Drei Tage nach Beginn der völkerrechtswidrigen Invasion Russlands in der Ukraine im Februar 2022 erklärte der damalige deutsche Bundeskanzler die »Zeitenwende«, die nach »außen« gerichtet war. Ihre eigentliche Wirkung entfaltet sie aber inzwischen nach innen. Die Ende 2023 u.a. von Carlo Masala geforderte »innere Zeitenwende« ist Realität.
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Innere Zeitenwende
von Ingar Solty
Drei Tage nach Beginn der völkerrechtswidrigen Invasion Russlands in der Ukraine im Februar 2022 erklärte der damalige deutsche Bundeskanzler die »Zeitenwende«, die nach »außen« gerichtet war. Ihre eigentliche Wirkung entfaltet sie aber inzwischen nach innen. Die Ende 2023 u.a. von Carlo Masala geforderte »innere Zeitenwende« ist Realität.
Aktuelle Rezensionen(2)
Das Buch ist ein Paradebeispiel für die Diskussionskultur heutzutage. Solty zitiert sich entweder selbst oder Autoren desselben Dunstkreises. Über Sicherheitsexperten und Osteuropakenner wird despektierlich geschrieben. Von oben herab aus dem Elfenbeinturm wird der Gegenseite erklärt, wie unrecht sie haben. Es gibt sehr tolle Diskussionen über das Thema (bsp. Prof. Warwick und General Bühler/ generell die Veranstaltunen der Klausewitz-Gesellschaft), hier allerdings wird leider nur populistisch und emotional aufgeladen seinen Frust niedergeschrieben. Gespräche mit Menschen außer in der eigenen "bubble" würden so etwas verhindern...
Eine Starke Flugschrift gegen die Militarisierung und ihre ideologischen Schützenhelfer. In 11 kurzen Kapiteln zeigt Solty in welche Bereiche die Militarisierung vordringt (Schulen, Krankenhäuser, Pizzerien, Universitäten), mit welch heftiger Repression im Namen der Demokratie gegen die vorgegangen wird, die ihre Stimme dagegen erheben und wie sich eine postliberale, autoritäre Wende vor unseren Augen vollzieht. Solty zeigt, mit welchen rhetorischen Kniffen Politiker*innen jeder colour die Unterordnung des Individuums unter die Staatsgewalt als “sinnstiftend” oder auch einfach nur “unabdingbar” verkaufen, ohne dabei je in Gefahr zu geraten die eigenen Kinder an der Front zu verlieren. Insbesondere das Kapitel zur Mobilmachung des Nachwuchses ist bitter zu lesen. Treffend, wenn es heißt, jahrelang habe man diskutiert, ob Jugendliche Egoshooter spielen dürfen, jetzt kann man es kaum erwarten, sie mit scharfer Munition in der Kaserne auszurüsten. Bei den vielen aneinandergereihten Zitaten ist es zwar manchmal erforderlich konzentriert zu lesen, um den Faden nicht zu verlieren, diese Schreibart hat aber den Vorteil, dass man die Gleichgültigkeit jeder Menge Journalist*innen und Politiker*innen gegenüber dem Leben nochmal im O-Ton nachvollziehen kann. Dicke Empfehlung.