4.0

Die Idee des Sozialismus

von Axel Honneth

Format:Hardcover

»Soziale Freiheit ist die eigentliche Idee des Sozialismus.« Die Idee des Sozialismus, die der Empörung über die kapitalistischen Lebensbedingungen für mehr als 150 Jahre normativen Halt und geschichtliche Orientierung gegeben hat, scheint heute jegliche Zugkraft verloren zu haben. Trotz eines wachsenden Unbehagens lässt sich gegenwärtig jedenfalls kaum jemand dazu hinreißen, in ihrem Namen noch einmal Vorstellungen einer Lebensform jenseits des Kapitalismus zu entwerfen. Wie ist das rapide Veralten dieser einst so faszinierenden Idee zu erklären? Und was müssen wir tun, wenn wir sie für unsere Zeit retten wollen? Die Idee des Sozialismus hat ihren Glanz verloren, so Axel Honneth in seinem luziden politisch-philosophischen Essay, weil in ihr theoretische Hintergrundannahmen am Werk sind, die aus der Zeit des Industrialismus stammen, nun aber, im 21. Jahrhundert, keinerlei Überzeugungskraft mehr besitzen. Sie müssen ersetzt werden, und zwar durch Bestimmungen von Geschichte und Gesellschaft, die unserem heutigen Erfahrungsstand angemessen sind. Nur wenn das gelingt, kann das Vertrauen in ein Projekt zurückgewonnen werden, das nach wie vor zeitgemäß ist und auch einschließt, die Wirtschaft nach Maßgabe einer solidarisch verstandenen Freiheit zu gestalten.

Geschichte, Geistes- & Gesellschaftswissenschaften
168 SeitenHardcover
Erschienen an: October 6, 2015

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Aktuelle Rezensionen(1)

4.0(1 ratings)
BastianRezension von Bastian

Axel Honneths Werk überzeugt weniger durch endgültige Antworten als vielmehr durch seine anregende Kraft. Es gehört zu den großen Stärken des Buches, den Leser zum Weiterdenken und zur kritischen Auseinandersetzung zu bewegen. Gerade im Hinblick auf die prägenden gesellschaftlichen Grundideen des 20. Jahrhunderts wird deutlich, dass weder der Kapitalismus in seiner aktuellen Form noch der historisch realisierte Sozialismus die zentralen Probleme der Menschheit zufriedenstellend lösen konnten. Während viele zeitgenössische Philosophen und Gesellschaftstheoretiker sich auf die Weiterentwicklung eines bestehenden kapitalistischen Systems beschränken und alternative Modelle vorschnell als gescheitert abtun, geht Honneth einen anderen Weg. Er hinterfragt diese scheinbar unumstößliche Haltung und vermeidet einfache Erklärungen wie den pauschalen Verweis auf einen „Bankrott des Systems“. Stattdessen analysiert er differenziert die vielfältigen Ursachen für das Scheitern früherer sozialistischer Ansätze. Besonders hervorzuheben ist dabei sein Mut, sich auch mit Ideen auseinanderzusetzen, die heute oft vorschnell als überholt oder diskreditiert gelten. Honneth eröffnet die Perspektive, den Sozialismus nicht als abgeschlossenes Kapitel zu betrachten, sondern als eine Idee, die unter veränderten Bedingungen neu gedacht und möglicherweise in eine moderne Lebenswirklichkeit überführt werden kann. Insgesamt ist das Werk weniger eine fertige Theorie als vielmehr ein Denkanstoß. Es fordert dazu auf, gewohnte Annahmen zu hinterfragen und eröffnet Räume für neue gesellschaftliche Entwürfe. Genau darin liegt seine eigentliche Stärke.

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