4.0

Hellere Tage

von Ulrich Woelk

Format:Hardcover
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Was bleibt, wenn alles sich verändert? Wenn die Welt sich verändert, braucht es Geschichten, die Halt geben - Hellere Tage erzählt eine davon. Nach dem gefeierten Gesellschaftsroman Mittsommertage führt Ulrich Woelk seine Protagonistin Ruth Lember durch eine weitere Phase existenzieller Umbrüche und erzählt mit literarischer Eleganz vom Wandel der Werte und der Suche nach Nähe. Sein Roman ist das überzeugende Porträt einer Generation, die fühlt, wie ihre Distanz zur Gegenwart wächst. Ruth, Professorin für Philosophie an der Humboldt-Universität, lebt inzwischen allein in Berlin-Moabit. Ihre Ehe mit Ben ist Vergangenheit, die Beziehung zu seiner Tochter ist zerbrechlich und doch voller Nähe. Ihre Studentinnen und Studenten scheinen von Jahr zu Jahr jünger zu werden, der wachsende Abstand zu ihnen beunruhigt Ruth ebenso wie die Spaltung der Gesellschaft. Dann tun sich auch im Privaten, der sicher geglaubten Vergangenheit, Risse auf: Der Tod ihres Vaters konfrontiert Ruth mit einem Familiengeheimnis, das ihre Identität erschüttert. Mit feiner Ironie und großer Empathie zeichnet Woelk das Porträt einer Frau, die sich den Fragen ihrer Zeit stellt. Hellere Tage ist ein kluger, berührender Gesellschaftsroman über Generationen, Identität und den Wunsch, uns zugehörig zu fühlen - ein literarischer Spiegel unserer Gegenwart.

Gegenwarts- & Literarische Fiktion
317 SeitenHardcover
Erschienen an: February 13, 2026

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Aktuelle Rezensionen(1)

4.0(1 ratings)
BrittaRezension von Britta

„Hellere Tage“ von Ulrich Wölk ist ein Gesellschaftsroman unserer Zeit, der viele aktuelle Themen aufgreift und sie in die Lebensrealität seiner Figuren einbettet. Themen wie politischer Extremismus, sexuelle Orientierung, Umwelt- und Klimaschutz fließen in die Handlung ein ohne dass der Roman dabei belehrend wirkt. Stattdessen entsteht beinahe eine Chronik unserer Gegenwart, die zeigt, welche Fragen und Konflikte unsere Gesellschaft derzeit beschäftigen. Im Mittelpunkt des Romans steht die Ethikprofessorin Ruth, Mitte fünfzig, die sich nach der Affäre ihres Mannes Ben plötzlich neu orientieren muss. Sie sucht nach Nähe, Liebe und Sexualität, streitet gleichzeitig mit ihrem Ex um eine Immobilie und versucht weiterhin eine enge Beziehung zu ihrer Stieftochter Jenny aufrechtzuerhalten. Parallel dazu wird sie von ihrer Vergangenheit eingeholt. Vor Jahren war sie an einem linksextremistischen Anschlag auf einen Strommast beteiligt, was berufliche Konsequenzen für sie hatte. Hinzu kommen der Tod ihres Vaters und ein Geheimnis, das dieser ihr zeitlebens verschwiegen hat. Dadurch stellt sich Ruth zwangsläufig die Frage, wie gut sie ihn eigentlich wirklich kannte. Ihr Leben gerät zunehmend ins Wanken. Besonders gelungen fand ich Ruth als Figur. Ihr Seelenleben wird offengelegt. Sie ist intellektuell, reflektiert, aber auch verletzlich. Gerade ihre Gedanken über gesellschaftliche Entwicklungen machen den Roman interessant. Auch die Beziehung zu Jenny ist glaubwürdig geschrieben. Ruth bemüht sich ehrlich um einen guten Kontakt zu ihrer Stieftochter, hört ihr zu und ist bereit, sich auf ihre Sichtweisen einzulassen. Gleichzeitig merkt man, wie sehr Jenny zu Ruth aufblickt. Sie möchte selbst rebellisch und aktivistisch sein, erkennt aber schnell, dass sie an ihre Grenzen stößt und Ruth in ihrer Jugend deutlich kompromissloser und mutiger war. Sehr amüsant war zudem die Szene, in der Jenny für ihren Freund ein Steak kaufen möchte, es an der Kasse jedoch zurücklegt, nachdem sie dort eine alte Bekannte trifft. Die Scham darüber, in bestimmten Kreisen mit Fleischkonsum negativ aufzufallen, beschreibt Woelk äußerst treffend. Gerade solche kleinen Momente halten unserer heutigen Gesellschaft einen Spiegel vor und machen den Roman so zeitnah. Trotz vieler starker Ansätze hätte ich mir an manchen Stellen allerdings mehr Tiefe gewünscht. Einige Themen werden eher angerissen als wirklich ausgearbeitet. Die Homosexualität von Ruths Vater verläuft beispielsweise etwas im Sande, ebenso die beginnende Affäre mit dem unter RAF-Verdacht stehenden Harald. Andererseits passt genau das vielleicht auch zum Konzept des Romans. Denn nicht jede Geschichte findet eine klare Auflösung, manches verliert sich einfach im Alltag und bleibt fragmentarisch, genau wie im echten Leben. „Hellere Tage“ ist ein Roman über gesellschaftliche Umbrüche, persönliche Krisen und die Frage, wie man sich selbst immer wieder neu erfindet. Trotz aller Schwere bleibt am Ende ein hoffnungsvoller Ton zurück und die leise Erinnerung daran, dass nach dunklen Zeiten eben doch wieder hellere Tage kommen können. Für mich ein kluger, aktueller und sehr menschlicher Roman.

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