„Ich kann heute nicht gegen einen Wal kämpfen! Lasst mich sterben!“ Ning ist angehender Sterndeuter ohne Ambitionen zum Heldendasein. Im Auftrag der geheimnisvollen Madame Feyola verschlägt es ihn unter der Flagge einer resoluten Kapitänin auf See. Er findet sich inmitten der waghalsigsten Waljagd der Geschichte wieder: Es gilt, den Leviathan, den legendären Kaiser der Schattenwale, zu harpunieren. Aber warum scheinen so viele Seeleute an Bord nicht zu sein, was sie vorgeben? Und ahnen sie, mit welchen übernatürlichen Mächten sie sich anlegen? Im Dunkel des Wassers spiegelt sich das Schicksal wie leuchtende Sterne.
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Im Schatten des Leviathans
von Christian Vogt
„Ich kann heute nicht gegen einen Wal kämpfen! Lasst mich sterben!“ Ning ist angehender Sterndeuter ohne Ambitionen zum Heldendasein. Im Auftrag der geheimnisvollen Madame Feyola verschlägt es ihn unter der Flagge einer resoluten Kapitänin auf See. Er findet sich inmitten der waghalsigsten Waljagd der Geschichte wieder: Es gilt, den Leviathan, den legendären Kaiser der Schattenwale, zu harpunieren. Aber warum scheinen so viele Seeleute an Bord nicht zu sein, was sie vorgeben? Und ahnen sie, mit welchen übernatürlichen Mächten sie sich anlegen? Im Dunkel des Wassers spiegelt sich das Schicksal wie leuchtende Sterne.
Aktuelle Rezensionen(1)
Im Schatten des Leviathans ist nach Mutterentität ein fulminantes Sequel aus der Welt der “Die 13 Gezeichneten”. Wem schon Mutterentität gefallen hat, die/der wird Im Schatten des Leviathans lieben. Im Schatten des Leviathans ist ein aus mehreren Perspektiven erzähltes Abenteuer rund um eine Melville’sche Waljagd in einer Stranger Things-Welt mit Weltenbau-Anklängen von Ursula Le Guins Earthsea – Die Saga von Erdsee, in der mythische und profane Mächte an den Spielfiguren zerren. Dabei nutzt Christian Vogt ein diverses Setting, das in seiner bewussten Andersartigkeit herkömmlicher Phantastik den Zielen der Progressiven Phantastik folgt, nämlich der Entlarvung festgefahrener Un-Werte zu Lasten wenig gehörter Menschen jenseits der sogenannten tradierten Norm. Dabei setzt der Autor nach dem ersten Band noch einen drauf und zieht das Tempo mächtig an. Während der erste Teil noch an Land und im Untergrund spielt, wählt er für den zweiten Teil das offene Meer und begibt sich in die Fußstapfen der Urmutter der Walfanggeschichten von Ismael, Kapitän Ahab und Queequeg. Dabei sind es gerade die unwillkürlich aufflackernden Erinnerungen an den Abenteuerroman von Melville und diverser Verfilmungen kombiniert mit den gravierenden Unterschieden zur Vorlage, die die Jagd und das Beziehungsgeflecht an Bord der Kormoran (aka Pequod) so spannend und dynamisch machen. Geschickt ist auch die Verbindung von Charakteren des ersten Bandes mit der Handlung im zweiten. Die Hauptfiguren von Mutterentität werden auf ganz natürlichem Weg zu Nebenfiguren in Im Schatten des Leviathans. Neben einer Frau, die als Kapitänin das Sagen auf der Kormoran hat, sind überhaupt weibliche Charaktere wesentlich intelligenter und handlungsbestimmender als das typischerweise von männlichen Rollen übernommen wird. Das Enttarnen von vereinfachenden Klischees, Öffnen von stereotypen Schubladen und Niederreißen von Grenzmauern durchzieht beide Schattenspiel-Geschichten, ohne belehrend den Zeigefinger zu erheben, sondern führt in einer leichten Selbstverständlichkeit zu der Frage (bei mir zumindest), wieso mir derlei Muster nicht schon früher in der Phantastik aufgefallen sind. Aber die Kritik des Autors an in Stein gemeißelte, aber verstaubte und überholte Traditionen verbleibt nicht in der fiktionalen Ebene, sondern sickert, einem (hier aber hell-bunten) Schatten zwischen den Welten ähnlich in unsere Realität. Es wäre eine verwerfliche Verschwendung, würde da kein dritter Band folgen … aber zum Glück lassen diverse Andeutungen auf den letzten Seiten von Im Schatten des Leviathans Platz für Hoffnung.