Sjón ist eine wunderbare expressionistische Miniatur über das Reykjavic kurz vor der Unabhängigkeit gelungen.
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Der Junge, den es nicht gab
von Sjón, Betty Wahl
Sjón ist eine wunderbare expressionistische Miniatur über das Reykjavic kurz vor der Unabhängigkeit gelungen.
Aktuelle Rezensionen(1)
Ich habe mich sehr auf den Roman gefreut, nicht zuletzt, weil Sjón einige meiner liebsten Songs von Björk mitgeschrieben hat. Umso größer war leider die Enttäuschung. Beworben als bildgewaltig und poetisch, erschien mir der Text letztlich überkonstruiert und zugleich unausgeführt – eher wie eine Skizze als ein ausgearbeiteter Roman. Das Thema Homosexualität wird zwar wiederholt aufgegriffen, aber in oft sehr ähnlichen, sich wiederholenden Szenen verhandelt, ohne dass es wirklich mit der Figur und anhand eines sprachlichen Zugriffs auf dessen Realität und Erleben im Island des frühen 20. Jhs entwickelt würde (same goes für eine der wenigen weiblichen Nebenfiguren, deren Aufgabe es vor allem ist, in Lederklamotten Motorrad zu fahren) Das ist für mich der zentrale Schwachpunkt: Der Text behauptet vieles, entwickelt jedoch kaum etwas aus einer sprachlichen Bewegung heraus. Positiv ließe sich sagen, dass er damit an die Logik von Sagen oder Märchen erinnert – vermutlich auch bewusst. Allerdings leben diese traditionell davon, kulturelle Codes und überlieferte Motive aufzurufen und weiterzuführen. Hier hatte ich eher den Eindruck, dass solche Bezüge (wenn überhaupt) angedeutet, aber nicht wirklich eingelöst werden. Ich fand das ganze Ding ganz schön flach und habe