»Ein trotz der Schwere des Inhaltes hoffnungsfrohes Buch, das motiviert, sich nicht in die bequeme Hoffnungslosigkeit von uns Privilegierten zu flüchten und dabei einfach weiterzumachen wie bisher. […] Das Lesen dieses Weckrufes und Mutmachers ist sicher ein erster Schritt in die richtige Richtung. Wir haben die Wahl! « Rébecca Kunz, Spuren, Heft 149, Herbst/Winter 2023
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Gegen die Ohnmacht: Meine Großmutter, die Politik und ich
von Luisa Neubauer, Dagmar Reemtsma
»Ein trotz der Schwere des Inhaltes hoffnungsfrohes Buch, das motiviert, sich nicht in die bequeme Hoffnungslosigkeit von uns Privilegierten zu flüchten und dabei einfach weiterzumachen wie bisher. […] Das Lesen dieses Weckrufes und Mutmachers ist sicher ein erster Schritt in die richtige Richtung. Wir haben die Wahl! « Rébecca Kunz, Spuren, Heft 149, Herbst/Winter 2023
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„Ohnmacht ist eine Machtasymmetrie, wenn man glaubt, einer Situation, einer bestimmten Dynamik wenig entgegensetzen zu können. Daraus resultiert Sprachlosigkeit, Entfremdung oder emotionale Flucht.“ Zwischen Luisa Neubauer und Dagmar Reemtsma liegen 63 Jahre. Dagmar ist als Kriegskind geboren und Luisa ist in Friedenszeiten aufgewachsen. Was niemand ahnte, trotz des Altersunterschiedes, ist der Krieg in Europa. Schon sehr früh besprechen Enkelin und Oma alles zusammen. „Mit den Jahren wurden unsere Bastelproblemen immer mehr zu politischen Problemen. Wir zogen vom Keller rauf in die Küche, statt darüber zu grübeln, wie der Puppenstuhl verleimt werden kann, diskutierten wir, wie Gesellschaften zusammenhalten, die Wirkung von Artenschutzabkommen oder welche Entscheidungen in der Hamburger Bürgerschaft anstanden.“ In zwölf schön betitelten Kapiteln sind immer wieder persönliche Themen, Gespräche oder Zitate zu finden, die dieses Buch in meinen Augen eine schöne Kontur und Form geben. Denn nichts wollen Menschen mehr hören als Erfahrungen und/oder Erzählungen aus einer anderen Vergangenheit. Zu Recht, denn so kommen Menschen sich - soziologisch betrachtet - viel näher. Menschen suchen Verbindungen zueinander, um sich nicht komplett einsam zu fühlen. Über Privilegien bis hinzu Empörung sind sich die Aktivistinnen Dagmar und Luisa sehr bewusst. Diesen beiden beeindruckenden Menschen gelingt es mit so viel erlebten Dinge und Hiobsbotschaften, trotzdem weiterzumachen. Vor allem zeichnet sich dieser hoffnungsvolle Schimmer bei Dagmar ab. Wir kriegen Einblicke in die NS-Zeit mit, als Dagmars Vater im KZ ums Leben kommt. Dagmar war schon Aktivistin, bevor Luisa zu Welt kam. Sie setzte sich, vor allem aber für die Ungerechtigkeit der Näharbeiter_innen des Großkonzerns Adidas ein: Sie forderte gerechte Löhne und Menschenrechte ein! Nach 90 Jahren hat sie noch Hoffnung! Denn für beide ist klar, dass „der entscheidende Moment, in dem Druck wirkt und etwas ins Wanken kommt, ist das am besten gehütete Geheimnis derjenigen, die sich bis zuletzt dagegen gewährt haben. Diejenigen, die nie ein Interesse daran hatten, dass Widerstand Erfolg hat, werden auch niemals die ermächtigende Geschichte dahinter erzählen.“ „Wer genau hinschaut, der erkennt, dass ich überall Wunderkerzen–Momente verbergen, die Menschen inspirieren und Macht erwachsen lassen. (…) Menschen setzen sich nicht überall auf der Welt ein, weil sie wissen, dass das alleine reicht. Sondern weil sie wissen, dass es irgendwer irgendwo anders auch tut. Weil sie wissen, dass jemand sie zählt.“