Empfehlungen basierend auf "Creamtrain"
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von Daniel Speck
Mit seinen Familienromanen führt uns Bestseller-Autor Daniel Speck ins Herz des Mittelmeers. Bewegend verknüpft er Schicksale und Generationen und entwirft ein vielstimmiges Panorama der Kulturen. Gehen Sie mit Daniel Speck auf die Reise in seine drei Erfolgsromane. Bella Germania: Die große deutsch-italienische Familiengeschichte in drei Generationen – voller Zeitkolorit, dramatischer Wendungen und großer Gefühle. München, 2014: Die Modedesignerin Julia ist kurz vor dem ganz großen Durchbruch. Als plötzlich ein Mann namens Vincent vor ihr steht, der behauptet, er sei ihr Großvater, gerät ihre Welt aus den Fugen. Mailand, 1954: Der junge Vincent fährt von München über den Brenner nach Mailand, um dort für seine Firma zu arbeiten. Er verfällt dem Charme Italiens, und er begegnet Giulietta. Es ist Liebe auf den ersten Blick. Doch sie ist einem anderen versprochen. Eine tragische Liebe nimmt ihren Lauf, die auch Jahrzehnte später noch das Leben von Julia völlig verändern wird. Piccola Sicilia: Ein sonniger Herbsttag auf Sizilien. Schatztaucher ziehen ein altes Flugzeug aus dem Meer. Die deutsche Archäologin Nina findet auf der Passagierliste ihren Großvater Moritz, der seit dem Zweiten Weltkrieg als verschollen galt - das große Geheimnis ihrer Familie. Überraschend begegnet Nina einer fremden Frau, die behauptet, Moritz' Tochter zu sein. Hatte er eine zweite Familie? Tunis, 1942. Das bunte italienische Einwandererviertel »Piccola Sicilia«. Im Grandhotel Majestic begegnet der deutsche Soldat Moritz der faszinierenden Jüdin Yasmina und ihrer heimlichen Liebe, dem Pianisten Victor. Als die Nazis Victor gefangennehmen, riskiert Moritz alles, um ihm zur Flucht zu verhelfen. Doch durch seine Gefühle für Yasmina gerät er in ein schicksalhaftes Dilemma. Jaffa Road: Eine Villa am Meer unter Palmen: Die Berliner Archäologin Nina reist nach Palermo, um das Erbe ihres verschollenen Großvaters Moritz anzutreten. Dort begegnet sie ihrer jüdischen Tante Joëlle - und einem mysteriösen Mann, der behauptet, Moritz' Sohn zu sein. Elias, ein Palästinenser aus Jaffa. Haifa, 1948: Unter den Bäumen der Jaffa Road findet das jüdische Mädchen Joëlle ein neues Zuhause. Für das palästinensische Mädchen Amal werden die Orangenhaine ihres Vaters zur Erinnerung an eine verlorene Heimat. Beide ahnen noch nichts von dem Geheimnis, das sie verbindet, in einer außergewöhnlichen Lebensreise rund ums Mittelmeer. Daniel Speck nimmt uns mit in die Welt seiner Romane: In seinem Coffee-Table-Book Terra Mediterranea lädt er ein zu einer farbig bebilderten kulinarischen Reise rund ums Mittelmeer und erzählt dort die Geschichten hinter den Gerichten.
von Thorsten Nagelschmidt
März 2020, eine abgeschiedene Lodge in dem kolumbianischen Dschungeldorf Soledad. Die Hamburger Fotografin Alena will nach einer schmerzhaften Trennung nur ein paar Tage bleiben. Doch mehr und mehr verfällt sie dem mystischen Charme des Ortes und den Erzählungen Rainers, des deutschen Betreibers der Lodge, dessen Lebensgeschichte mit Alenas ersten Eindrücken von diesem seltsamen und charismatischen Mann nur wenig zu tun hat: In seiner Kindheit immer für zu weich gehalten, rebelliert er in den sechziger Jahren gegen das spießige Nachkriegsdeutschland, arbeitet als Vertreter für gefälschte Jeans und landet nach einer Odyssee durch Lateinamerika in Kolumbien, wo er einem hochrangigen Drogendealer ein Stück Land abkauft, um aus dem Nichts seine Lodge zu errichten. Wie in seinem hochgelobten Roman »Arbeit« erzählt Thorsten Nagelschmidt in »Soledad« mit beeindruckendem Einfühlungsvermögen und Witz von auf den ersten Blick sehr ungleichen Menschen, die sich in ihrem Wunsch nach Anerkennung und Zugehörigkeit näher sind, als sie anfangs dachten.
von Kerstin Lange
Ein bewegtes Leben zwischen Wien und Lissabon: der neue gefühlvolle Roman von Kerstin LangeWien 1953: Die zehnjährige Reni lebt in ärmlichen Verhältnissen. Als der Pfarrer sie für das Caritas-Programm vorschlägt, mit dem kranke und schwache Kinder zur Erholung geschickt werden, ändert sich für Reni alles. Bei einer wohlhabenden Familie in Portugal blüht sie auf. Zum ersten Mal hat sie genug zu essen und in ihrer Ziehschwester Marissa findet sie eine beste Freundin.Reni ist überglücklich, als sie langfristig in Portugal bleiben kann. Doch als sie sich, inzwischen eine junge Frau, in den Landarbeiter João verliebt, ist ihr Ziehvater gegen die Verbindung. Eigentlich will Reni um ihre Liebe kämpfen, doch ausgerechnet jetzt besteht ihre Mutter auf ihrer Anwesenheit in Wien. Kann sie jemals nach Portugal zu João zurückkehren?
von Blanca Imboden
Was mit dem Bestseller »Wandern ist doof« seinen Anfang nahm, erfährt endlich die lang ersehnte Fortsetzung. Conny, die Frankfurter Kreuzworträtselkönigin, die sich im ersten Buch in Toni, den Innerschweizer Bergführer, verliebt, dann aber nach Deutschland zurückreist, macht einen großen Schritt: Sie kündigt ihren Job als Hotelrezeptionistin und zieht in die Schweiz. Auf dem Urmiberg, oberhalb Brunnen, führt sie – zusammen mit Toni – ein Bergrestaurant mit eigener Seilbahn und fantastischer Aussicht. Dort oben ergibt sich bei einem Tête-à-Tête die Idee, die Wandergruppe, der sie ihre Liebe zu verdanken haben, spontan zu einem einwöchigen Wiedersehen auf den Urmiberg einzuladen. Irrümlich erreicht die E-Mail mit der frohen Botschaft nicht nur jene »Wanderfreunde«, auf die man sich freut. Was dann alles passiert, sei hier noch nicht verraten. Nur dies: Es wird diesmal nur gewandert und nicht mehr gefastet. Es gibt auch jetzt wieder ein Desaster, vor allem aber gibt es Versöhnung und Neubeginn, Natur und Geselligkeit und ein dickes Happy End.
von Milena Moser
LUIGIDraußen zog eine Landschaft vorbei. Sonnenverbrannte Hügel, gelbe Felder, vereinzelte Bäume. Keine Palmen mehr. Und auch das Meer konnte er nicht mehr sehen. Er schaute wieder in sein Buch, seine Augen schweiften über die Seiten, ohne mehr als ein paar Satzfetzen zu erfassen. «…den Anblick von Blut nicht gewohnt…Die Kiefer in atmendem Schweigen … nicht mehr gefährlich …» Der letzte Mohikaner von James Fenimore Cooper. Es war das erste Buch, das er auf Englisch gelesen hatte. Sein Vater hatte es ihm mitgegeben, für die Reise damals. Obwohl er noch gar kein Englisch konnte.«Das ist doch kein Kinderbuch», hatte seine Mutter gesagt. Sie wollte ihm das Buch wegnehmen, aber er hatte es behalten. Er las es immer wieder, und jedes Mal verstand er etwas mehr. Das Englisch war altmodisch und umständlich, die Beschreibungen verwirrend, immer wieder verlor er den Faden der Handlung. Und doch liebte er dieses Buch, gerade seine unverständlichen Passagen. Es beruhigte ihn, wie ihn die Stimme seines Vaters beruhigt hatte. Er hatte ihm vor dem Schlafengehen immer aus dem Buch vorgelesen, das er gerade selber las, ob es ein Gesetzbuch war oder ein Gedichtband. Ohne Rücksicht darauf, ob Luigi auch nur ein Wort verstand. Gerade das hatte ihn beruhigt und zuverlässig einschlafen lassen: der Klang dieser Stimme, die so viel mehr wusste als er.«Schon wieder die Nase im Buch», seufzte Giovanna. Sie verstand nicht, dass Luigi auch das für seinen Vater machte. Sein Vater hatte immer ein Buch in der Tasche, manchmal zwei. Er umwickelte sie mit einem schmalen Lederbändel und schob sie in seine Jackentasche. Manchmal ließ er sie auch von seinem Finger baumeln. So wie er das mit dem Kuchenpaket machte, das er am Samstag aus der Bäckerei holte. Das Paket schaukelte an seinem Finger hin und her, und bis er zuhause ankam, war die gelbe Creme vom Teigboden gerutscht, und Giovanna schimpfte. Je mehr Zeit verging, desto schwerer fiel es Luigi, diese Erinnerungen festzuhalten. Diese Momente. Manchmal wusste er gar nicht mehr, ob sie echt waren oder ob er sie selber zusammengesetzt hatte. Aus seinen Träumen, seinen Wünschen.Er tat nur so, als würde er lesen, als sei er ganz in sein Buch vertieft. Als könnte er seine Mutter nicht hören.«Schau doch», sagte sie immer wieder und zeigte zum Fenster. «Schau doch, wie schön!» Dabei sah sie gar nicht aus dem Fenster. Ihr Blick war auf Luigi geheftet. Ihr Blick war schwer zu deuten. Luigi sah wieder in sein Buch. Er ertrug diesen Blick nicht, der falsche Hoffnungen weckte. «Lass uns umkehren», schien er zu sagen. «Komm, lass uns zurückfahren. Ich will nicht, dass du so weit weg von mir bist.» Aber der Blick täuschte. Luigi schaute nicht von seinem Buch auf, nicht aus dem Fenster. Er las denselben Satz wieder und wieder.«Guarda, guarda!»Manchmal sprach seine Mutter noch Italienisch mit ihm. Er tat dann immer so, als könne er sie nicht mehr verstehen. Das hatte er seinem Vater versprochen: «Sobald wir auf dem Schiff sind, sprechen wir nur noch Englisch miteinander.» Luigi hatte sich daran gehalten. Sein Vater nicht. Er war ja gar nicht auf dem Schiff gewesen. Im letzten Moment hatte er beschlossen, in der Schweiz zu bleiben. Er konnte seine Klienten nicht im Stich lassen.«Und was ist mit uns?» «Es ist doch nur für ein paar Wochen. Monate, höchstens!»Mehr als vier Jahre war das her. Vier Jahre, in denen sein Vater nicht oft geschrieben hatte und irgendwann gar nicht mehr. Es war Krieg. Briefe gingen verloren. Sie waren zu oft umgezogen, dachte Luigi. Sein Vater wusste nicht, wo sie jetzt wohnten. Wahrscheinlich wusste er nicht einmal, dass Luigi jetzt auf diese Schule geschickt wurde. Mitten im wilden Westen, wo es Indianer gab und Berglöwen, ungesattelte Pferde und Lagerfeuer. Es waren andere Indianer als in dem Buch. Der letzte Mohikaner lebte im Nordosten Amerikas, nicht weit von New York, wo ihr Schiff angelegt hatte.Es war immer nur von Amerika die Rede gewesen. Nicht von New York oder Los Angeles oder gar dem Wilden Westen. Immer nur Amerika, als sei es ein Ganzes, als zerfiele es nicht in die groben Puzzleteile, mit denen die Kinder in der Schule die Namen der einzelnen Staaten lernten. Los Angeles war weiter von New York entfernt als Locarno. Aber immer noch in Amerika.Luigi schrieb auch immer seltener, aber immerhin schrieb er noch. Und von allem Anfang an auf Englisch. «Dear dad» – mehr konnte er damals nicht. Er zeichnete das Schiff und die hohen Häuser im Hafen. Die Worte wurden mehr, die englischen. Die Briefe weniger. Die Jahre in Amerika wurden mehr und die Jahre in der Schweiz weniger. Irgendwann würden es mehr Jahre in Amerika sein als in der Schweiz, mehr Jahre ohne seinen Vater als mit ihm. Jetzt war er schon zwölf Jahre alt und kein Kind mehr.«Guarda! Guarda i cavalli!», rief seine Mutter jetzt.Pferde. Pferde vor dem Fenster. Luigi konnte nicht widerstehen, er hob seinen Blick. Folgte ihrem Finger, der aus dem Fenster zeigte. Wilde Pferde galoppierten neben ihnen her. Hellbraune Pferde, gefleckte Pferde, ein schwarzes. Sie liefen so schnell, wie der Zug fuhr. Sie waren kleiner, als Luigi gedacht hätte. Er ließ sich seine Aufregung nicht anmerken, sondern schaute gelangweilt wieder in sein Buch.«Rede Englisch», wollte er seine Mutter anfahren, aber genau das sagte Marvin ja immer: «Rede Englisch. Wir sind hier in Amerika.»Luigi wusste alles über Amerika. Sein Vater hatte ihm erklärt, auf welchem Fundament Amerika ruhte: auf Lügen. Auf Tricks. Verseuchten Wolldecken. Auf Verträgen, an die sich keiner hielt. Sklaverei. Ungerechtigkeit. «Und trotzdem», hatte Giorgio gesagt. «Trotzdem, das ist das Wunder. Trotzdem ist Amerika das Land geworden, in dem jeder eine Chance hat. In dem alles möglich ist.»Warum war er dann nicht hier?Wo war er?«Warum sind wir weggegangen?», fragte Luigi. Giovanna schaute erstaunt auf. Sie strickte etwas. Es sah aus wie eine Mütze, aber eine sehr kleine Mütze. Einer Orange würde sie passen oder einer Puppe vielleicht. Sie legte die Handarbeit in den Schoß und schaute aus dem Fenster, die gelben Felsen schienen sich nicht zu bewegen. Dann schaute sie Luigi an.«Das haben wir doch besprochen», sagte sie. «Marvin hat es dir erklärt. Die Outdoor School in Española hat einen sehr guten Ruf.»«Das meine ich nicht. Warum sind wir weg aus Locarno?» Es ergab keinen Sinn. Es war kurz vor dem Ausbruch des Krieges gewesen. Flüchtlinge aus Deutschland versuchten, in die Schweiz einzureisen. Wer würde in diesen Zeiten die Schweiz verlassen?«Warum willst du das ausgerechnet jetzt wissen?»«Weil ich es ausgerechnet jetzt wissen will!» Er klang wie ein kleines Kind.«Die Politik», sagte Giovanna. «Das verstehst du nicht.»«Sind wir Juden?», fragte Luigi, um ihr zu zeigen, dass er sehr wohl verstand. Er hörte die Nachrichten im Radio. Er hörte die Kinder in der Schule reden. Immer mehr Kinder kamen aus Europa. Ihre Eltern arbeiteten für den Film, sie schrieben Drehbücher, sie komponierten Musik, manche waren Schauspieler. Die hatten es am schwersten, wegen der Sprache. Manchmal wartete Luigis Mutter geradezu gierig auf ihn, wenn er aus der Schule kam. «Erzähl, was war heute? Sind wieder neue Kinder gekommen? Ich habe gehört, dass die Kaminskis jetzt hier sind, ist der Sohn in deiner Klasse? Er müsste in deinem Alter sein.» Manchmal erwähnte sie dann seinen Vater. «Giorgio kannte den ganz gut, vielleicht erinnert er sich an uns.»Wie kam sie darauf, dass er nicht verstand?«Warum sind wir weg und Papa nicht?»«Es war nicht genug Geld da», sagte sie. «Wir konnten uns nur zwei Überfahrten leisten.»«Das glaube ich nicht!»«Ach, du! Nun ja, der Nonno brauchte ihn noch. In der Kanzlei. Verstehst du, es waren schwierige Zeiten, und sie sind nicht einfacher geworden. Immer mehr Leute brauchen einen guten Anwalt. Und Giorgio hat eben ein Gewissen – im Gegensatz zu mir …» Sie lachte ein Lachen, das nicht lustig war. Dann wurde sie wieder ernst. «Vor allem wollte er, dass du ein gutes Leben hast. Dass du sicher bist.»«Wenn wir nicht Juden sind, was sind wir dann? Kommunisten?»Das war nur so dahingesagt, Kommunisten lebten nicht in großen Wohnungen mit Blick auf den See, Kommunisten trugen keine maßgeschneiderten Anzüge, keine handgenähten Lederschuhe. Seine Mutter runzelte die Stirn und nahm ihre Handarbeit wieder auf. «Sag bitte nicht so etwas. Und schon gar nicht vor Marvin!» Sie zählte die Maschen, sie seufzte.Zu Beginn hatte seine Mutter noch geweint. Im Zug nach Genua fast ununterbrochen. Doch schon auf dem Schiff nach New York freundete sie sich mit zwei Paaren an, die in der ersten Klasse reisten. Sie luden sie an ihren Tisch ein, im besseren Speisesaal, sie hörten zusammen Musik, sie diskutierten, sie tanzten. Immer öfter ließ sie Luigi abends allein in ihrer engen Kabine zurück. Doch als sie in New York ankamen, reisten ihre neuen Freunde weiter. Und Luigi und seine Mutter blieben zurück.Sie warteten auf Giorgio, dachte Luigi damals. Doch sie warteten nicht lange.Wenige Wochen nur blieben sie in diesem düsteren Mietshaus in New York, in dem Schatten durchs Treppenhaus huschten und es nach Urin und Kohl stank. Ihr Zimmer hatte kein Fenster und nur ein schmales Bett. Doch die anderen Zimmer im Haus waren von ganzen Familien belegt, vier, fünf Personen schliefen, kochten, aßen auf den knappen Quadratmetern. Sie schienen sich alle zu kennen. Sie gehörten nicht dazu. Die anderen Frauen machten sich lustig über Giovannas Dialekt. Giovanna hielt sich wohl für etwas Besseres, sagten sie. Heimlich gab Luigi ihnen recht. Seine Mutter war etwas Besseres. Und sie wusste das auch. Schließlich waren sie nicht vor der Armut geflohen, sondern vor der Politik. In Locarno hatten sie in einer großen Wohnung mit hohen Fenstern gelebt, mit Blick auf die Seepromenade. Doch das zählte jetzt alles nichtmehr. Sie waren in Amerika. Und in Amerika waren alle gleich. Das hatte Giorgio versprochen. Doch das stimmte nicht. Das hatte Luigi schnell verstanden. Und manchmal machte ihn das wütend. Sein Vater musste gewusst haben, was sie erwartete. «Pass auf deine Mutter auf», hatte er zu Luigi gesagt. In der ersten Nacht in New York hatte Luigi den einzigen Stuhl an die Tür ihres Zimmers geschoben und im Sitzen geschlafen. Die ganze Nacht hatte es an der Tür gerüttelt. Sie waren nicht die Einzigen, die ohne Mann gereist waren. Aber die anderen Frauen waren nicht so schön wie seine Mutter. Giovanna war groß und schlank. Ihr Haar war dunkelbraun und gelockt, wenn die Sonne darauf schien, fast rot. Luigi hatte ihr Haar. Und ihre nussbraunen Augen. New York machte seine Mutter hart und still. Sie weinte nicht mehr, aber sie lachte auch nicht. Ihre Lippen verschwanden, als hätte sie sie eingesogen und im Innern ihres Mundes versteckt.Das war nicht das Amerika, das sein Vater ihm beschrieben hatte.Doch nach wenigen Wochen verließen sie New York und fuhren nach Los Angeles, wo seine Mutter eine Stelle als Kostümschneiderin in einem Filmstudio gefunden hatte. Das war eine andere Zugreise gewesen als diese jetzt. Sie hatten auf harten Holzbänken gesessen und im Sitzen geschlafen. Sie hatten kalte Kartoffeln gegessen und eine Wurst, die Giovanna eingepackt hatte. Trotzdem war es besser gewesen. Seine Mutter hatte sich an ihn geklammert, und Luigi hatte sie beschützt. Er hatte für sie übersetzt, obwohl er selber erst wenige Worte Englisch sprach. Sein Vater wäre stolz auf ihn gewesen.
von Emma Wagner
Der Duft des Rosmarins, ein zerstörerisches Familiengeheimnis und eine Liebe gegen alle Widerstände – der neue, zutiefst berührende Roman von Bestsellerautorin Emma Wagner entführt auf die malerische Insel Korsika.Seit ihrer Kindheit wird die Künstlerin Justine von einem wiederkehrenden Albtraum gequält, den sie in ihren Werken zu verarbeiten versucht. Als bei ihrer Ausstellung der geheimnisvolle Raphaël auftaucht, verspürt sie sofort eine Verbindung zu ihm. Fasziniert folgt sie ihm nach Korsika und schon bald zieht nicht nur er, sondern auch die Insel sie in ihren Bann.Aber warum will ihr Vater sie um jeden Preis zurückholen? Und wieso reagieren die Bewohner eines kleinen Bergdorfes so abweisend auf sie?Gemeinsam mit Raphaël begibt sie sich auf die Suche nach Antworten. Und stößt auf eine Geschichte von Liebe und Hass, die ihr bisheriges Leben in Frage stellt.
von Anja Saskia Beyer
Kindle-#1-Bestsellerautorin Anja Saskia Beyer über den Zauber Venedigs, die große Liebe und die Macht der Vergebung. Seit Monaten hat die alleinerziehende Nicola kaum Kontakt zu ihrer Schwester Caterina, dabei waren die beiden vorher unzertrennlich. Caterina entzieht sich immer wieder ihren Annäherungsversuchen. Auch als die Großmutter der Schwestern in Venedig erkrankt und sie zusammen mit Nicolas Tochter in die Lagunenstadt reisen, bleibt Caterina abweisend.Dann beginnt ihre Nonna zu erzählen – von ihrer Liebe zu dem unerschrockenen Freiheitskämpfer Renzo und den mutigen Frauen, die in den 40er Jahren ihr Leben riskierten, um den Widerstand in Venedig zu unterstützen. Eine Reise in die Vergangenheit beginnt, die mehr mit der Gegenwart zu tun hat, als die Schwestern ahnen …
von Sibel Daniel
Ein bewegender Roman über die Suche nach Heimat und Glück: das Finale der Fremde-Heimat-Reihe von Bestsellerautorin Sibel Daniel1951: Die willensstarke Alma hat mit ihrer Familie die Umsiedlung nach Polen und die furchtbare Flucht vor der Roten Armee überlebt. Dass Janos und sie sich wiedergefunden haben, ist ihr großes Glück. Doch Alma spürt, dass Deutschland ihr keine neue Heimat werden kann.Es ist die Liebe, die ihr die Kraft gibt, weiter von einem Leben als Winzerin zu träumen. Sie weist ihr den Weg nach Amerika: Mit Janos, der kleinen Maria sowie den Brüdern Alwin und August besteigt Alma ein Schiff nach New York. Aber in der Weite der Großstadt verlieren sie ihr Ziel aus den Augen, alte Wunden brechen auf. Das eigene Weingut rückt in unerreichbare Ferne. Als die Brüder sich mit dunklen Geschäftemachern einlassen, muss die Familie wieder ihre Koffer packen. Sie macht sich auf den Weg nach Argentinien. Die erneute Reise ins Ungewisse verlangt allen viel ab, denn niemand weiß, ob Südamerika ihnen endlich die sichere Heimat sein wird, nach der sie sich so sehnen …
von Marleen Reichenberg
Marie übt ihren Beruf als Weddingplanerin mit Hingabe aus. Sie glaubt an die wahre Liebe und bereitet mental ihre eigene Hochzeit mit ihrem Freund Oli vor.David ist erfolgreicher Scheidungsanwalt und lässt sich aufgrund seiner beruflichen Erfahrungen auf keinerlei feste Beziehungen ein. Was aber nicht heißen soll, dass es ihm an weiblicher Gesellschaft mangelt.Als die beiden unfreiwillig nähere Bekanntschaft machen, ist für Marie sonnenklar:Aufgrund ihrer völlig gegensätzlichen Lebensauffassungen ist zwischen ihnen nicht einmal eine lose Freundschaft möglich, ganz zu schweigen von anderen Dingen.Leider sorgen jedoch unvorhergesehene Ereignisse dafür, dass sich beide ständig über den Weg laufen und das Schicksal lacht sich ins Fäustchen ...
von Alexandra Fischer
Apia, 1902: Die adelige Familie von Bahlow kommt aus Potsdam in die Kolonie Deutsch-Samoa, um dort einen Neuanfang zu wagen. Während der ehrgeizige Karl von Bahlow davon besessen ist, sich als Pflanzer einen Namen in der Kolonie zu machen, erleben seine Frau Rosa und die drei Töchter Grethe, Helene und Martha den Umzug in die neue Heimat auf ihre ganz eigene Weise. Die fremdartige Kultur der Südsee verändert jede der vier Frauen, beschwört schicksalhafte Begegnungen herauf und zeigt ihnen den Zauber der Liebe. Besonders ein geheimnisvoller Weltenbummler beeinflusst das Schicksal der Familie nachhaltig, während sich die Ereignisse schließlich überstürzen und im Ausbruch des ersten Weltkrieges gipfeln, der alles auseinanderzureißen droht.