4.0

Darktown Roman

von Thomas Mullen

Format:Hardcover

Atlanta, 1948: Auf Druck von oben sieht sich das Police Department gezwungen, die erste Einheit farbiger Polizisten in seiner Geschichte aufzustellen. Acht Männer, die in »Darktown«, dem streng abgegrenzten Viertel der farbigen Einwohner, für Recht und Ordnung sorgen sollen. Die Situation ist alles andere als einfach: Ihre weißen Kollegen begegnen den Beamten mit tiefer Feindseligkeit. Sie dürfen nicht vom Polizeipräsidium aus arbeiten, haben keine Erlaubnis, weiße Verdächtige zu verhaften. Und selbst die farbige Bevölkerung begegnet ihnen mit Misstrauen. Als eine junge farbige Frau tot aufgefunden wird, scheint das niemanden zu interessieren – bis auf Lucius Boggs und Tommy Smith, zwei Cops der neuen Einheit, die sich gemeinsam auf die Suche nach der Wahrheit machen. Zwischen zwielichtigen Alkoholschmugglern, scheinheiligen Puffmüttern, korrupten Gesetzeshütern und unter permanenter rassistischer Unterdrückung riskieren Boggs und Smith ihre neuen Jobs – und ihr Leben –, um den Fall zu lösen.›Darktown‹ ist ein hochatmosphärisches, komplex erzähltes und mitreißendes Krimi-Epos, eine kluge literarische Erkundung der Themen Rassismus, Korruption und Gerechtigkeit.»Eine brillante Mischung aus Krimi und historischem Roman. Großartige Unterhaltung.« Stephen King

Mystery, Thriller, Horror & Crime
480 SeitenHardcover
Erschienen an: 2018-11-12

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Aktuelle Rezensionen(1)

4.0(1 ratings)
IraRezension von Ira

<a href="https://licentpoeticae.wordpress.com/2019/02/11/thomas-mullen-darktown/">Rezension</a> <i>Rake fragte sich, ob es einen speziellen Grund dafür gab, dass Dunlow diesen Negro verprügelt hatte, eine spezielle Botschaft, die er damit senden wollte, und wenn ja, ob sie subtiler war als die eines Hundes, wenn er beim Spaziergang in der Nachbarschaft sein Bein hob. In solchen Momenten wurde Rake bewusst, dass sein Job nur daraus bestand, die Leine festzuhalten. Halt die Leine fest.</i> Atlanta, 1948: Die Stadt hat einen Vorstoß gewagt und erstmalig acht schwarze Polizeibeamten eingestellt. In Zeiten strikter Rassentrennung in den USA gefällt das längst nicht jedem. Am allerwenigsten vermutlich den weißen Kollegen vom Atlanta Police Department, die ihnen das Leben schwer machen. Zwei dieser acht Polizisten sind Lucius Boggs und Tommy Smith. Eines Abends auf Streife halten sie einen Weißen an, der eine Straßenlaterne umgefahren hat. In seinem Auto sitzt ein verängstigtes dunkelhäutiges Mädchen. Aufgrund ihrer beschränkten Befugnisse können sie nichts weiter unternehmen und müssen den Mann fahren lassen – wenig später wird das Mädchen tot aufgefunden. Das Schlimmste an allem? Niemanden scheint Lily Elsworths Tod zu interessieren. Niemanden, außer Boggs und Smith, die sich fragen, ob sie ihren gewaltsamen Tod nicht hätten verhindern können. Die beiden nehmen ihre eigenen Ermittlungen auf – etwas, das sie nicht nur ihren Job, sondern auch ihr Leben kosten könnte. 1948, das ist noch gar nicht SO lange her. Aus heutiger Sicht sind die Zustände dieser Zeit schwer zu glauben, obwohl jeder weiß, dass Rassentrennung im damaligen Amerika größer als groß geschrieben wurde. Thomas Mullen beginnt seine Geschichte in den ersten Wochen und Monaten der ersten schwarzen Streifenpolizisten Atlantas. Ihnen ist untersagt, weiße Bürger zu verhaften oder zu verhören. Außerdem dürfen sie unter gar keinen Umständen im oder außerhalb des Dienstes trinken oder das Hauptquartier des Atlanta Police Departments betreten – ihre Einheit hat ein eigenes Büro bekommen, und zwar den zugigen Keller eines YMCA Hostels. Die Arbeit, die sie verrichten, mutet also wie eine Farce an. Die Schikanen, unter denen sie durch ihre weißen Kollegen leiden müssen, machen es nicht besser. Trotzdem sind sich Boggs und Smith der Tatsache bewusst, dass sie durchhalten müssen. Sie sind der Testballon, wenn sie nicht aufgeben, sich nichts zu Schulden kommen lassen und gute Arbeit abliefern, wird das viele Türen für die ihren öffnen. Aber manchmal ist es schwer daran zu glauben. Zum Beispiel wenn das Mädchen, das sie mit diesem betrunkenen Weißen fahren lassen mussten, später tot auf einer illegalen Mülldeponie gefunden wird. Weggeworfen wie Abfall, für den sich niemand interessiert. Tatsächlich wirkt es sogar so, als solle der Mord von oben vertuscht werden. Boggs und Smith, beide sehr unterschiedlich, aber auch mit einem gesunden Gerechtigkeitssinn ausgestattet, fühlen sich Lily Elsworth verpflichtet und beginnen Ermittlungen auf eigene Faust. Der in Mullens Geschichte aufgezeigte (Alltags-)Rassismus ist an vielen Stellen nur schwer zu ertragen. Angefangen von Cops, die ihre neuen Kollegen zum Spaß beinahe über den Haufen fahren über Verhöre, bei denen so lange auf die dunkelhäutigen ‚Verdächtigen‘ eingeschlagen wird, bis sie die Version erzählen, die die Ermittler hören wollen bis hin zu niedergebrannten Häusern, weil sich ein Schwarzer in eine durch und durch weiße Nachbarschaft verirrt hat. Was mich sehr getroffen hat, dass nicht nur Kriminelle, sondern auch aufrechte, unbescholtene Bürger zum Spielball der Polizeiwillkür werden konnten. Sofort kommt einem der Gedanke: ist das wirklich Vergangenheit? Lesen wir nicht alle paar Wochen über solche Vorfälle in den Nachrichten? Obwohl Thomas Mullen seine Geschichte in der Mitte des letzten Jahrhunderts ansiedelt, ist doch nicht alles davon passé, könnte man sagen. Die Handlung war für mich an einigen Stellen nicht ganz durchsichtig, aber die durchaus liebens- bzw. hassenswerten Nebenfiguren haben das wieder aufgewogen. Natürlich gibt es bis zu einem gewissen Grad die Guten und die Bösen, aber Mullen hat es auch verstanden einige Figuren im Spektrum dazwischen anzusiedeln. Lucius Boggs, Predigersohn aus gutem Hause, ist beispielsweise moralisch ziemlich erhaben. Sein Partner Tommy Smith, ein Draufgänger aus der Unterschicht, kann da mit seinem hitzigen Temperament nicht ganz mithalten. Lionel Dunlow, seit Jahrzehnten Streifenpolizist und der Mann, der in seinen Vierteln die Hose an hat und keine Probleme hat, das mit seinen Fäusten klar zu stellen, insbesondere dann, wenn es sich um Schwarze handelt, die aufmucken. Sein Partner Denny Rakestraw, ein Kriegsveteran, der jetzt bei der Polizei angefangen hat, glaubt, dass er über diesen kleingeistigen Rassenvorurteilen steht, aber trotzdem nicht weiß, ob und wie er eingreifen soll, wenn es mit seinem Partner mal wieder durchgeht. Sergeant McInnis, der einzige Weiße im Keller des YMCA, der der schwarzen Polizeieinheit vorsteht und für den dieser Job eigentlich als Strafe gedacht war – der ihn dann aber doch nach bestem Wissen und Gewissen ausfüllt. Für mich war die Atmosphäre, die durch all diese Figuren erzeugt wurde, gleichermaßen erdrückend wie spannend. „Darktown“ erzählt eine Geschichte, bei der man öfter mal schlucken muss. Sind Menschenleben damals wirklich so wenig wert gewesen? Ein atmosphärischer Ausflug in eine absolut bedrückende Episode der amerikanischen Geschichte, der sich meiner Meinung nach aber sehr lohnt. Es ist der erste Fall für Boggs und Smith, aber nicht der letzte – und ich werde sie ganz sicher weiter begleiten.

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