4.0

Die Stimmen der Nacht

von Tochi Eze, Agnes Krup

Format:Hardcover
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Lagos, 1960er Jahre: In einer Stadt voller Energie und Aufbruchsstimmung nach der Unabhängigkeit, lernt die selbstbewusste Margaret den in Großbritannien geborenen Benjamin kennen, der eine nigerianische Großmutter hatte und auf der Suche nach seinen Wurzeln ist. Sie verlieben sich und entdecken schon bald, dass sie mehr gemeinsam haben, als sie dachten. Aber dann wird Margaret psychisch immer labiler, und die Schatten jahrzehntealter Ereignisse in einem kleinen Dorf weit weg von Lagos bringen langsam aber unaufhaltsam den Bruch ... Ein mitreißender Roman über Schuld, Glaube und kulturelle Identität - und die Stärke der Frauen in einer patriarchalischen Welt. »Ein vielschichtiges Debüt, in dessen verschlungener Chronologie sich die Wechselwirkungen zwischen Familien- und Zeitgeschichte spiegeln.« NEW YORKer

Gegenwarts- & Literarische Fiktion
352 SeitenHardcover
Erschienen an: March 30, 2026

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Aktuelle Rezensionen(1)

4.0(1 ratings)
nessaboRezension von nessabo

Anspruchsvolle Familiengeschichte und eine spannende literarische Stimme „Die Stimmen der Nacht“ ist ein literarisch anspruchsvolles Debüt mit einer wichtigen Perspektive. Ich habe echt eine Weile gebraucht, um in die Figurenwelt einzufinden - ein selbst gezeichneter Stammbaum hat mir im Laufe der Handlung dann sehr geholfen. Es bietet sich eindeutig an, den Roman so gut es geht am Stück zu lesen, weil er einfach sehr dicht ist. Meine persönliche Herausforderung war Margaret als eine Person mit Schizophrenie. Einerseits finde ich die Darstellung der Figur sehr sensibel und ich ziehe meinen Hut vor dem Talent Tochi Ezes, hier nicht in Klischees abzudriften und dann auch noch die Balance zu wahren zwischen moderner Psychiatrie und kulturell-religiösem Umgang. Andererseits wird Margaret damit auch zu einer für mich unberechenbaren sowie leicht unzuverlässigen Figur und mit solchen habe ich immer meine Schwierigkeiten. Das ist aber einfach eine persönliche Präferenz. Der Roman ermöglicht den Leser*innen spannende Einblicke in eine Kultur, die literarisch bislang wenig Aufmerksamkeit erhält. Ich fand es sehr geschickt, wie die Autorin koloniale Taten und das damit einhergehende Erbe sowie konkrete Identitätsfragen in die Geschichte einwebt - wobei sie hier auch gern noch deutlicher hätte werden können. Stark war auf jeden Fall die Herausstellung patriarchalen Anspruchsdenkens über die Zeit und Ländergrenzen hinaus. Ein ambivalenter Punkt ist die Dichte der Erzählung, die zwar wirklich bemerkenswert ist, allerdings auch dazu führt, dass mir die Figuren weitläufig eher distanziert blieben. Die Handlung wird trotz aller Komplexität jedoch sehr atmosphärisch und authentisch beschrieben, lokale Sprache klug eingesetzt und für Nicht-Sprachkundige elegant im Erzählfluss übersetzt. Ein Werk, das definitiv mit hohem literarischen Anspruch daherkommt und eine vielschichtige Familiengeschichte geschickt ineinanderspinnt. Durch die vielen Nebenerzählungen, komplexen Figurenverflechtung und verschiedenen Zeitebenen hat mir das Buch einiges abverlangt und dadurch auch die Emotionalität ein wenig in den Hintergrund verschoben, obwohl mich die Geschichte gerade in der zweiten Hälfte sehr fesseln konnte. Eze hat hier wirklich einen sehr würdigen Debütroman geschrieben, der viele Leser*innen verdient hat.

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