EINE ITALIENISCHE GESPENSTERSTORY Liebe Dottoressa … Als die Journalistin Filomena Quarta die Villa ihres Vaters im süditalienischen Palude del Salento erbt, beschließt sie, ihr altes Leben hinter sich zu lassen. Weg aus Mailand, weg von ihrer gescheiterten Ehe, zieht es sie nach Hause, zu den Sümpfen, den Olivenbäumen und der Sommerhitze, zurück in die Dimora Quarta. Das Haus, das Filomena zuletzt betreten hatte, als sie sechs Jahre alt war – und dort über den Geist von Orlando Trispét stolperte. Es ist schwierig, den genauen Zeitpunkt zu bestimmen, an dem die Legende von Orlando Trispét fester Bestandteil des Aberglaubens hier in Palude geworden ist. Aber seither hat Palude nur einen Namen für Filomena: das Mädchen, das die Toten sieht. Alte und neue Geister Viele Jahre sind vergangen, und Filomena ist kein Kind mehr; die Schatten, die sie damals gesehen hat, sind vielleicht schon lange verschwunden … Gemeinsam mit Kindheitsfreund*in Alba beschließt sie, die Villa in Ferienwohnungen umzubauen. Zwar liegt Palude nicht am Meer, aber einen Versuch ist es doch sicher wert? Gleichzeitig muss Filomena endlich an ihrem Romanprojekt arbeiten, denn Mary Shelley und Jane Williams tanzen ihr schon viel zu lange im Kopf herum. Beide stehen ihr näher, als sie denkt. Doch je länger Filomena in der Dimora Quarta ist, desto mehr heischen die Schemen der Vergangenheit um ihre Aufmerksamkeit, nehmen Form an, werden Fleisch und Blut. In jedem Zimmer spürt Filomena einen unsichtbaren Atem auf sich, und sie weiß, sie ist hier nicht allein. Die Villa der schreibenden Frauen Marina Pierri lässt Mary Shelley und Shirley Jackson bei Filomena einziehen, sie bei der Recherche zu ihrem eigenen Roman unterstützen. So ist auch Marina Pierris Schauerroman eine kluge, atmosphärisch aufgeladene, feministische Aneignung des klassischen Gruselgenres. Hier verlangen Frauen nach ihren Geistern, haben den Spuk und den Horror selbst in der Hand. „Gotico salentino“ ist eine Hommage, ein Liebesbrief an all die Frauen, die das Genre der Gothic-Literatur begründet haben.
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Gotico salentino
von Marina Pierri, Elisa Harnischmacher
EINE ITALIENISCHE GESPENSTERSTORY Liebe Dottoressa … Als die Journalistin Filomena Quarta die Villa ihres Vaters im süditalienischen Palude del Salento erbt, beschließt sie, ihr altes Leben hinter sich zu lassen. Weg aus Mailand, weg von ihrer gescheiterten Ehe, zieht es sie nach Hause, zu den Sümpfen, den Olivenbäumen und der Sommerhitze, zurück in die Dimora Quarta. Das Haus, das Filomena zuletzt betreten hatte, als sie sechs Jahre alt war – und dort über den Geist von Orlando Trispét stolperte. Es ist schwierig, den genauen Zeitpunkt zu bestimmen, an dem die Legende von Orlando Trispét fester Bestandteil des Aberglaubens hier in Palude geworden ist. Aber seither hat Palude nur einen Namen für Filomena: das Mädchen, das die Toten sieht. Alte und neue Geister Viele Jahre sind vergangen, und Filomena ist kein Kind mehr; die Schatten, die sie damals gesehen hat, sind vielleicht schon lange verschwunden … Gemeinsam mit Kindheitsfreund*in Alba beschließt sie, die Villa in Ferienwohnungen umzubauen. Zwar liegt Palude nicht am Meer, aber einen Versuch ist es doch sicher wert? Gleichzeitig muss Filomena endlich an ihrem Romanprojekt arbeiten, denn Mary Shelley und Jane Williams tanzen ihr schon viel zu lange im Kopf herum. Beide stehen ihr näher, als sie denkt. Doch je länger Filomena in der Dimora Quarta ist, desto mehr heischen die Schemen der Vergangenheit um ihre Aufmerksamkeit, nehmen Form an, werden Fleisch und Blut. In jedem Zimmer spürt Filomena einen unsichtbaren Atem auf sich, und sie weiß, sie ist hier nicht allein. Die Villa der schreibenden Frauen Marina Pierri lässt Mary Shelley und Shirley Jackson bei Filomena einziehen, sie bei der Recherche zu ihrem eigenen Roman unterstützen. So ist auch Marina Pierris Schauerroman eine kluge, atmosphärisch aufgeladene, feministische Aneignung des klassischen Gruselgenres. Hier verlangen Frauen nach ihren Geistern, haben den Spuk und den Horror selbst in der Hand. „Gotico salentino“ ist eine Hommage, ein Liebesbrief an all die Frauen, die das Genre der Gothic-Literatur begründet haben.
Aktuelle Rezensionen(1)
Nach dem Tod ihres Vaters kehrt Filomena nach Palude im italienischen Salento zurück. Da steht sie wieder vor den Mauern ihrer Kindheit. Dort, wo alles begann und wo sie ihre Vergangenheit eigentlich zurückgelassen hatte. Sie erbt die Familienvilla, möchte Mailand den Rücken kehren, an ihrem Roman arbeiten und aus dem Anwesen ein Bed & Breakfast machen. Doch die Vergangenheit ist noch lange nicht vorbei. Filomena konnte schon als Kind Geister sehen und genau das machte ihre Familie einst zu Außenseitern im Dorf. Nun scheint der alte Spuk zurückzukehren. Ich habe zu diesem Buch gegriffen, weil mich der Klappentext sofort angesprochen hat. Feministische Gothic, italienisches Setting und eine geheimnisvolle Familiengeschichte, das klang genau nach meinem Geschmack. Leider konnte mich die Geschichte zunächst nicht so abholen, wie ich es mir erhofft hatte. Erzählt wird alles über E-Mails von Filomena an ihre Therapeutin. Diese Briefform hat mich anfangs ziemlich überfordert. Die Handlung wirkte auf mich chaotisch, sprunghaft und sehr unruhig. Mir fehlte über weite Strecken ein roter Faden. Die vielen detaillierten Beobachtungen haben für mich eher Tempo herausgenommen, statt mich tiefer in die Geschichte hineinzuziehen. Dazu kamen viele italienische Namen, Orte und zahlreiche Figuren, bei denen ich oft erst einmal sortieren musste, wer eigentlich wer ist und ob manche Personen vielleicht sogar schon Geister sind. Statt eines gruseligen Schauerromans erwartet einen eher ein Familiendrama mit übernatürlichen Elementen. Die Gothic-Elemente bleiben für mich leider oft eher theoretisch als wirklich spürbar. Ich hatte deutlich mehr Grusel und eine stärkere Beklemmung erwartet. Filomena ist eine Protagonistin mit Ecken und Kanten. Besonders gefallen hat mir, wie sich gemeinsam mit ihren Freunden Alba und Antonio Stück für Stück die Vergangenheit entblättert. Mein Fazit: Wer einen klassischen Horrorroman erwartet, sollte seine Erwartungen anpassen. Gotico Salentino lebt nicht von Schockmomenten, sondern von einer langsam wachsenden, geheimnisvollen Atmosphäre, eingebettet in eine Familiengeschichte mit italienischem Flair. Für mich war es insgesamt ein durchwachsenes Leseerlebnis, dessen zweite Hälfte deutlich stärker war als der Beginn.