3.9

Eine Arbeiterin

von Didier Eribon, Sonja Finck

Format:Hardcover
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»Das ist also das Leben meiner Mutter gewesen, dachte ich, das Leben und das Alter einer Arbeiterin. Noch wusste ich nicht, dass ich dieser Aufzählung bald ein drittes Wort würde hinzufügen müssen.« Eigentlich hatte Didier Eribon sich vorgenommen, ab jetzt regelmäßig nach Fismes zu fahren. Doch seine Mutter stirbt wenige Wochen nach ihrem Umzug in ein Pflegeheim in dem kleinen Ort in der Champagne. Wie in Rückkehr nach Reims wird dieser Einschnitt zum Ausgangspunkt für eine Reise in die Vergangenheit. Eribon rekonstruiert die von Knappheit und Zwängen bestimmte Biografie einer Frau, die an einen brutalen Ehemann gekettet blieb und sich sogar in ihren Träumen bescheiden musste. »Meine Mutter«, hält er fest, »war ihr ganzes Leben lang unglücklich.« Didier Eribons neues Buch ist hochpolitisch: Er legt schonungslos dar, wie sehr die Politik, aber auch die Philosophie, ja wir alle die skandalöse Situation vieler alter Menschen lange verdrängt haben. Zugleich erweist er sich erneut als großer Erzähler: Anhand suggestiver Episoden und berührender Erinnerungen zeigt er, wie wichtig Familie und Herkunft für unsere Identität sind. Er kauft ein Dialekt-Wörterbuch, um noch einmal die Stimme seiner Mutter im Ohr zu haben. So entfaltet der Soziologe das Porträt einer untergegangenen Welt: des Milieus der französischen Arbeiterklasse – mit ihren Sorgen, ihrer Solidarität, ihren Vorurteilen.

Biografien & Memoiren
272 SeitenHardcover
Erschienen an: March 10, 2024

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Aktuelle Rezensionen(2)

3.9(15 ratings)
JRezension von J

War mir zwischendrin zu theoretisch und „langweilig“ geschrieben. Aber schöne und neue Gedanken übers Altern.

Christopher Rezension von Christopher

Didier Eribon verbindet in „Die Arbeiterin“ eine persönliche Familiengeschichte mit kritischer Gesellschaftsanalyse. Er schildert das Leben seiner Mutter eindringlich und detailliert: Ihren Werdegang von der jahrelangen, körperlich anstrengenden Fabrikarbeit über den Alltag als Arbeiterin bis hin zum fortschreitenden Verfall im französischen Pflegesystem, das sie gegen Ende ihres Lebens zunehmend allein ließ und nicht angemessen versorgte. Eribon beschreibt auch immer wieder die eigenen Gefühle zu seiner Mutter und Herkunft. Themen, die er bereits in seinen beiden Werken „Rückkehr nach Reims“ und „Gesellschaft als Urteil“ behandelte. Er verknüpft das kleine, persönliche Schicksal also auch immer wieder mit größeren Themen und Zusammenhängen: Klassenungleichheit, politische Missstände, Rassismus, Homophobie. Eribon bezieht dabei immer wieder auch andere Denker*innen und Autor*innen wie Michel Foucault, Simone de Beauvoir, Annie Ernaux oder Norbert Elias in seine Analyse mit ein, was mir auch sehr gut gefallen hat. Mir hat das Buch insgesamt gut gefallen, auch wenn ich es an einigen Stellen etwas zu ausschweifend und redundant fand.

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