Empfehlungen basierend auf "Aufzeichnungen aus dem Kellerloch"
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von Fjodor Dostojewskij
In den »Aufzeichnungen aus dem Kellerloch« von Nietzsche als »wahrer Geniestreich der Psychologie« bezeichnet - stellt sich ein kranker, verbitterter »Einzelner«, der seine Existenz in einer erbärmlichen Petersburger Kellerwohnung fristet, gegen die von der Utopie des »Kristallpalastes« und des kollektiven Glücks beherrschte fortschrittsgläubige Ideologie eines Jahrhunderts, verteidigt das Recht auf Freiheit gegen das Diktat einer alles beherrschenden »Vernunft«.
von Elias Canetti
Der weltweite Ruhm dieses erstaunlichen Romans eines Sechsundzwanzigjährigen kam spät – obwohl er von Thomas Mann, Hermann Hesse und anderen in seiner Bedeutung sogleich erkannt und enthusiastisch begrüßt worden war. Heute steht fest, dass "Die Blendung", 1935 zum ersten Mal veröffentlicht, zu den großen Werken der europäischen Literatur des 20. Jahrhunderts gehört. Es ist die Geschichte des Sinologen Peter Kien, der in den Flammen seiner Bibliothek stirbt. Habgier, Brutalität und Weltfremdheit münden in den Zustand völliger Verblendung, die für die unheimlichen Personen des Romans den Untergang bedeutet. Ein Roman, halb Höllenbild, halb Weltgericht.
von Erich Kästner
"Obwohl die Millionäre aus der Mode gekommen sind und obwohl ich nicht einmal weiß warum, ist, dessenungeachtet, die Hauptfigur dieses Buches ein Millionär. Das ist nicht meine Schuld. Sondern es kam so..." Erich KästnerGeheimrat Tobler, ein Mann, dem Fabriken, Banken, Warenhäuser und viele Millionen gehören, gewinnt in dem Preisausschreiben seiner eigenen Firme den 2. Preis: zehn Tage Winterurlaub im Grandhotel Bruckbeuren. Zum Entsetzen seiner Familie entschließt er sich, die Reise anzutreten, und zwar "endlich einmal ohne den üblichen Zinnober", als armer Teufel namens Schulze. Das Verwechslungsspiel nimmt seinen Lauf.
von Gaito Gasdanow
Tagsüber studiert er, nachts arbeitet der Erzähler als Taxichauffeur. Er verkehrt mit Dieben und Zuhältern, Selbstmördern und Clochards, Verrückten und Alkoholikern. Drei Halbweltdamen haben ihn zu ihrem Vertrauten gemacht: Raldy, die ehemalige Luxusprostituierte, Alice, ihre untreue Schülerin, und Suzanne mit dem Goldzahn. Sie hat den Sprung ins bürgerliche Leben geschafft und hätte mit Fedortschenko fast ihr Glück gefunden. Gasdanow, der im Exil sein Geld als Taxifahrer verdiente, erzählt vom Leben der Emigranten im Paris der dreißiger Jahre, zwischen brennender Nostalgie und einer heillosen Gegenwart. "Nächtliche Wege" ist ein Meisterwerk der literarischen Moderne.
von Ernst Toller
Wolfgang Frühwalds Aufsehen erregende, von der Zeitschrift »Damals« preisgekrönte Neuedition der Autobiographie Ernst Tollers, 2011 bei Reclam im Hardcover erschienen, erschließt diesen wichtigen Text durch einen ausführlichen Kommentar, der dem Leser die historischen Hintergründe der Vorkriegszeit, des Ersten Weltkriegs und der Münchner Räterepublik sowie alle auftretenden Personen erklärt. Diese Ausgabe wurde jetzt vom Herausgeber nochmals durchgesehen und auf die Bedürfnisse der Universal-Bibliothek zugeschnitten: damit gibt es den wichtigen Text in einer verlässlichen, preiswerten Ausgabe für Schule und Universität.
von Ehm Welk
1. Aufl. der Neuauflage, Hinstorff, Rostock, 2012. 445 S. mit zahlreichen Illustrationen von Egbert Herfurth, 22 cm, Pappband mit Lesebndchen u. Schutzumschlag, (Umschlag etwas fleckig)
von Hans Traxler
Noch im 17. Jahrhundert war der größte Teil Deutschlands von so dichtem Wald bedeckt, daß ein Geschichtsschreiber sagen konnte, ein Eichhörnchen, das in Magdeburg auf einen Baum klettere, könne bis an den Bodensee gelangen, ohne den Fuß einmal auf den Erdboden zu setzen. Hier nach den Resten des Hexenhauses suchen hieße eine Nadel im Heuhaufen suchen. Aber die Geschichte der Ausgrabungen steckt voller Zufälle. Zufällig war auch Georg Ossegg 1945 in den Spessart geraten. Aber als er dann an einem Frühlingsmorgen des Jahres 1962 vor der grünen Mauer der Gemarkung 7 stand, da hatte der Zufall seine Schuldigkeit getan; der nüchterne Geist des Spatenforschers trat an seine Stelle. Am gleichen Abend, es ist der 10. Mai, schreibt er in sein Tagebuch: "Da stand ich also wieder vor dem Hexenwald. Ich war mir nur nicht sicher, daß es der Richtige war. Im hessischen Flurenbuch habe ich 16 verschiedene Hexenwälder gefunden. Wie viele mögen es in ganz Deutschland sein!" Nun lohnt es sich, daß Ossegg seit seiner Schulzeit alles Erdenkliche gesammelt hatte, wenn es nur mit Grimms Märchen in irgendeiner Beziehung stand. So erkannte er auf den ersten Blick etwas, was Tausende von Jägern, Bauern, Holzfällern und Touristen, die diesen Fuhrweg entlanggeschritten waren, nicht gesehen hatten und auch gar nicht gesehen haben konnten. Er schreibt: "Ich war noch keine halbe Stunde unterwegs, da hatte ich auf einmal ein seltsames Gefühl. Mir war, als wäre ich diesen Weg schon einmal gegangen. Dann sah ich es: Das Bild, das mir seit meiner frühesten Kindheit vorgeschwebt hatte." Mit diesem Bild hat es seine eigene Bewandtnis. Es befindet sich in einer frühen Ausgabe der Grimmschen Hausmärchen, die nur einmal aufgelegt wurde und längst vergessen ist. Der märchenbesessene Georg hatte diese Buchausgabe einst von seinem Großvater bekommen und besitzt sie heute noch. Mit einer Intensität, wie sie nur Kindern zu eigen ist, hatte er sich jede der Illustrationen tief eingeprägt. Die Übereinstimmung der Märchenillustration von 1818 und der Landschaft von 1962 durchfuhr ihn wie eine plötzliche Erleuchtung. Die Ähnlichkeit ist tatsächlich verblüffend, wenn auch nicht auf den ersten Blick. Die Zeit hat ihr Werk verrichtet. Die Bäume haben an Umfang und Höhe zugenommen, einige sind unter der Axt gefallen, das Unterholz hat sich verdichtet. Schwerwiegender sind die Ähnlichkeiten: Die Hügellinie am Horizont (sie schimmert heute nur noch schwach durch die Zweige), die gleichgebliebene Flora. Wo Eichen, Fichten und Buchen standen, stehen auch heute noch Eichen, Fichten und Buchen. Samenflug hat nur wenig daran geändert. Ein neuer Gedanke beschäftigte Ossegg: Wenn die Märchenillustration so offensichtlich nach einer Naturstudie entstanden war, und zwar 1818, also zu Lebzeiten der Grimms, dann konnte das bedeuten, daß der Weg von Hänsel und Gretel eine Realität war, der Weg, von dem es im Märchen heißt: "Danach machten sie sich alle zusammen auf den Weg nach dem Wald." Es fehlte nur der Beweis. Aber da war ja die Gegenlichttheorie. Das Kätzchen auf dem Schornstein. Wenn sie stimmte, mußte das Elternhaus am östlichen Ende des Weges zu suchen sein. Übrigens gibt es nur sehr wenige glaubwürdige Abbildungen des Elternhauses. Stets hat das Lebkuchenhaus auf die Zeichner eine größere Faszination ausgeübt, so daß das Elternhaus ins Hintertreffen geriet. Am nächsten Morgen tat Ossegg den ersten Schritt nach Osten. Würde dieser 11. Mai 1962 in die Geschichte der Archäologie eingehen? Um es gleich zu sagen: Es gab einen eindeutigen Beweis und eine große Enttäuschung. Der Weg endete auf freiem Felde. Das Elternhaus steht nicht mehr. Dort, wo es gestanden haben muß, verläuft die neuangelegte Autobahn Frankfurt - Würzburg. Das Gebäude, dessen Vergangenheit niemand kannte, fiel ebenso dem Verkehr zum Opfer wie vorher das bekanntere, wenn auch nicht authentische Wirtshaus im Spessart, das wenige Kilometer östlich davon stand. Aufzeichnungen der Bahnmeisterei Rohrbrunn bestätigten diese Vermutung. Der letzte Besitzer, Georg Scheidthauer, hatte mit der Bundesautobahnverwaltung einen Prozeß geführt, in dem er kraft Gesetzes unterlegen war. Als Entschädigung für "ein Fachwerkhaus mit Scheune sowie einen Garten mit 18 Obstbäumen" hatte er 18760 DM bekommen. Georg Ossegg war an den geographischen Ausgangspunkt der Geschichte von Hänsel und Gretel gelangt. "Nachdem sich die Gegenlichttheorie bereits in einem Punkt als richtig erwiesen hatte, brauchte ich eigentlich nur noch geradeaus so lange nach Westen zu gehen, bis ich auf den Rastplatz im Walde stoßen würde." Gemeint war der Platz, an dem die Eltern zum erstenmal ihre Kinder ausgesetzt hatten. Der Text lautet: "Als sie mitten in den Wald gekommen waren, sprach der Vater: 'Nun sammelt Holz, ihr Kinder, ich will ein Feuer anmachen, damit ihr nicht friert.' Hänsel und Gretel trugen Reisig zusammen, einen kleinen Berg hoch. Das Reisig ward angezündet, und als die Flamme recht hoch brannte, sagte die Frau: 'Nun legt euch ans Feuer, Kinder, und ruht euch aus, wir gehen in den Wald und hauen Holz. Wenn wir fertig sind, kommen wir wieder und holen euch ab.'" Nun erhob sich die Frage, in welcher Entfernung vom Elternhaus der Rastplatz zu suchen sei. Im Text heißt es: " ... wir wollen ... die Kinder hinaus in den Wald führen, wo er am dicksten ist: da machen wir ihnen ein Feuer an ... !" Das ist natürlich barer Unsinn. Kein Holzhacker würde eine Feuerstelle im Walde anlegen, "wo er am dicksten ist". So etwas konnte nur einem Göttinger Professor einfallen. Ossegg spottet: "Jeder Pfadfinder weiß, daß ein Feuer nicht näher als 80 Meter vom nächsten Waldrand angelegt werden darf, gegen den Wind gesehen. Ich brauchte also nur die nächste große Lichtung suchen."
von Volker Weidermann
Der Dichter und sein Kritiker – eine wechselvolle Fehde und ein großes Stück deutscher Geschichte.Die »Zwangsehe«, wie Günter Grass sie einmal nannte, wurde offiziell am 1. Januar 1960 geschlossen: An diesem Tag besprach der damals 39-jährige Kritiker Marcel Reich-Ranicki »Die Blechtrommel« des gerade 32-jährigen Autors. Er verriss den Roman. Und so begann das wechselhafte, von Rivalität wie Respekt getragene Verhältnis der beiden herausragenden Protagonisten der deutschen Nachkriegsliteratur. 1958 waren sie sich schon einmal im Warschauer Hotel Bristol begegnet – und hatten beide bereits ein Leben hinter sich: Der eine war bei der Waffen-SS gewesen, der andere Überlebender des Warschauer Ghettos. Doch beide einte ihre große Liebe zur deutschen Literatur und ihr unbedingter Wille, ihr weiteres Leben dieser Literatur zu widmen.
von Friedrich Dürrenmatt
Alfredo Traps, Zyniker und herzloser Profiteur, findet bei einer Gruppe von pensionierten Richtern Zuschlupf. Eine aussergewöhnliche Nacht steht ihm bevor.
von Susanna Schwager
Er liebte die Tiere mehr als alles andere. Als die Mutter starb, holte er sich die Wärme beim Hofhund. Sein Traum war es, Tierarzt zu werden. Hans M. wurde Metzger, einer bis ins Mark. Noch heute hört er den Kanonendonner, den der erste Weltkrieg vom Elsass bis ins Emmental trug. Und er erinnert sich an trommelnde Sozialisten, die kurz vor dem Landesstreik mit roten Fahnen am Miststock vorbeimarschierten. Der Bergbauernbub entging knapp dem Schicksal als Verdingkind. Und knapp entging er der Verzweiflung des Vaters. Das harte Leben im Krachen stählte seinen Willen. Er wollte vor allem eines: weg aus dem Tal. Weg vom Schinden, Hungern und Frieren. Eine Metzgerlehre war seine grosse Chance. So beginnt ein Leben, das ein steinalter Mann erzählt, mit unheimlicher Präzision und grosser Erzählkraft. 'Fleisch und Blut' bricht das 20. Jahrhundert wie ein Prisma und erzählt es wie ein Roman. Susanna Schwager stieg mit ihrem Grossvater in die Vergangenheit, fragte und stellte in Frage. Aus seinen glasklaren Erinnerungen fügte sie eine handfeste, manchmal drastische Geschichte voller poetischer Details.