3.5

Die außergewöhnlich gelungene Erziehung der Frida Wolf

von Maria Kager, Lisa Mensing

Format:eBook

Jede Familie ist anders. Besonders Fridas. Ein herrlich skurriler, herzzerreißender Coming-of-Age-Roman über das Aufwachsen als Tochter eines Gefängnisdirektors. Timofey Wolf Fridas Vater ist der Rolle des Gefängnisdirektors ebenso wenig gewachsen wie seiner Vaterrolle. Er raucht und trinkt zu viel, zitiert in einer Tour große Literaten und hat ein Verhältnis zu seinem Handstaubsauger, das manche obsessiv nennen würden. Er kann sich einfach nicht merken, wie alt Frida ist, und in seinem Bestreben, eine wehrhafte Frau aus ihr zu machen, schießt er deutlich übers Ziel hinaus. Seinen Häftlingen fühlt er sich näher als seinen Kollegen bei der Justiz, aber für die vielen Ausbrüche in jüngster Zeit kann er wirklich nichts. Constance Wolf Fridas Mutter ist eine renommierte Kinderpsychiaterin und ständig auf Kongressen unterwegs. Zu Hause widmet sie sich aufopferungsvoll der Therapie des »Schreimädchens« – eines verhaltensgestörten Mädchens, auf das Frida rasend eifersüchtig ist. Um die Aufmerksamkeit ihrer Mutter auf sich zu ziehen, täuscht Frida Zwangsneurosen vor und platziert Fachbücher über Selbstmord bei Kindern und Jugendlichen prominent auf ihrem Nachttisch. Und Frida Wolf? Als ein tragischer Unfall das fragile Gleichgewicht der Familie zum Kippen bringt, ist es Frida, die alles zusammenhält. Mit trotzigem Humor und Eigensinn sucht sie einen Weg aus dem elterlichen Chaos. Und dazu muss sie das Gefängnis hinter sich lassen und herausfinden, wer Frida ohne den emotionalen Ballast ihrer Eltern eigentlich ist. Ein entwaffnend komischer, tief trauriger Roman über das Erwachsenwerden. - Einzigartiges Setting: Die bizarre Welt eines maroden Gefängnisses als Kulisse für eine besondere Kindheit. - Unvergessliche Charaktere: Es ist unmöglich, diese exzentrische Familie nicht ins Herz zu schließen. - Stilistisch außergewöhnlich und vielfach ausgezeichnet: Mit dem wichtigsten Leser- und Debütpreis der Niederlande ausgezeichnet und für zahlreiche Preise nominiert.

Gegenwarts- & Literarische Fiktion
eBook
Erschienen an: September 8, 2026

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Alexa EngelRezension von Alexa Engel

„Die außergewöhnlich gelungene Erziehung der Frida Wolf“ von Maria Kager aus dem Fischer Verlag ist ein ungewöhnlicher Coming-of-Age-Roman über eine Kindheit, die alles andere als gewöhnlich verläuft. Im Mittelpunkt steht Frida Wolf, die gemeinsam mit ihren Eltern direkt neben dem Gefängnis von Haarlem aufwächst, das ihr Vater Timofey leitet. Timofey ist allerdings nicht gerade das Bild eines souveränen Gefängnisdirektors: Er trinkt zu viel, raucht, verliert sich in literarischen Zitaten und scheint mit seiner Rolle als Vater ebenso überfordert zu sein wie mit seinem Beruf. Gleichzeitig versucht er, Frida zu einer möglichst widerstandsfähigen jungen Frau zu erziehen, wobei seine Methoden häufig deutlich über das Ziel hinausschießen. Auch Fridas Mutter Constance trägt ihren Teil zum familiären Chaos bei. Als Kinderpsychiaterin ist sie beruflich erfolgreich, aber emotional nur schwer für ihre Tochter erreichbar. Während sie sich intensiv um ein verhaltensauffälliges Mädchen kümmert, das Frida als „Schreimädchen“ bezeichnet, fühlt sich ihre eigene Tochter zunehmend vernachlässigt. Frida reagiert darauf mit einer Mischung aus Eifersucht, Einfallsreichtum und schwarzem Humor: Sie beginnt sogar, psychische Probleme vorzutäuschen, um die Aufmerksamkeit ihrer Mutter zurückzugewinnen. Gerade diese ungewöhnliche Reaktion macht deutlich, wie sehr Frida darum kämpfen muss, innerhalb ihrer eigenen Familie wahrgenommen zu werden. Frida selbst ist dabei die interessanteste Figur des Romans. Sie ist eigenwillig, intelligent, trotzig und mit einer bemerkenswerten Beobachtungsgabe ausgestattet. Trotz der schwierigen Verhältnisse entwickelt sie einen eigenen Humor und versucht, sich in einer Welt zurechtzufinden, in der die Erwachsenen ihre jeweiligen Rollen kaum erfüllen können. Als ein tragischer Unfall das ohnehin instabile Familiengefüge erschüttert, wird Frida gezwungen, stärker Verantwortung zu übernehmen und sich mit der Frage auseinanderzusetzen, wer sie eigentlich unabhängig von ihren Eltern sein möchte. Ihr Weg führt schließlich auch aus der vertrauten, aber belastenden Welt des Gefängnisses hinaus. Besonders gelungen ist die Verbindung von skurrilen Situationen und ernsten Themen. Hinter dem teilweise absurden Familienalltag stehen Vernachlässigung, Alkoholprobleme, eine schwierige Vater-Tochter-Beziehung und die Suche nach einer eigenen Identität. Das Gefängnis als Schauplatz verleiht der Geschichte zusätzlich eine ungewöhnliche Atmosphäre und macht Fridas Kindheit zu etwas gleichzeitig Faszinierendem und Beklemmendem. Kager erzählt dabei nicht einfach von einer dysfunktionalen Familie, sondern zeigt sehr genau, wie ein Kind versucht, mit den Schwächen und Widersprüchen seiner Eltern zurechtzukommen. Frida wird trotz ihrer schwierigen Ausgangssituation nicht ausschließlich als Opfer dargestellt. Ihre Eigenwilligkeit und ihr schwarzer Humor geben ihr eine bemerkenswerte Stärke, während ihre Fehler und teilweise absurden Strategien sie gleichzeitig glaubwürdig machen. Auch Timofey und Constance bleiben interessante, widersprüchliche Figuren, die zwar vieles falsch machen, aber nicht eindimensional als schlechte Eltern gezeichnet werden. Dadurch bekommt die Familiengeschichte eine gewisse Ambivalenz. „Die außergewöhnlich gelungene Erziehung der Frida Wolf“ verbindet schwarzen Humor, Tragik und eine ungewöhnliche Familiengeschichte zu einem eigenständigen Roman. Die Geschichte über ein Mädchen, das inmitten eines ziemlich chaotischen Elternhauses erwachsen werden muss, ist gleichermaßen unterhaltsam und berührend. Besonders die ungewöhnlichen Charaktere und das Gefängnis als Kulisse machen den Roman zu einer Geschichte, die aus der Masse der klassischen Coming-of-Age-Romane heraussticht.

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