen, auf Augenzeugenberichte und entkräftet Legenden, analysiert die Solidarität unter den Häftlingen und den Widerstand im Lager, befasst sich mit der Frage der Dachauer Gaskammer und liefert neue Daten zur Zahl der Todesopfer. „Das war Dachau“ ist ein Nachschlagewerk, das dem Leser die tragische Odyssee des Häftlings durch die Welt des nationalsozialistischen Konzentrationslagers näherbringt.
von Walter Kempowski
Dies ist eine ganz und gar einzigartige Dokumentation! Man kann Walter Kempowski gar nicht genug danken für die Sisyphosarbeit, von der das 1993 erstmals erschienene "kollektive Tagebuch" Zeugnis gibt: 15 Jahre hat er Biografien, Tagebücher, Briefe, Fotos, Akten und Notizen gesichtet, ausgewählt und geordnet, um uns mit ihrer Hilfe einen ganz besonderen, originären Einblick in ein außerordentliches Kapitel Zeit- und kollektive Seelengeschichte zu ermöglichen. Der Dokumentar enthält sich jeden Kommentars und lässt die Texte der Berühmten, Berüchtigten und der zahllosen Unbekannten für sich selber sprechen. Allein die Zu- und Anordnung, von der aufwändigen Recherche einmal ganz abgesehen, ist eine Meisterleistung und macht aus dem archivarischen Konvolut große Literatur.Das Echolot für die Monate Januar und Februar 1943, dem Kempowski mittlerweile mit Fuga Furiosa, 12.1.-14.2.45 und Barbarossa '41 weitere Bände hat folgen lassen, ist ein Werk, das den Leser unweigerlich mit in die Tiefe zieht. Funksprüche stehen hier neben Liebesbriefen, Frontberichte neben Einträgen in Terminkalender, literarische Arbeitsnotizen neben Klassenbucheinträgen. Kempowski selbst hat einmal gesagt, wer sich mit dem Echolot zu befassen beginne, habe "kaum eine Chance zu entkommen". So ist es!In den montierten Stücken verliert man sich, hier und da erschrickt man, wundert und empört sich oder grübelt einem Gedanken nach -- jenem etwa, den Albert Camus unter dem Datum 10. Februar 1943 notiert hat: "Das ganze Problem des Absurden müßte sich auf eine Kritik des Werturteils und des Tatsachenurteils konzentrieren lassen." An manchen Stellen muss man sogar einmal lachen. Wenn etwa ein Zensor aus einem beanstandeten Brief zitiert: "Liebe Inge! Wenn Du wüßtest, wie es mir geht, Dir stünde der Arsch voll Tränen."Meist jedoch überwiegt ein Gefühl der Bestürzung: Bestürzung darüber, was man den Autoren allesamt voraus hat: das Wissen um das Ende -- um die Hinrichtung etwa, die Sophie Scholl nur wenige Tage nach dem 17. Februar bevorsteht, als sie an ihre Freundin Lisa Remppis schreibt: "O, ich freue mich wieder so sehr auf den Frühling." So verschlingt man Band um Band und taucht am Ende aus dem Meer fremder Erinnerungen mit einem anderen Blick auf die Vergangenheit und mit geschärften Sinnen für die Gegenwart wieder auf.Als Walter Kempowski für sein Gesamtwerk, insbesondere aber für Das Echolot 1994 mit dem Literaturpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung ausgezeichnet wurde, hat Gerd Langguth in seiner Ansprache gesagt, dies sei ein "auch im wörtlichen Sinne großes Werk von ebenso zeitgeschichtlicher wie literarischer Bedeutung -- wohl einzigartig in der Literatur unseres Jahrhunderts". Dem ist nichts hinzuzufügen! --Andreas Vierecke
Fünf Schüler/-innen und eine Lehrerin schildern abwechselnd, wie sie - fast alle Augenzeugen der Erschiessungen - den Amoklauf in Winnenden erlebten und wie es ihnen in der Zeit danach erging. Einige engagieren sich seither im äAktionsbündnis Amoklauf Winnendenä, das auf Prävention setzt. Ab 14.
von Bruno Apitz
Ein Welterfolg in neuem Licht Der Roman 'Nackt unter Wölfen', in 30 Sprachen übersetzt, erzählt die bewegende Geschichte eines dreijährigen Kindes, das unter den unmenschlichen Bedingungen des KZ Buchenwald von Häftlingen gerettet wird. Aber es handelt ebenso von den Konflikten seiner Retter, die ihrem Gewissen folgen müssen und dabei die Gesetze der Illegalität brechen. Die aussergewöhnliche Entstehungs- und Veröffentlichungsgeschichte rückt Roman und Autor nun nach über fünfzig Jahren in ein neues Licht. Diese Geschichte hat Leser in aller Welt bewegt: In einem Koffer versteckt, wird im Frühjahr 1945 ein dreijähriger Junge in das KZ Buchenwald gebracht. Wenn die SS das Kind findet, ist ihm der Tod gewiss. Mit Hilfe des illegalen Lagerkomitees könnte es verborgen werden, aber man fürchtet, die gesamte konspirative Arbeit zu gefährden. Aller Vernunft zum Trotz widersetzen sich zwei Häftlinge der Anweisung des ILK, den Kleinen mit einem Transport nach Bergen-Belsen weiterzuschicken. Herz und Gewissen siegen über die Parteidisziplin, denn das Überleben des Jungen ist längst zum Sinnbild für den Überlebenswillen der Häftlinge geworden. Der Roman entstand frei nach Motiven einer wahren Begebenheit, wurde jedoch als Tatsachenbericht und als Symbol des antifaschistischen Widerstandskampfes rezipiert. Die erweiterte Neufassung macht nun deutlich, dass Apitz die Rolle der Kommunisten viel konfliktiver anlegte und das Lagerleben gnadenloser darstellen wollte.
von Gunter Hofmann
The book describes the often difficult relationship between the two German chancellors Helmut Schmidt and Willy Brand.Gunter Hofmann, langjähriger Chefkorrespondent der "ZEIT", schildert die faszinierende Beziehung zwischen zwei berühmten Deutschen, die gegensätzlicher kaum hätten sein können. Seine intime Kenntnis der Akteure und Ereignisse, sein feines Gespür für die seelischen Konstellationen und nicht zuletzt sein glänzender Stil machen dieses Buch über zwei Weggefährten, Kanzler und Rivalen zu einer spannenden Lektüre.Der eine war im Exil gegen Hitler, der andere Wehrmachtssoldat. Der eine war Minderheitsdeutscher, der andere stand für die Mehrheit: Wenig passte zusammen in diesen Leben von Willy Brandt und Helmut Schmidt. Und dennoch, sie fanden einen Grundkonsens, der erst im hochdramatischen Streit um die "Nachrüstung" erschüttert wurde. Vielleicht gerade weil ihre Freundschaft so schwierig war, wurden zwei derart außergewöhnliche Kanzlerschaften daraus.
von Lutz Hübner, Sarah Nemitz
Potsdam, September 1929: Auf einer Terrasse über den Dächern der Stadt porträtiert die jüdische Malerin Lotte Laserstein eine Gruppe von fünf Bekannten. In ihrem Atelier setzt sie die Arbeit fort. Zunächst ist die Atmosphäre beschwingt, im Lauf der Monate bis zur Reichstagswahl 1930 kippt die Stimmung: Börsenkrach, Weltwirtschaftskrise und dann ‒ der Aufstieg der Nazis. Was bedeutet das für die einzelnen Figuren? Wie verhalten sich Menschen, die unter Druck geraten? Wer wird zum Profiteur, wer zum Opfer, und wer leistet Widerstand? Lutz Hübner und Sarah Nemitz zeigen in ihrem 2017 uraufgeführten Theaterstück eine Gesellschaft, die sich radikalisiert ‒ ein brandaktuelles Thema. Mit Anmerkungen und einem Nachwort von Sascha Feuchert.
von Peter Pilz
Ibiza-Affäre. BVT-Skandal. Postenschacher. Mitglieder der Parteispitze, die als Beschuldigte geführt werden. Die türkise "Familie" ist in eine lange Liste an Skandalen involviert. Doch es sind keine isolierten Geschehnisse, sondern Symptome eines Projekts, das seit Jahren im Hintergrund läuft: der schleichende Umbau der Republik Österreich nach Orbánschem Vorbild. Peter Pilz legt ein detailliertes Panorama der aktuellen österreichischen Politik vor. Er zeichnet Sebastian Kurz Weg an die und an der Macht nach und zeigt kenntnisreich, wie deren Absicherung durch enge Verflechtungen der ÖVP mit Medien, Justiz, Nachrichtendienst, Wirtschaftsmagnaten und potenten Spendern gelingt. Schicht um Schicht enthüllt sich dabei ein mitunter verstörendes politisches Sittenbild.