»14. August. – Ich bin verloren. Jemand hat von meiner Seele Besitz ergriffen und beherrscht sie, jemand befiehlt alles, was ich tue, alle meine Bewegungen, alle meine Gedanken, ich bin nichts als ›Ich‹, ich bin nur ein gefesselter Zuschauer und sehe alles entsetzt mit an, was ich tue.«Wirklichkeit und Illusion verschwimmen; eine gespenstische Erscheinung namens der Horla verfolgt einen alleinstehenden Mann. Nach und nach treibt die unsichtbare Gestalt den Erzähler in den Wahnsinn. In seiner Novelle Der Horla skizziert Guy de Maupassant (1850–1893) tagebuchartig den geistigen Verfall eines Mannes, der unter starken Angstzuständen leidet. De Maupassant selbst litt sein Leben lang an ähnlichen Symptomen, was sich in dieser düsteren Novelle widerspiegelt. Guy de Maupassant (1850 - 93) schlug nach Abbruch des Jurastudiums die Beamtenlaufbahn ein und begann unter Anleitung Flauberts zu schreiben. Innerhalb eines Jahrzehnts verfaßte er über zweihundertfünfzig Novellen und sechs Romane, die sich allesamt durch nüchterne Objektivität der Darstellung, universalen Desillusionismus und hohe stilistische Meisterschaft auszeichnen. Guy de Maupassant ist einer der großen Romanciers Frankreichs. Existentielle Konflikte, Milieuschilderungen und psychologische Analyse machen seine seine Romane und Novellen zur auch heute noch fesselnden Lektüre.
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Der Horla
»14. August. – Ich bin verloren. Jemand hat von meiner Seele Besitz ergriffen und beherrscht sie, jemand befiehlt alles, was ich tue, alle meine Bewegungen, alle meine Gedanken, ich bin nichts als ›Ich‹, ich bin nur ein gefesselter Zuschauer und sehe alles entsetzt mit an, was ich tue.«Wirklichkeit und Illusion verschwimmen; eine gespenstische Erscheinung namens der Horla verfolgt einen alleinstehenden Mann. Nach und nach treibt die unsichtbare Gestalt den Erzähler in den Wahnsinn. In seiner Novelle Der Horla skizziert Guy de Maupassant (1850–1893) tagebuchartig den geistigen Verfall eines Mannes, der unter starken Angstzuständen leidet. De Maupassant selbst litt sein Leben lang an ähnlichen Symptomen, was sich in dieser düsteren Novelle widerspiegelt. Guy de Maupassant (1850 - 93) schlug nach Abbruch des Jurastudiums die Beamtenlaufbahn ein und begann unter Anleitung Flauberts zu schreiben. Innerhalb eines Jahrzehnts verfaßte er über zweihundertfünfzig Novellen und sechs Romane, die sich allesamt durch nüchterne Objektivität der Darstellung, universalen Desillusionismus und hohe stilistische Meisterschaft auszeichnen. Guy de Maupassant ist einer der großen Romanciers Frankreichs. Existentielle Konflikte, Milieuschilderungen und psychologische Analyse machen seine seine Romane und Novellen zur auch heute noch fesselnden Lektüre.
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