3.5

Fast wie ein Bruder

von Alain Claude Sulzer

Format:Hardcover
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Entlang der gemeinsamen Lebensgeschichte zweier grundverschiedener Männer ergründet Alain Claude Sulzer existenzielle Fragen über Freundschaft und Abschied,(Homo-)Sexualität, Kunst und Ruhm.Im Ruhrgebiet der Siebziger wachsen sie auf wie Brüder. Doch anders als den Ich-Erzähler zieht es Frank früh hinaus in die Welt: Er will als Künstler leben, geht nach New York, malt wie besessen, jedoch ohne Erfolg. Erst als er unheilbar krank ist, kehrt er zurück.Nach langer Zeit begegnen sich die Freunde am Sterbebett zum letzten Mal. So unterschiedlich ihre Lebensläufe, so tief ist die in der Kindheit geknüpfte Verbindung. Und so landen die Bilder aus Franks Nachlass von nun an gut verpackt in der Remise des Erzählers – dem nicht nur Franks Homosexualität stets fremd geblieben ist, sondern auch dessen Kunst.Jahrzehnte später entdeckt er die Bilder zufällig in einer Galerie. Rätselhaft, wie sie dort hingelangt sind – und welch eigentümliche Anziehungskraft sie besitzen: Die Kunstwelt feiert den unbekannten Maler als Genie, und auch der Erzähler erkennt endlich die Faszination, die von den Werken des Freundes ausgeht. Und mehr noch: Im großformatigen Gemälde eines nackten Mannes erkennt er sich selbst. 

Gegenwarts- & Literarische Fiktion
192 SeitenHardcover
Erschienen an: August 15, 2024

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Aktuelle Rezensionen(1)

3.5(2 ratings)
OststadtLese86Rezension von OststadtLese86

Die erste beste Freundin oder der erste beste Freund – jeder von uns kann sich an diesen besonderen Menschen erinnern. Toni Morrison trifft es in Liebe auf den Punkt, wenn sie von der ersten selbst gewählten Liebe spricht. Oft driftet diese Freundschaft auseinander, manchmal schleichend, manchmal durch einen konkreten Vorfall, wie in Fast wie ein Bruder von Alain Claude Sulzer. Der Roman spürt dem Leben zweier Freunde nach, die sich voneinander entfernen und er verfolgt ihre Karrieren als Künstler und Kameramann. Der frühe Tod von Frank, dem Künstler, wird Dreh- und Angelpunkt der Handlung. Der Ich-Erzähler ringt mit seinen Worten, wenn er versucht über das Sterben und den Abschied zu berichten. Das wirkt auf mich vertraut und dennoch stolperte ich an mancher Stelle der Schilderungen, denn diese Sprachlosigkeit mündet mitunter in eine befremdlich nüchterne Sprache. Im zweiten Teil des Romans nimmt die Handlung überraschend an Fahrt auf. Eine unerhörte Begebenheit (!) weckt plötzlich das Interesse des Ich-Erzählers an Franks Kunst. Nun könnte man fast von einer Künstlernovelle sprechen - der Protagonist taucht zum ersten Mal wirklich ein in die Welt von Franks Kunst. Plötzlich weicht die Sprachlosigkeit und Nüchternheit des ersten Teils des Buches einer neuen Sprache, die die Gemälde Franks, ihre Farben, Eindrücke und Erinnerungen in den Blick nimmt. Der Ich-Erzähler hat einen Zugang zum Verstorbenen über sein Werk gefunden und damit eine Möglichkeit, seinem Freund so nahe wie vielleicht nie zuvor zu sein. Für mich ist Sulzers Roman deshalb auch ein Roman über die Kraft der Kunst. Sie kann buchstäblich Grenzen überwinden. Der Roman endet mit einem Schlusszitat aus E.T.A. Hoffmanns Goldenen Topf, das für eine Erzählweise plädiert, in der das Unerwartete und Fantastische im Vordergrund steht. Gerade dieses Schlusszitat hat mir als Leserin nochmal zu denken gegeben: Haben wir es hier am Ende mit einem unzuverlässigen Ich-Erzähler zu tun, der das Autobiografische nicht gar zu ernst nimmt?

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