5.0

Drecksau

von Irvine Welsh

Format:Softcover

Für Sergeant Bruce Robertson gibt es Schöneres zu tun, als zu arbeiten: nette Beschäftigungen auf der Herrentoilette, kleine Intrigen gegen Kolleginnen oder auch ein Kurztrip nach Amsterdam, ins Drogen- und Sexparadies. Ärgerlich, daß er dann doch noch einen Mord aufklären soll, aber vielleicht springt ja für ihn was dabei raus. Immer tiefer sinkt Robertson in die Abgründe menschlichen Seins. Widerstand gegen das Böse kommt von unerwarteter Seite: Der Bandwurm, der den Polizisten schon seit längerem quält, kommentiert ungefragt die Schweinereien seines Wirts.Die Dinge stehen schlecht für die »Drecksau«, aber in einem Roman von Irvine Welsh ist es nie so schlimm, daß es nicht noch schlimmer kommen könnte. - Kurz nach Erscheinen der englischen Ausgabe versuchte die britische Polizei, eine einstweilige Verfügung gegen ›Drecksau‹ zu erwirken, weil sie sich durch den Roman beleidigt fühlte. Doch auch diese Aktion konnte nicht verhindern, daß der Roman lange auf Platz 1 der britischen Bestsellerliste stand.

Mystery, Thriller, Horror & Crime
455 SeitenSoftcover
Erschienen an: 2002

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Aktuelle Rezensionen(1)

5.0(2 ratings)
☆kati☆Rezension von ☆kati☆

Bruce Robertson - ein rassistischer, sexistischer, pornographischer, korrupter, drogennehmender Bulle der Mordkommission aus Edinburgh. Nichts ist ihm heilig, empathielos bis ins Mark. Robertson gilt in Literaturkreisen als eine der widerwärtigsten Figuren der Neuzeit, wird als Ekel, Abschaum und menschlicher Abgrund beschrieben. In Fankreisen erlangt er trotzdem Kultstatus, was wohl daran liegen mag, dass das Buch aus der Sichtweise des Bruce Robertson geschrieben ist und dadurch sein fieser, vulgärer, roher und bösartiger Charakter besonders gut zur Geltung kommt. Welsh bedient sich dabei der niedersten Fäkalsprache, was dazu verleiten könnte, das Buch relativ schnell wieder wegzulegen, weil es einfach nur abstoßend, geschmacklos und abartig ist wie Bruce redet, denkt und fühlt. Doch bleibt man als Leser dran, wird man mit rabenschwarzem Humor belohnt und man empfindet für Bruce tatsächlich Sympathie. Denn Bruce ist nicht nur die widerwärtigste Figur der literarischen Neuzeit sondern auch die meist missverstandenste Figur. Welsh gibt tiefe psychische Einblicke in einen bipolaren Geist, der aufgrund seiner Lebensumstände posttraumatischer Natur zu dem geworden ist, was er ist. Mit seinen Drogen- und Alkoholexzessen zerstört sich Bruce selbst, permanenter Sex und Masturbation dienen der mentalen Druckentweichung. Dabei wird die gesamte Selbstzerstörung durch einen parasitären Bandwurm ersichtlich gemacht, der sich als Moralapostel in Bruce Innerstes aufspielt. Die Geister scheiden sich an Bruce Robertson und ich gebe zu, ich mag ihn und habe Empathie für diese Drecksau, den ich tatsächlich als Opfer und nicht als Täter betrachten möchte. Drecksau - ein bemerkenswert gutes, intelligentes Buch, was ich wirklich empfehlen möchte.

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